„Pellegrino Matarazzo, der Amerikaner, der Barca stoppte“, titelte die spanische AS nach dem 2:1-Erfolg von Real Sociedad San Sebastián am Sonntagabend und richtete das Rampenlicht damit abermals auf den ehemaligen Bundesliga-Trainer.

Matarazzo übernahm zum Jahresbeginn an der Seitenlinie der Spanier und verzeichnete sofort einen Traumstart. Auf ein 1:1 bei seinem Debüt gegen Atlético Madrid folgten drei Siege in Serie, darunter der Einzug ins Viertelfinale der Copa del Rey und der jüngste Coup gegen den FC Barcelona.

Pellegrino Matarazzo führt Real Sociedad San Sebastián aus der Krise
Pellegrino Matarazzo führt Real Sociedad San Sebastián aus der KrisePellegrino Matarazzo führt Real Sociedad San Sebastián aus der Krise

Es war eine Entwicklung, mit der wohl die wenigsten Beobachter gerechnet hatten. Zwei Jahre nachdem San Sebastián ins Achtelfinale der Champions League eingezogen war, steckte das Team tief in der Krise. Nach 17 Spielen in La Liga hatte der Klub nur 17 Zähler auf dem Konto und war mit zwei Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge akut gefährdet, noch weiter abzurutschen.

Matarazzo-Verpflichtung als „unmittelbarer Wendepunkt“

Nur ein halbes Jahr nachdem Sergio Francisco das Amt vom langjährigen Trainer Imanol Alguacil übernommen hatte, war für den Spanier bereits wieder Schluss und der Weg frei für Matarazzo.

Die Verpflichtung des 48-Jährigen schien auf den ersten Blick jedoch nicht die naheliegendste Option zu sein. Noch nie hatte ein US-amerikanischer Trainer ein Team in La Liga übernommen. Zusätzlich war Matarazzo nach Stationen beim VfB Stuttgart und der TSG Hoffenheim seit November 2024 ohne Trainerjob gewesen.

Doch bisher scheint sich die Verpflichtung als goldrichtig herauszustellen. Innerhalb kürzester Zeit kletterte San Sebastián aus dem Abstiegskampf bis auf den neunten Platz, darf sogar vorsichtig auf die europäischen Plätze schielen und im Pokal weiter träumen. Die AS sprach bereits von einem „Matarazzo-Effekt“ und titelte: „Die Schlüssel zu einem Team, das wieder an sich glaubt.“

Matarazzo habe „den internen Konkurrenzkampf neu belebt und seinen Spielern den Glauben an sich selbst zurückgegeben“, schrieb die Sportzeitung weiter und analysierte: „Die Verpflichtung von Pellegrino Matarazzo stellte einen unmittelbaren Wendepunkt für Real Sociedad dar, die ihre sportliche Identität wiederfinden mussten.“

Dabei betonte die AS immer wieder, wie es der Trainer geschafft habe, „in Rekordzeit ein zutiefst engagiertes Team, das in allen Wettbewerben wieder konkurrenzfähig ist“, zu formen, indem er das Selbstvertrauen der Spieler wieder aufbaute.

La Liga: Matarazzo coacht San Sebastián gegen Barcelona zum Sieg

Besonders der Sieg gegen Tabellenführer Barcelona, der zuvor elf Pflichtspiele in Serie gewonnen hatte, gilt als großes Ausrufezeichen. Der Schlüssel zum Erfolg war dabei auch eine taktische Meisterleistung von Matarazzo, der seine Mannschaft in der Partie zu einer Fünferkette umsortierte.

Pellegrino Mattarazzo und Barca-Trainer Hansi Flick (r.) kennen sich bereits aus der Bundesliga
Pellegrino Mattarazzo und Barca-Trainer Hansi Flick (r.) kennen sich bereits aus der Bundesliga Pellegrino Mattarazzo und Barca-Trainer Hansi Flick (r.) kennen sich bereits aus der Bundesliga

„Das Spiel und der Sieg von Real Sociedad gegen den FC Barcelona – großartig in Wert, Bedeutung, Zeitpunkt, Art und Verdienst – lassen sich nicht verstehen, ohne einerseits über die taktischen Anpassungen des txuri-urdin-Trainers zu sprechen“, schrieb die in Barcelona ansässige Sportzeitung Mundo Deportivo.

Vor allem drei Eigenschaften stechen unter Matarazzo demnach besonders hervor: „Charakter in der Reaktion, Überlebensfähigkeit und – trotz mancher Fehler – Effizienz im Angriff zur richtigen Zeit. Deshalb ist die Mannschaft trotz extrem anspruchsvoller Duelle mit drei Siegen aus vier Spielen weiterhin ungeschlagen“, stellte Mundo Deportivo heraus.

Kapitän schwärmt: „Alles, was er uns vermittelt, ist positiv“

Wie sehr Matarazzo im Kreis der Mannschaft bereits geschätzt wird, zeigte sich an den Reaktionen der Spieler nach der Partie am Sonntag. Mannschaftskapitän Mikel Oyarzabal lobte den Umschwung der Mannschaft und erklärte: „Jeder zieht ein bisschen mehr an, weil es für alle ein Neuanfang ist. Alles, was er uns fußballerisch vermittelt, ist positiv.“

„Als Person hat er versucht, sich auf das einzulassen, was Real Sociedad und die baskische Kultur ausmacht. Gerade wenn man von außen kommt, ist das sehr wichtig“, beschrieb er den Einstand des Trainers weiter.

Auch Torhüter Álex Remiro, der San Sebastián mit zahlreichen Paraden zum Sieg führte, schwärmte von der Entwicklung in diesem Jahr und sagte: „Wir glauben mehr an uns selbst und an den Mitspieler, wir scheuen keine Mühen. Wir legen großen Wert auf Zweikämpfe und wissen, wie man leidet – das war schon vorher so, aber wir wussten nicht, wie man es macht.“

Matarazzo bleibt selbstkritisch

Matarazzo blieb nach dem erfolgreichen Einstand jedoch selbstkritisch. „Die Mentalität und der Zusammenhalt als Gruppe sind da, aber der Stil, den wir spielen wollen, muss sich weiterentwickeln“, erklärte er und sagte: „Der Weg ist richtig, aber wir sind noch nicht dort, wo wir sein müssen.“

Zuversichtlich, dass der Weg auch in den kommenden Spielen weiter nach oben gehen wird, zeigte sich zuvor schon Stammspieler Brais Méndez. „Wir sind sehr zufrieden mit ihm und versuchen, das umzusetzen, was er von uns verlangt. Man sieht andere Dinge, und ich glaube, dass wir uns weiter nach oben entwickeln werden, je besser wir ihn verstehen – und er uns“, vermutete der Spanier.

Starke Vita in der Bundesliga: Matarazzo stabilisierte bereits Stuttgart und Hoffenheim

Der in Wayne, New Jersey, geborene Matarazzo bewies bereits bei seinen vergangenen Stationen, dass er Teams schnell stabilisieren kann. Den VfB Stuttgart führte er nach seinem Amtsantritt zur Rückrunde der Saison 2019/20 zurück in die Bundesliga und festigte die Mannschaft in der folgenden Saison.

Nach einem 15. Platz in der Saison 2021/22 und neun sieglosen Spielen im Jahr darauf endete seine Zeit bei den Schwaben.

Noch in derselben Saison unterschrieb Matarazzo in Hoffenheim und führte den Klub aus dem Abstiegskampf bis in die Europa League. Nach einem enttäuschenden Start in die Saison 2024/25 endete Matarazzos Zeit als Trainer zunächst – bis San Sebastián anrief.

Dort ist er bereits jetzt so etwas wie ein Held. Der Bürgermeister von San Sebastián, Jon Insausti, tauchte nach dem Sieg gegen Barcelona sogar in der Kabine des Klubs auf und lud die Mannschaft nach ihrem Erfolg dazu ein, den Stadtfeiertag zu Ehren des Heiligen Sebastian am 20. Januar einzuleiten.

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