Unter den Fußballromantikern dieser Welt gilt die Championship als echte Goldgrube: In der zweiten englischen Liga tummelt sich geballte, aber auch verstaubte Tradition. Gespielt wird in Stadien, die eine Sanierung vertragen könnten. Und die Spieler? Die gelten ohnehin als die vielleicht unangenehmsten Raubeine im europäischen Fußball. Nicht umsonst hat die Championship den Ruf als härteste, aber auch beste zweite Liga der Welt.

Doch um diesen Status fürchten nun offenbar einige, die es mit dem Unterbau der Premier League halten – denn der Championship könnte ein finanzieller Super-GAU drohen. Wie BBC Sport berichtete, machten die Vereine der Liga in der Saison 2024/25 kombiniert einen erwarteten Verlust von 346 Millionen Pfund (ca. 396 Millionen Euro), andere Quellen sprechen sogar von 411 Millionen Pfund. Damit steigt der Gesamtverlust der Liga in den vergangenen zehn Jahren auf über drei Milliarden (!) Pfund an.

Millwall-Maskottchen Zampa verlässt das Stadion
Millwall-Maskottchen Zampa verlässt das StadionMillwall-Maskottchen Zampa verlässt das Stadion© IMAGO/Focus Images

Championship: „Kein Klub kann in diesem System überleben“

Nur 2019/20 verzeichnete man ein noch höheres Minus (450 Millionen Pfund), was damals aber vor allem der Corona-Pandemie geschuldet war. Seit 2005 hat die Liga nun somit in jedem Jahr Verlust erwirtschaftet. Ausnahmslos. Empfanden die Vereine 2008/09 einen Verlust von 160 Millionen Pfund bereits als „alarmierend“, haben sich die roten Zahlen seither sogar verdoppelt. 2023/24 lag das Minus bei 317 Millionen Pfund.

„Kein Klub kann auf lange Sicht in diesem System überleben. Wenn es weitergeht, geschieht eine Katastrophe“, warnt Portsmouths Vorsitzender Michael Eisner nun bei BBC. Über dem englischen Ligensystem würden dunkle Wolken liegen, sagt Eisner weiter: „Es scheint mir, als könnte es einen echten Zusammenbruch geben, in dem nur noch die Premier League überlebt.“

Nur vier Klubs machen Plus: Verheerende Finanzzahlen in England

Dieser Zusammenbruch ist nur deshalb bisher nicht geschehen, weil die Zweitligateams, genauso wie ihre großen Brüder in der Premier League, im Besitz von reichen Investoren oder Konsortien sind, die die Finanzlücken bereitwillig stopfen und das Rad am Laufen halten.

Stoke City zum Beispiel ist eines von nur vier Teams, die für die Saison 2024/25 einen Gewinn verzeichneten. Doch der kam nur zustande, weil Eigentümer John Coates dem Klub kurz vor Schließung der Bücher mal eben 90 Millionen Pfund lieh – ansonsten hätte auch Stoke Minus gemacht.

Neben Stoke City (+60 Mio. Pfund) verzeichneten in der damaligen Saison nur Luton Town (+17 Mio.), Sheffield United (+2,6 Mio.) und Plymouth Argyle (+0,3 Mio.) einen Gewinn, alle anderen 18 Teams verkündeten negative Zahlen, den heutigen Premier-League-Klub Leeds United erwischte es dabei am Schlimmsten (-49,1 Mio.).

Wären die Investoren nicht da – die Championship wäre schon längst gestorben.

Ohne Investoren droht die Katastrophe

Der englische Finanzexperte Kieran Maguire mahnte gegenüber BBC Sport, die Liga werde nur überleben, wenn es weiterhin, „eine ununterbrochene Schlange reicher Einzelpersonen oder Unternehmen gibt, die bereit sind, den Fußball zu subventionieren“. Heißt übersetzt: Die einzige Möglichkeit, die finanzielle Implosion abzuwenden, ist es wohl, bei der aktuellen Strategie zu bleiben, sofern es nicht zu einer Revolution kommt.

Sheffield Wednesday steht bereits als Absteiger fest
Sheffield Wednesday steht bereits als Absteiger festSheffield Wednesday steht bereits als Absteiger fest© IMAGO/Action Plus

Welche dramatischen Folgen es haben kann, wenn ein Verein plötzlich ohne Investor auskommen muss, konnte man in der Championship zuletzt aus erster Hand miterleben: Sheffield Wednesday verlor in zehn Jahren unter Eigentümer Dejphon Chansiri knapp 200 Millionen Pfund und meldete im Oktober 2025 Insolvenz an, nachdem Chansiri sich zurückgezogen hatte. Die „Owls“ wurden mit einem Punktabzug von 18 Zählern bestraft und stehen seit Februar als frühester Absteiger der englischen Fußballgeschichte fest. Seit 36 Spielen wartet Sheffield auf einen Sieg.

Derby County erging es 2021 ähnlich, als Mel Morris den Verein nach knapp 200 Millionen Pfund Verlust verließ – auch dort stand der Insolvenzverwalter vor der Tür, Derby kickte zwischenzeitlich in der drittklassigen League One. „Wenn die Besitzer kollektiv aufhören würden, die Vereine zu subventionieren, würden die meisten von ihnen innerhalb von sechs Wochen kein Geld mehr haben“, meint Finanzexperte Maguire.

Selbst die Premier League garantiert nichts

Die Frage nach dem „Wie lange noch“ schwebt nun wie ein Damoklesschwert über Englands zweiter Spielklasse. Wie lange sind die Eigentümer der Vereine noch bereit, Geld in eine Liga zu pumpen, die zwar zweifelsfrei Charme und auch eine gewisse Klasse hat, gegenüber dem Finanz-Paradies Premier League jedoch immer mehr Boden zu verlieren scheint? Schließlich können pro Saison nur drei von 24 Teams aufsteigen.

Selbst wenn es mit dem Schritt in die Premier League samt ihrer großen Geldtöpfe klappt, ist das noch lange keine Garantie, dass ausgegebenes Geld auch zurückkommt. In den vergangenen zwei Jahren stiegen alle drei Aufsteiger sofort wieder ab, mit teils mickriger Punkteausbeute: Der FC Southampton etwa holte 2025 gerade einmal zwölf (!) Punkte in 38 Spielen.

Auch in dieser Saison wird wohl mit dem FC Burnley mindestens ein Team umgehend zurück in die zweite Liga geschickt. Je mehr Geld für einen Aufstieg ausgegeben werden muss, desto mehr braucht es auch, um in der Premier League konkurrenzfähig zu bleiben.

Klub-Boss fordert strukturelle Neuerungen

Der Portsmouth-Vorsitzende Eisner, der für seinen Klub 2025 ein vergleichsweise kleines Minus von 4,4 Millionen Pfund verzeichnen musste, sagt, es brauche „strukturelle Veränderungen“ im gesamten englischen Fußball, um das „beautiful game“, das schöne Spiel, für kommende Generationen zu schützen.

Die Championship ist vor allem für ihre Härte bekannt
Die Championship ist vor allem für ihre Härte bekanntDie Championship ist vor allem für ihre Härte bekannt© IMAGO/Sports Press Photo

Dieses „beautiful game“ lässt sich in seiner Ehrlichkeit schließlich nirgends so gut bestaunen wie in der Championship: Bei neun Grad Nieselregen, Shepherd’s Pie und einem Pint entstehen die kreativsten Fangesänge, die die Fußballwelt wohl zu bieten hat. Es ist ungemütlich und dunkel, auch spielerisch – wie sagte Thomas Müller mal poetisch nach einem hart erkämpften Bayern-Sieg: „You have to show it on a windy night in Stoke.“

Und dieser Wind in Stoke – aber auch im Rest des Landes – ob in Southampton, Preston oder Bristol – er weht immer kräftiger. Bleibt abzuwarten, ob die Championship der finanziellen Sturmphase auf lange Sicht standhalten kann.