Nachdem die Torwartfrage in der deutschen Nationalmannschaft für die anstehende WM geklärt ist, hat Uli Hoeneß die Vorgehensweise des DFB und des Bundestrainers Julian Nagelsmann abermals kritisiert.
„Die Art und Weise, wie Oliver Baumann das mitgeteilt wurde, fand ich nicht in Ordnung. Das hätte man besser regeln müssen“, sagte Hoeneß dem Spiegel. Es sei ein Fehler gewesen, bereits im Frühjahr die Entscheidung zu verkünden, dass Baumann die Nummer eins bei der Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) sein werde.
Der Ehrenpräsident des FC Bayern gab aber in sportlicher Hinsicht zu: „Manuel ist der bessere Torwart, keine Frage.“
Torwart-Frage: Hoeneß „fand es einfach nicht fair“
Am Donnerstag nominierte Nagelsmann Neuer, der eigentlich nach der Heim-EM 2024 aus dem DFB-Team zurückgetreten war, für die anstehende WM und ernannte ihn auch zur Nummer eins. Baumann war nach Neuers Rücktritt für den wiederholt verletzten Marc-André ter Stegen eingesprungen und hatte sich nichts zuschulden kommen lassen.
„Man hätte sagen müssen: Ich möchte dieses Thema erst nach der Bundesliga-Saison entscheiden“, lautete Hoeneß‘ Vorschlag mit Blick auf die frühzeitige Baumann-Ankündigung durch Nagelsmann. „Ich möchte abwarten, ob Manuel Neuer seinen Vertrag beim FC Bayern verlängert.“
Auf Nachfrage unterstrich er: „Ich fand es einfach nicht fair.“
Nagelsmann-Kritik? „Zu der stehe ich“
Außerdem bezog der 74-Jährige Stellung zu seiner jüngsten Kritik an Bundestrainer Nagelsmann und verteidigte diese.
„Ich möchte noch mal betonen, dass ich persönlich nichts gegen Julian Nagelsmann habe. Dass das, was ich gesagt habe, eine sachliche, fachliche Kritik war – und zu der stehe ich“, erklärte Hoeneß über seine Aussagen im DAZN-Interview vor einigen Wochen, die er bereits in der FAS wiederholt hatte.
Der 26-köpfige Kader, den Nagelsmann am Donnerstag vorgestellt hatte, sei insgesamt „gut, aber nicht weltklasse“, analysierte Hoeneß. Er erneuerte die Kritik, dass Nagelsmann die jüngsten Länderspiele nicht zum Einspielen der Mannschaft genutzt habe.
Das DFB-Team „könnte sehr erfolgreich spielen, wenn aus diesen Einzelspielern ein Team wird“, sagte Hoeneß: „Dafür hätte man eine Mannschaft drei-, vier-, fünfmal zusammenspielen lassen müssen, um sie zu einer Einheit zu machen.“
Hoeneß: „Kimmich brauche ich im Mittelfeld“
Kritisch beurteilt der langjährige Bayern-Manager auch die Planung mit Joshua Kimmich. Dass der DFB-Kapitän unter Nagelsmann als Rechtsverteidiger spielt, ist für Hoeneß nicht nachvollziehbar. „Joshua Kimmich brauche ich im Mittelfeld. Auf keinen Fall rechts hinten, Führungsspieler kann er da nicht sein“, sagte der 74-Jährige.
Nagelsmann, einst Trainer bei den Bayern, hatte zuletzt gelassen auf die Einlassungen des Münchner Funktionärs reagiert.
„Ich bin wirklich ganz, ganz selten beleidigt. Uli darf immer was zu mir sagen, ich habe großen Respekt vor seinem Lebenswerk. Und ich versuche immer, aus so etwas meine Schlüsse zu ziehen“, sagte der 38-Jährige in der Vorwoche im ZDF-Sportstudio.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)