Stefan Effenberg hat betont, dass das Comeback von Manuel Neuer in der deutschen Nationalmannschaft ein großes Risiko birgt – sowohl für Bundestrainer Julian Nagelsmann als auch für die DFB-Auswahl und den Torhüter selbst.

„Denn die Fitness und Gesundheit des mittlerweile 40-jährigen Neuer sind stets ein Thema“, schrieb der 57-Jährige in seiner Kolumne bei t-online und fügte hinzu: „Nicht ohne Grund stand er nur in 37 von 54 Saisonspielen auf dem Platz.“

Manuel Neuer fliegt mit zur WM
Manuel Neuer fliegt mit zur WMManuel Neuer fliegt mit zur WM© IMAGO/DeFodi Images

Über Wochen rissen die Diskussionen um Neuer nicht ab, obwohl er eigentlich schon 2024 zurückgetreten war. Nun vollzog Nagelsmann tatsächlich die Kehrtwende: Neuer wird bei der anstehenden Weltmeisterschaft die Nummer eins sein.

Oliver Baumann, der lange Zeit als Stammtorwart für das Turnier galt, ist degradiert worden. Allerdings merkte Effenberg an, dass Neuer sich auch im letzten Saisonspiel des FC Bayern gegen den 1. FC Köln (5:1) nach einer Stunde wegen Beschwerden an der Wade auswechseln ließ. 

Neuer als Nagelsmanns Trumpfkarte

Was nun passieren würde, wenn sich Neuer vor Beginn des Turniers noch einmal verletzt und womöglich sogar ausfallen sollte? Dann könne Nagelsmann seine Entscheidung auf die Füße fallen, glaubte Effenberg: „Neuer soll offensichtlich seine Trumpfkarte für das Turnier sein – wenn er diese aber verliert, hat er nichts mehr. Ich habe leider kein gutes Gefühl, dass das gut ausgeht.“

Gleichzeitig ließ der Ex-Profi durchblicken, dass er die Rückkehr aus rein sportlicher Sicht nicht verstehen könne, und zog einen Vergleich zur letzten WM.

Effenberg hat bei Neuer-Comeback Zweifel

„Argentinien ist 2022 nicht nur dank Lionel Messi Weltmeister geworden, sondern auch dank Torwart Emiliano Martínez. Und da soll ein 40-Jähriger nun konstant mithalten. Da habe ich meine Zweifel“, stellte der SPORT1-Experte klar: „Damit könnte Neuer auch seine Karriere riskieren. Dann bekäme die Laufbahn eines Welttorhüters am Ende noch einen faden Beigeschmack, und das wäre zwar tragisch, aber seine eigene Schuld.“

Zudem betonte Effenberg, dass sich bei Neuer mittlerweile „fast regelmäßig kleinere oder größere Fehler einschleichen“ und er nicht mehr die Konstanz früherer Jahre habe.

Neuers Aura sorgt für Ehrfurcht

Ein passendes Beispiel schob Effenberg gleich hinterher: „Im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals gegen Real Madrid hielt Neuer überragend, im Rückspiel eine Woche später sah er gleich mehrfach nicht gut aus“, schilderte der frühere Spieler des FC Bayern und ergänzte: „Daran besorgt mich auch eine andere Erkenntnis, die ganz Fußball-Deutschland besorgen sollte: Denn trotzdem reicht das aus, um wieder die deutsche Nummer eins bei einer WM zu sein.“ 

Zugleich hob Effenberg einen anderen Aspekt hervor. „Nagelsmann hat recht, wenn er von Neuers ‚Aura‘ schwärmt. Ein Kylian Mbappé, ein Vini Junior oder ein Lamine Yamal wird ins Grübeln kommen, wenn er Manuel Neuer vor sich sieht. Kein Oliver Baumann, Alexander Nübel, kein Noah Atubolu ruft diese Ehrfurcht, diesen Respekt hervor – und keiner von ihnen hat diese Fähigkeit, auch ‚unhaltbare‘ Bälle noch von der Linie zu kratzen oder um den Pfosten zu lenken. Das muss zu denken geben und spricht nicht für die viele Jahre so hochgelobte Torwartschule in Deutschland”, sagte er.

Effenberg forderte Initiative von Baumann

Im SPORT1 Doppelpass hatte sich Effenberg am vergangenen Sonntag noch für Baumann ausgesprochen, forderte vom Hoffenheim-Keeper jedoch auch, kommunikativ jetzt selbst die Initiative zu ergreifen.

„Wäre ich in der Haut von Oliver Baumann, würde ich jetzt zum Telefon greifen und Nagelsmann selbst anrufen. Und nicht warten bis morgen, übermorgen oder bis Mittwoch, dass er mich mal anruft und meine Rolle vielleicht neu verteilt“, erklärte der Ex-Nationalspieler.

„Ich würde ihn selbst anrufen und fragen, und mich dann dementsprechend äußern. Du kannst ja jetzt nicht auf einen Anruf des Bundestrainers warten. Da würde ich selbst die Initiative ergreifen“, führte Effenberg weiter aus. Geholfen hätte das Baumann das allerdings wohl nicht mehr, um seinen Status als Nummer eins zu halten.