Seit 106 Tagen ist Hansi Flick nun als Bundestrainer im Amt. Die WM-Quali-Gruppe hat er mit der Nationalmannschaft souverän abgeschlossen: Sieben Spiele, sieben Siege und ein Torverhältnis von 31:2.

„Wir sind auf einem guten Weg“, zeigte sich der 56-Jährige nach dem 4:1-Sieg in Armenien zufrieden. „Ich denke schon, dass die Spiele gezeigt haben, dass wir zurück sind.“ Lob gab es auch für seine Spieler: „Die ganze Mannschaft macht das gut. Ob jetzt die neuen Spieler oder die, die dazugestoßen sind.“ (Die Stimmen zum Spiel)

SPORT1 begleitete den Umbruch des Nationalteams auf Schritt und Tritt und nennt die Gewinner und Verlierer unter Flick.

DFB-Team: Gewinner unter Hansi Flick

Jonas Hofmann (7 Einsätze unter Flick/395 Spielminuten): Er ist der größte Gewinner unter Hansi Flick. Der Gladbacher hat sich nach dem Bundestrainer-Wechsel zum Dauerbrenner hinten rechts entwickelt. Flick hat den 29-Jährigen bewusst umgeschult.

„Hansi Flicks Plan ist, dass ich auch in der Viererkette hinten rechts zum Einsatz kommen könnte“, sagte Hofmann im Sommer zu SPORT1. „Ich bin bereit, neue Dinge zu lernen und habe total Bock drauf. Auch hinten rechts kann man sich sehr gut einbringen und nach vorne Akzente setzen.“

Das zeigte Hofmann bislang eindrucksvoll. In allen sieben Partien stand er auf dem Rasen, durfte sogar fünf Mal starten. Hofmann sorgte für viel Schwung und krönte seinen DFB-Aufschwung in Armenien mit einem Tor und einer Vorlage. Flick lobte: „Ein sehr intelligenter und ballsicherer Spieler mit hoher Geschwindigkeit. Er ist immer da, wo Tore fallen. Das ist sehr gut.“(DATEN: Spielplan und Ergebnisse der WM-Qualifikation)

Thilo Kehrer (7/695): Wegen seiner Reservistenrolle bei Paris St. Germain nahm Flick-Vorgänger Joachim Löw den Verteidiger im Sommer gar nicht erst mit zur EM. Flick setzte dagegen voll auf den Ex-Schalker, der variabel einsetzbar ist.

In allen sieben Spielen kam er zum Einsatz, fünf ging er sogar über die volle Distanz. Ob als Innenverteidiger oder Linksverteidiger – Kehrer löst seine Aufgabe mit Ruhe und Souveränität. Ist eine Bank und aktuell gesetzt!

Leroy Sané (6/424): Hatte er unter Flick beim FC Bayern noch eine schwierige letzte Saison, blüht der Dribbelkünstler richtig auf. Sané wirkt unter dem neuen Bundestrainer wie ausgetauscht.

Selbst in vermeintlich unwichtigen Partien wie gegen Liechtenstein dreht er auf und ist gierig nach Toren. Vier Tore, eine Vorlage – stark! „Die Leichtigkeit ist bei ihm zurück“, lobt Flick. „Die Art und Weise, wie er Fußball spielt, macht einfach Spaß. Er hat eine Riesen-Entwicklung genommen.“

Marco Reus (4/248): Flick setzt auf den BVB-Kapitän. Schon vor seinem Antritt betonte der Bundestrainer, dass Reus für ihn „einer der besten Spieler im letzten Drittel“ sei. „Er ist für mich einer der besten auf dieser Position.“

Das in ihn gesetzte Vertrauen zahlt der 32 Jahre alte Routinier, für den Katar 2022 die letzte Chance auf einen Titel sein könnte, mit zwei Toren und vier Assists zurück.

„Es ist eine Ehre für mich, dass er (Hansi Flick) weiterhin auf mich setzen will“, sagte der Offensivspieler im exklusiven SPORT1-Interview. „Mit dem Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, habe ich momentan großen Spaß.“

Niklas Süle (5/420): Bis zu seiner Corona-Erkrankung eine feste Säule in der DFB-Abwehr. Flick setzt auf den Bayern-Star, der körperlich zugelegt hat und in einer starken Verfassung ist. Aktuell dürfte der 26-Jährige im Abwehr-Innenblock an der Seite von Chelsea-Boss Toni Rüdiger gesetzt sein.

DFB-Team: Verlierer unter Hansi Flick

Matthias Ginter (2/108): War er bei Löw noch gesetzt und stand er in allen EM-Spielen im Sommer in der Startelf, hat Ginter unter Flick einen schweren Stand.

Der Gladbacher Abwehrchef, der mit einer Corona-Erkrankung in die Flick-Ära gestartet war, spielte nur wegen der großen Personalproblemen in den letzten beiden Partien gegen Liechtenstein (18 Minuten) und in Armenien (90). Der gebürtige Freiburger ist nur noch Innenverteidiger Nummer 4. (NEWS: Alles Wichtige zur WM-Qualifikation)

Florian Neuhaus (3/128): Eigentlich war man davon ausgegangen, dass der Gladbacher vom Rücktritt von Toni Kroos profitieren wird – das ist bislang aber nicht der Fall. Im Mittelfeld ist die Konkurrenz mit Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Ilkay Gündogan enorm hoch.

In den ersten vier Spielen saß Neuhaus komplett auf der Bank. Hintenraus kam er zu drei Einsätzen und bereitete zwei Tore vor. Bei voller Personallage ist der 24-Jährige zurzeit aber außen vor.

Klar ist aber: Flick lässt ihn nicht fallen. „Flo muss auf sich aufmerksam machen. Er hat hier sehr gute Trainingsleistungen gebracht, das hat uns gefallen. Er hat so eine Chance, sich zu zeigen und im Verein Druck zu machen.“

Ridle Baku (3/156): Trotz starker Leistungen im Verein setzt Flick nicht auf den Wolfsburger. Stand Baku zum Start des neuen DFB-Coach gegen Liechtenstein noch in der Startelf, rutschte er zwischendurch ganz raus. Erst die Corona-Fälle sorgten dafür, dass der rechte Außenverteidiger nochmal ins Aufgebot hineinkam.

Auf SPORT1-Nachfrage sagte Flick nach dem 9:0 gegen Liechtenstein über Baku: „Wir haben einen sehr guten Kader. Wenn man was ausprobieren will, braucht man etwas Platz. Den haben wir ungewollt bekommen.“ Baku habe Druck gemacht – „von daher hat sich sein Einsatz gelohnt.“ Der U21-Star muss aber dranbleiben und sich aufdrängen.

Robin Gosens (2/116): Der Bergamo-Star war die große Entdeckung der EM, war dann auch beim Flick-Debüt hinten links gesetzt. Beim 2:0 in St. Gallen gegen Liechtenstein überzeugte er nicht wirklich, verletzte sich zudem auch noch am Fuß und zog sich später einen Sehnenteilabriss im Oberschenkel zu. Bitter!

Gosens, der lediglich zu zwei DFB-Einsätzen unter Flick kam, sagte kürzlich im SPORT1-Podcast „Meine Bayern-Woche“: „Hansi hat es sehr leidgetan. Nach meiner Verletzung hatte ich mit ihm Kontakt. Er hat mir damals viel Erfolg für die Reha gewünscht und sich bis zuletzt immer wieder nach mir erkundigt und gefragt, wie es mir geht.“

Der Support habe ihn durch die Reha getragen. In diesem Jahr will der 27-Jährige noch seine Rückkehr feiern. Er muss kämpfen, hat aber weiterhin gute Chancen bei entsprechenden Leistungen, hinten links bei der WM zu spielen. (DATEN: Tabellen der WM-Qualifikation)

Mats Hummels (0/0): Unter Flick kam der BVB-Abwehrchef noch gar nicht zum Einsatz. Plagt sich immer wieder mit Knieproblemen herum und hat sich bewusst mit dem Bundestrainer dazu entschieden, dass er eine längere Pause bekommt. Hummels muss die Zeit weiterhin nutzen, um seinen Trainingsrückstand aufzuholen.

Das Dilemma für den Weltmeister von 2014: In Rüdiger und Süle gibt es ein top-funktioniertes Abwehr-Duo, zudem hat sich Thilo Kehrer für Einsätze empfohlen. Seine WM-Teilnahme ist aktuell in Gefahr.

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