Rund eine Woche ist mittlerweile vergangen. Doch in der Handballwelt wird das plötzliche Aus von Stefan Kretzschmar und Erfolgscoach Jaron Siewert bei den Füchsen Berlin nach wie vor heiß diskutiert. Auch bei Mimi Kraus, Weltmeister von 2007, der nun mit großem Unverständnis auf die Entscheidungen reagiert.
„Nach dem Saisonbeginn eine Mannschaft so auseinanderzupflücken, ist fahrlässig. Und ich bin mir sicher, dass die Füchse jetzt Probleme haben werden, überhaupt unter die ersten Vier zu kommen. Da hat er sich in der Handball-Welt einiges an Sympathien verspielt“, sagte Kraus im Gespräch mit dem Online-Portal handball-world und spielte auf die Rolle von Klubboss Bob Hanning an.
Besonders am Zeitpunkt des Personalbebens stört sich Kraus. Ein solch funktionierendes Konstrukt wie das Dreigestirn der Füchse nun aufzubrechen, sei für ihn aber auch generell total unverständlich.
„Man muss sich nicht immer mögen, aber: Wenn sich drei Parteien so erfolgreich ergänzen, dann sollte man daran doch auch so lange festhalten, bis es nicht mehr funktioniert“, fügte der 41-Jährige hinzu. „Für mich spielen hier persönliche Befindlichkeiten eine Rolle.“
„Jetzt schwingt ein fader Beigeschmack mit“
Kraus hob ausdrücklich hervor, dass Hanning in seiner Funktion in den vergangenen 20 Jahren vieles richtig gemacht habe. „Man kann Verträge verlängern oder auch nicht – aber nochmal: Dieses Konstrukt in dieser Art und Weise auseinanderzureißen, überrascht mich doch sehr! Ich kenne Bob Hanning als sehr strukturiert und klug handelnden Mann – bei der ganzen Herangehensweise jetzt schwingt aber schon ein fader Beigeschmack mit“, urteilte der Ex-Profi.
Natürlich, so Kraus weiter, habe Bob Hanning in den vergangenen 20 Jahren einiges richtig gemacht. „Man kann Verträge verlängern oder auch nicht – aber nochmal: Dieses Konstrukt in dieser Art und Weise auseinanderzureißen, überrascht mich doch sehr! Ich kenne Bob Hanning als sehr strukturiert und klug handelnden Mann – bei der ganzen Herangehensweise jetzt schwingt aber schon ein fader Beigeschmack mit“, betonte er.
Durch die Entlassungen von Kretzschmar und Siewert habe sich Hanning „in der Handball-Welt einiges an Sympathien verspielt“, glaubte Kraus.
Kretzschmar habe sehr für dieses Projekt gebrannt. Und „mit Jaron Siewert hast Du – beziehungsweise hattest Du – hier jemanden, der seit der Jugend ein Fuchs ist. Und diesen Mann, der die Füchse zur ersten Meisterschaft führt, bezeichnet man dann als ‚Opfer des Systems‘?! War er nicht vielmehr ein großer Teil des Systems?“
„Loyalität wird im Handball auch immer kleiner geschrieben“
Kraus’ Vermutung, dass es die Füchse in dieser Saison ohne Kretzschmar und Siewert deutlich schwerer haben werden, erhielt bereits erste Nahrung.
Am vergangenen Wochenende verloren die Berliner das erste Duell gegen den SC Magdeburg deutlich mit 32:39. In der abgelaufenen Spielzeit wurde der Hauptstadtklub nicht nur erstmals Deutscher Meister, sondern kam in der Champions League auch bis ins Finale.
Was dennoch Anlass für Hannings Vorgehen sein könnte? Kraus hat eine Idee. „Ich vermute eine dänische Achse. und zwar sofort und mit aller Macht.” Diese bestünde dann aus dem neuen Trainer Nicolej Krickau, dem Welthandballer Mathias Gidsel und vermutlich Weltmeister Simon Pytlick, der aktuell in Flensburg unter Vertrag steht.
„Das ist ja in Ordnung – aber kann man sich dafür nicht einen besseren Weg zurechtlegen?“, fragte Kraus.
„Denn eines ist ja klar: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Es ist doch viel angenehmer, wenn man sich bei einem Wiedersehen in die Augen schauen kann“, legte Kraus nach. Aber: „Anscheinend wird das Wort Loyalität im Handball immer kleiner geschrieben.“