Ohne Freddy Rincón wäre die Fußball-WM 1990 um einige berühmte Momente ärmer gewesen – speziell Bodo Illgner, der deutsche Weltmeister-Torhüter, hat den damals 23-Jährigen in guter Erinnerung. Oder schlechter, wie man’s nimmt.

Es war der 19. Juni 1990, das dritte und letzte Gruppenspiel. 88 Minuten stand es im Giuseppe-Meazza-Stadion zwischen Deutschland und Kolumbien 0:0, ehe sich die Ereignisse überschlugen. In Minute 89 stach der Joker Pierre Littbarski nach Zuspiel von Rudi Völler – 1:0 für Deutschland. Im Gegenzug allerdings kam Rincón.

Angespielt vom legendären Lockenkopf Carlos Valderrama behielt der junge Mittelfeldkollege in der Nachspielzeit unter hohem Druck die Nerven – und tunnelte Illgner zum Ausgleich. Für das spätere Weltmeister-Team von Teamchef Franz Beckenbauer war es letztlich verschmerzbar. Für den Gegner verhinderte Rincón das drohende Aus und bescherte seiner Heimat noch einen großen WM-Abend.

Freddy Rincón bei seinem berühmtesten Tor gegen Bodo Illgner 1990
Freddy Rincón bei seinem berühmtesten Tor gegen Bodo Illgner 1990Freddy Rincón bei seinem berühmtesten Tor gegen Bodo Illgner 1990© IMAGO/Sportfoto Rudel

Es war nicht das letzte große Spiel für Rincón, über viele Jahre einer der profiliertesten Akteure seines Landes in einer goldenen Ära mit Stars wie Valderrama, Kult-Keeper René Higuita und Torjäger Faustino Asprilla. Vor vier Jahren kam Rincón auf tragische Weise ums Leben – am Montag jährte sich der Tod des Neunziger-Helden.

Freddy Rincón: Ein Fußball-Idol Kolumbiens

Der WM-Trip nach Italien vor 36 Jahren endete für Rincón und Kolumbien im Achtelfinale, in einer historischen Partie: Überraschungsteam Kamerun rang die Südamerikaner in Neapel mit 2:0 nach Verlängerung nieder und sicherte den ersten WM-Viertelfinaleinzug einer afrikanischen Mannschaft.

Unvergessen: Der Doppelpack des damals 38 Jahre alten Stürmers Roger Milla, der in einem Duell der Kultfiguren zweimal den genial-wahnsinnigen, immer wieder zu weit vor dem Tor postierten Kolumbien-Keeper René Higuita überwand.

Für den in der Hafenstadt Buenaventura geborenen Rincón war die WM 1990 das erste große Turnier in seinem Debütjahr für die Nationalelf. Er entwickelte sich zu einer langjährigen Stütze des Teams, bestritt bis 2001 84 Länderspiele, schoss 17 Tore, nahm an zwei weiteren Weltmeisterschaften teil, führte sein Team auch zeitweise als Kapitän an.

In seiner Vereinskarriere errang Rincón zahlreiche Titel in Kolumbien und Brasilien, spielte zwischen 1994 und 1996 auch in Europa für den SSC Neapel und Real Madrid. Bei Real spielte Rincón eine Saison lang an der Seite von Stars wie Raúl und Luis Enrique – konnte sich aber nicht als Stammkraft durchsetzen.

Den größten internationalen Erfolg feierte Rincón im Jahr 2000, als er mit Corinthians Sao Paulo die Klub-WM gewann. Bei dem in Südamerika schon damals als hochrangig betrachteten Turnier ließ Corinthians unter anderem Real und den damaligen Champions-League-Sieger und FC-Bayern-Albtraum Manchester United hinter sich.

Tragischer Unfall riss Helden der WM 1990 aus dem Leben

Nach der aktiven Karriere arbeitete Rincón als Trainer und verdiente Geld mit der Gründung einer Kaffeehauskette. 2007 geriet er in die Schlagzeilen, als er wegen des Verdachts der Geldwäsche und des Drogenhandels verhaftet wurde – ein Fall, der nie abschließend aufgeklärt wurde.

Freddy Rincón bei einem Medienauftritt vor der WM 2018
Freddy Rincón bei einem Medienauftritt vor der WM 2018Freddy Rincón bei einem Medienauftritt vor der WM 2018© IMAGO/Agencia EFE

Die Qualifikation zur WM 2022 in Katar begleitete Rincón in seiner Heimat noch als TV-Experte, ehe er am 11. April 2022 in der Stadt Cali in einen schweren Verkehrsunfall geriet: Ein Auto, in dem Rincón saß, kollidierte mit einem Bus.

Nach zwei Tagen auf der Intensivstation erlag Rincón seinen schweren Kopfverletzungen. Er wurde nur 54 Jahre alt.