Deutschland hat im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador (LIVETICKER) früh die 1:0-Führung geschossen. Geht es nach den Schiedsrichterexperten Patrick Ittrich und Lutz Wagner, hätte der Treffer bei der 1:2-Niederlage allerdings nicht zählen dürfen.

Was war passiert? Aleksandar Pavlovic kam am Rande des gegnerischen Sechzehners an den Ball, traf dabei aber mit seinem hohen Bein auch Gegenspieler Pedro Rodríguez Ledesma an der Schläfe.

Leroy Sané (l.) bejubelt seinen Treffer
Leroy Sané (l.) bejubelt seinen TrefferLeroy Sané (l.) bejubelt seinen Treffer© IMAGO/Nicolo Campo

WM: Umstrittenes Tor von Sané hat Bestand

Pavlovic behauptete so den Ball – und über Florian Wirtz landete die Kugel schließlich bei Leroy Sané, der ins linke untere Eck zum 1:0 für Deutschland einschob. Ganz nebenbei die früheste deutsche Führung bei einer WM seit 1934, als Ernst Lehner gegen Österreich in der 1. Minute getroffen hatte.

Die Ecuadorianer protestierten vehement, hatten ein Foulspiel an Rodríguez Ledesma erkannt. Doch Schiedsrichterin Tori Penso erkannte den Treffer an, auch der VAR intervenierte nicht.

„Das ist aus meiner Sicht eine sehr mutige Entscheidung“, sagte Schiedsrichterexperte Wagner in der ARD. Pavlovic spiele den Ball in einem Bereich, „wo man eigentlich mit dem Kopf spielt, mit dem Fuß. Und dann kommt es auch zu einem Kontakt, da war allein die Höhe des Fußes im Kopfbereich.“

Aleksandar Pavlovic trifft Gegenspieler Pedro Rodríguez Ledesma mit dem Fuß am Kopf
Aleksandar Pavlovic trifft Gegenspieler Pedro Rodríguez Ledesma mit dem Fuß am KopfAleksandar Pavlovic trifft Gegenspieler Pedro Rodríguez Ledesma mit dem Fuß am Kopf© ARD

Wagner war „sehr verwundert“ – auch darüber, dass der VAR nicht eingriff: „Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn dieses Tor zurückgenommen wird.“

Ittrich: „Tor hätte nicht zählen dürfen“

In die gleiche Kerbe schlug Ittrich bei MagentaTV: „Das ist für mich regeltechnisch ein klares Foul. In diesem Sinne hätte das Tor nicht zählen dürfen.“

Auch Ittrich hatte einen eindeutigen Treffer am Kopf anhand der TV-Bilder erkannt. Er nahm auch Schiedsrichterin Penso in die Verantwortung. „Da ist sie mit im Boot, das hätte sie auf dem Platz lösen können. Wir haben das Backup mit dem Videoassistenten. Warum er nicht eingegriffen hat, weiß ich nicht.“

Noch deutlicher wurde Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe. „Diese Entscheidung ist natürlich ein Witz. Zu unseren Gunsten, wir freuen uns, aber objektiv müssen wir sagen: Das ist nicht akzeptabel“, sagte Gräfe bei der Bild.

Man könne versuchen, den Ball in zwei Metern Höhe zu spielen, wenn kein Gegner in der Nähe ist. Aber: „Wenn man den Gegner auf zwei Metern Höhe am Kopf trifft, dann ist es ein klares Foulspiel. Man gewinnt den Eindruck, dass die kleinen Mannschaften benachteiligt werden“, legte sich Gräfe fest.

Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger sagte in der ARD: „Da können wir von Glück reden, dass sich der VAR nicht eingeschaltet hat. Wenn das gegen uns gewesen wäre, will ich gar nicht wissen, was los gewesen wäre.“