Hallo Handball-Fans,

Ljubomir Vranjes hat als Bundestrainer abgesagt – und fast zeitgleich wird mein ehemaliger Mannschaftskollege Markus Baur als Coach mit den deutschen Junioren U-20-Europameister.

Verständlicherweise diskutiert Handball-Deutschland jetzt, ob Baur nicht Bundestrainer werden soll.

Grundsätzlich muss man das von zwei Seiten sehen.

Die einen sagen, dass wir einen erfahrenen Trainer, einen Krisenmanager brauchen, der über Jahre hinweg nachgewiesen hat, dass er große Arbeit leisten kann und Erfolge eingefahren hat. Die anderen sagen, wir bräuchten jemanden, der für die Zukunft steht und der das Projekt „Nationalmannschaft“ erfolgreich bis 2020 vorantreibt.

Daraus resultierend bleiben aus meiner Sicht zwei Optionen übrig. Eben Baur und Dagur Sigurdsson, Trainer der Füchse Berlin.

Nach meinen Informationen wird sich der DHB sich für eine perspektivische Lösung für die nächsten fünf, sechs Jahre entscheiden. Damit läuft es auf die beiden hinaus.

Es wird nicht darum gehen, möglichst schnell Erfolg zu haben. Es geht darum, ein Team aufzubauen, das 2020 Titel gewinnen kann.

Und es geht nicht um Nationalität, sondern um Qualität.

Mit dem Erfolg bei den Junioren hat „Schorsch“ (Markus Baur, Anm. d. Red.) jetzt natürlich ein Ausrufezeichen gesetzt. Er hat einen tollen Erfolg für den deutschen Handball errungen. Das ist ihm sehr hoch anzurechnen.

Überhaupt halte ich von Schorsch eine Menge. Er ist ein sehr, sehr guter Trainer. Ich habe lange mit ihm zusammengespielt und weiß daher, was für einen hohen Handball-IQ er hat.

Den Job des Bundestrainers traue ich ihm ohne Zweifel zu. Auch von der Persönlichkeit her wäre er in der Lage, die Nationalmannschaft zu führen.

Im SPORT1-Interview hat Markus ja gesagt, dass mit ihm noch niemand vom DHB diesbezüglich gesprochen hat.

Man kann aber schon davon ausgehen, dass – wenn so ein interessanter Trainer auf dem Markt ist – ein Austausch stattfindet. Alles andere wäre fahrlässig.

 

Mittlerweile nerven die Spekulationen um die Nachfolge von Martin Heuberger.

Das ist anstrengend für alle Beteiligten. Auch für die Spieler ist dieser Zustand nicht ideal.

Man sollte bald mit einer Entscheidung an die Öffentlichkeit treten ? und zwar mit einer wohlüberlegten Wahl.

Für mich ist das entscheidende Kriterium, dass der neue Bundestrainer keine Doppelfunktion haben darf. Dieser Job ist zu wichtig und zu umfangreich. Es hängt so viel daran.

Ich denke, hoffe und gehe auch davon aus, dass wir nächste Woche den Namen des neuen Bundestrainers präsentiert bekommen werden.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert „Kretzsche“ wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.