Mit 22 Paraden brillierte Andreas Wolff in der Hauptrunde der Handball-EM gegen Norwegen mit einer Weltklasse-Leistung zwischen den Pfosten. Umso überraschter zeigten sich zahlreiche Experten und Fans, als im folgenden Spiel gegen Dänemark 50 Minuten lang David Späth das deutsche Tor hütete.

Vor dem Wiedersehen mit Dänemark im Finale (Sonntag, 18 Uhr) äußerte Wolff nun deutliche Kritik an der Torwartdiskussion. „Ich finde es David gegenüber unfassbar respektlos, wie mit dieser Thematik umgegangen wurde und wird“, ärgerte sich der Torhüter vom THW Kiel.

David Späth (l.) und Andreas Wolff (r.) bilden das deutsche Torwartgespann bei der Handball-EM
David Späth (l.) und Andreas Wolff (r.) bilden das deutsche Torwartgespann bei der Handball-EMDavid Späth (l.) und Andreas Wolff (r.) bilden das deutsche Torwartgespann bei der Handball-EM

Hens und Kretzschmar verwundert von Signalwirkung

Die Entscheidung, im vorletzten Spiel der Hauptrunde zunächst auf Späth zu setzen, begründete Bundestrainer Alfred Gislason nach der Partie mit einer klaren taktischen Maßnahme. „David ist aus dem Rückraum eher einer, der besser steht. Andi ist aus der Nahdistanz der Beste, den es gibt. Dass die Dänen sehr viel aus dem Rückraum kommen, das wissen alle Handball-Experten“, sagte er bei der ARD.

Die Experten um die Ex-Nationalspieler Pascal Hens und Stefan Kretzschmar konnten die Entscheidung hingegen nicht nachvollziehen. „Ich habe gedacht: Okay, schenken wir ab“, schilderte Hens bei Dyn. Auch Kretzschmar bemerkte, nachdem er Späth für sein Spiel grundsätzlich gelobt hatte, anschließend: „Was kann das bedeuten als Zeichen für die Mannschaft? Wie nehme ich das als Mannschaft auf in einem der alles entscheidenden Spiele?“

Wolff: „David wird in Zukunft der beste Torhüter der Welt“

Wolff zeigte nur wenig Verständnis für diese Diskussionen und nahm seinen Torwartkollegen weiter in Schutz. „Es ist schon erstaunlich, dass man so viele Jahre lang Handball spielt und trotzdem so wenig Menschenkenntnis hat“, attackierte er auch den ehemaligen Weltmeister Mimi Kraus, der den Wechsel ebenfalls hinterfragt hatte.

„Wir haben vor dem Turnier gesagt, dass wir ein Torhüter-Duo sind, das durch seine Ausgeglichenheit und die Qualität beider funktioniert. Und dann fängt David in einem Spiel an und die ganze Welt verliert den Kopf. Das ist wirklich unter aller Sau. Das ist komplett despektierlich David gegenüber und, wenn ich darüber nachdenke, regt mich das tierisch auf“, wütete Wolff daraufhin weiter.

David Späth steht im EM-Spiel gegen Dänemark überraschend für Andreas Wolff im Tor. Der Rückhalt des DHB verrät, wie ihm die Entscheidung mitgeteilt wurde.

David Späth steht im EM-Spiel gegen Dänemark überraschend für Andreas Wolff im Tor. Der Rückhalt des DHB verrät, wie ihm die Entscheidung mitgeteilt wurde.

Ob der Bundestrainer auch im Finale bei seinen taktischen Plänen der Hauptrunde bleibt, wird sich zeigen.

Dennoch betonte Wolff bereits im Vorfeld: „David wird in Zukunft der beste Torhüter der Welt sein und ist jetzt natürlich noch jung, aber Teil unseres Torhüter-Duos. Sollte David morgen anfangen, ist das auf keinen Fall irgendein Zeichen, dass man Dänemark nicht ernst nimmt oder etwas abschenkt, sondern dass Alfred einfach denkt, dass das genau die richtige Taktik gegen diesen Gegner ist, weil David ein fantastischer Torhüter ist.“

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Philipp Schmidt, Jahrgang 1991, ist seit März 2024 Mitglied der SPORT1-Redaktion. Nach abgeschlossenem Masterstudium für das Lehramt verschlug es ihn 2018 in den Journalismus. Bei SPOX als Freelancer,...