Nein, der Mann für filigrane Höhepunkte ist Casemiro im brasilianischen Team nicht.

Stattdessen fällt der Mittelfeldmann eher mit harten Zweikämpfen, seinen Gesten und lauten Ansprachen auf dem Rasen auf. Oder mit einem echten Hammer à la Roberto Carlos zum entscheidenden 1:0 beim Sieg gegen die Schweiz.

Doch in erster Linie ist er der Dirigent des WM-Favoriten und der heimliche Held der Selecao. Denn es werden vor allem die Stürmer wie Neymar, Vinicius Junior oder Richarlison für ihre Treffer und Tricks gefeiert.

Casemiro hält Neymar und Co. den Rücken frei

Doch ohne ihren Anführer im Zentrum wären die Brasilianer wohl kaum so stark.

Das weiß auch Neymar. Er twitterte nach dem Achtelfinal-Einzug vor einigen Tagen: „Casemiro ist schon seit Langem der beste Mittelfeldspieler.“ (DATEN: WM-Spielplan 2022)

Nationaltrainer Tite meinte danach nur grinsend: „Ich stimme zu.“

Dabei ist Casemiro ein vermeintlich untypischer Brasilianer auf dem Platz. Statt Dribblings, Toren und Spaß steht für ihn die harte Arbeit im Vordergrund.

„Leute sagen, ich denke wie ein Trainer. Ich versuche immer, das Spiel zu lesen, die Gedanken des Gegners, was sie versuchen. Ich schaue alles, aus China oder von wo auch immer. Meine Frau nervt das. Es ist mein Job. Es gibt für alles Zeit, aber es ist mein Job. Und ich liebe es. Fußball ist mein Leben. Ich muss permanent an Fußball denken“, beschrieb sich Casemiro im Guardian. (NEWS: Alles Wichtige zur WM)

Casemiro „ist ein Krieger“

„Er ist ein Krieger“, sagte United-Teamkollege Raphael Varane im Sommer.

Die Zahlen dieser WM untermauern das. Mehr als 80 Prozent Passquote, dazu 2,7 erfolgreiche Balleroberungen nach Zweikämpfen pro Spiel, zwei abgefangene Pässe pro Partie, 55 Prozent Erfolgsquote bei Zweikämpfen und nur zwei Fouls pro Begegnung sind überragend. Dazu schoss er das entscheidende 1:0 gegen die Schweiz in der Gruppe als sich die Edeltechniker die Zähne ausbissen.

Casemiro geht voran wie kein Zweiter! Dabei hat der 30-Jährige durchaus schwere Monate hinter sich.

Im Sommer verließ er Real Madrid für mehr als 70 Millionen Euro zu Manchester United und wurde nach Cristiano Ronaldo, der Real 2018 für 117 Millionen Euro nach Turin verließ, zum zweitteuersten Ü30-Spieler überhaupt.

Casemiro bei Manchester mit schwerem Start

Der Wechsel warf die Frage auf, weshalb er sich ausgerechnet dem kriselnden Manchester anschloss.

Casemiro musste sich sehr überwinden, die Königlichen zu verlassen und brach beim Abschied in Tränen aus. Immerhin stand er dort seit 2013 unter Vertrag und wurde nach einer Leihe zum FC Porto zum Star.

Seit 2016 gehörte der Brasilianer zu den Stammspielern und gewann mit den Madrilenen unter anderem fünf Mal die Champions League, drei Mal die Klub-WM und drei Mal die spanische Meisterschaft. Insgesamt gewann Casemiro auf Vereinsebene schon 19 Titel. (DATEN: Gruppen und Tabellen der WM)

Doch in England angekommen, wartete trotz dieser Vita zunächst nur die Bank bei den Red Devils. Trainer Erik ten Hag bot seinen Star-Neuzugang erstmals im Oktober von Beginn an auf – zwei Monate nach dem Wechsel.

Casemiro vor der Krönung

Sein Einfluss wurde danach überdeutlich. ManUnited drehte auf und schob sich in der Tabelle dank Casemiro bis zur WM-Pause mit einem Nachholspiel in der Hinterhand bereits auf Rang fünf vor.

Bevor die Aufholjagd weiter geht, muss Casemiro aber erst in Katar seinen Auftrag erfüllen.

Er will den letzten großen Meilenstein seiner Karriere erreichen und vor allem die WM 2018 damit endgültig hinter sich lassen. Denn in Russland verpasste er aufgrund einer Gelbsperre das Viertelfinale gegen Belgien und die Selecao verlor.

Nun will der heimliche Held den Titel.