Marcus Sorg blieb in der Stunde seines größten Sieges hart. Immer wieder wurde der U19-Trainer nach einer Zukunft als Assistent von Joachim Löw befragt, immer wieder blockte er ab.
„Das ist eine Entscheidung, die alleine der Bundestrainer trifft“, sagte der 48-Jährige nach dem EM-Triumph in Ungarn und ging seines Weges.
Ein Weg, der wohl noch lange nicht zu Ende ist. Fest steht: Für die Nachfolge von Hansi Flick gilt Sorg spätestens nach dem Finalsieg gegen Portugal (1:0) als heißester Kandidat.
Vorschlagsrecht hat Löw
Gut möglich, dass der Schwabe schon bald gemeinsam mit dem Badener Löw die Verantwortung für die Weltmeister übernimmt.
„Das kann sein, das haben wir schon oft genug gesagt“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach noch in Budapest, betonte aber auch: „Das Vorschlagsrecht hat der Bundestrainer.“
Werbung in eigener Sache hat Sorg in den vergangenen Wochen zur Genüge betrieben.
Spieler schwärmen von Sorg
„Er ist einfach ein toller Trainer. Denn wie er den Fußball lebt, ist einzigartig“, sagte EM-Torjäger Davie Selke über den Erfolgscoach.
Teamkollege Julian Brandt meinte am Freitag nach der Rückkehr aus Ungarn: „Ich glaube, er hat die Qualität dazu. Er ist ein super Trainer und hätte es sich auf jeden Fall verdient.“
Auch U21-Trainer Horst Hrubesch, der die U19 vor sechs Jahren zum Titel geführt hatte, lobte: „Markus hat das perfekt gemacht.“
Tuchel nicht mehr auf der Liste
Neben Sorg wird in erster Linie DFB-Chefausbilder und U20-Coach Frank Wormuth gehandelt.
Der 53-Jährige gilt als enger Löw-Vertrauter, er spielte zusammen mit dem späteren Bundestrainer für den SC Freiburg und stand ihm bereits bei Fenerbahce Istanbul als Co-Trainer zur Seite.
Der Ex-Mainzer Thomas Tuchel steht dagegen nicht mehr auf der Liste.
Entscheidung erst im September?
Niersbach deutete in Budapest allerdings an, dass die Entscheidung erst nach dem Länderspiel gegen Argentinien am 3. September fallen könnte.
„Ob das vorher passiert, kann ich heute nicht sagen. Das sehen wir ganz relaxt, und ich weiß, dass Joachim Löw das genauso relaxt sieht“, sagte Niersbach.
Sorg sei aber ein „leuchtendes Beispiel dafür, was bei uns in der Nachwuchsarbeit passiert.“
Erfolgsduo aus Baden-Württemberg
Zu Löw passen würde Sorg jedenfalls. Der Erfolgscoach spielte und trainierte 43 Jahre ausschließlich in Baden-Württemberg, ehe er 2012 für ein Jahr die U17 des FC Bayern übernahm.
Als Coach des SC Freiburg war der Diplom-Ingenieur (Bauphysik) zuvor ein halbes Jahr in der Bundesliga tätig, doch nach nur 13 Punkten aus 17 Spielen wurde Sorg Ende 2011 als Tabellenletzter entlassen.
Als zu wenig emotional galt er den Fans, Fachleute kritisierten defensive Schwächen seiner Mannschaft und die Tatsache, dass er keinen Spieler weiterentwickelt habe.
Ruhige Art behalten
Seine ruhige Art hat sich Sorg trotzdem erhalten. „Ich komme aus Baden-Württemberg, da sind die Menschen generell ein wenig reservierter“, sagte er einmal.
Defensivschwächen oder mangelnde Spieler-Entwicklung wird ihm angesichts des Auftretens der U19 in Ungarn allerdings niemand mehr vorwerfen.
Sollte Sorg tatsächlich befördert werden, steht ihm die Zukunft offen.
Nachfolge offen
Löws Vertrag endet nach der Europameisterschaft 2016 in Frankreich, danach könnte sich der 54-Jährige verabschieden – und die leidige Diskussion um seinen Nachfolger eröffnen.
Es sei denn, der Assistent beweist sich und wird ein weiteres Mal befördert.
So war es bei Löw als Nachfolger von Jürgen Klinsmann, so war es bei Sepp Herberger, Helmut Schön, Jupp Derwall und Berti Vogts.