Von Martin Jahns

München – Es war ein typischer Davie Selke.

Mit einem klassischen Mittelstürmertor per Kopf brachte der Youngster die deutsche U19-Nationalmannschaft im EM-Halbfinale gegen Österreich 1:0 in Führung. Der Weg zum letztlich deutlichen Finaleinzug war geebnet.

Es war bereits Selkes sechster Treffer im vierten EM-Spiel. Der 19 Jahre alte Stürmer, der bei 1899 Hoffenheim ausgebildet wurde, ist schon jetzt der Star des Turniers. Und das auf einer Position, die in Zeiten der “falschen Neun” fast in Verruf geraten ist: als Stoßstürmer.

Von Hoffenheim entdeckt

“Aufgrund seines Torriechers, seiner Cleverness und Abgezocktheit vor dem Tor ist seine beste Position direkt vorne in der Box”, findet auch Frank Fröhling bei SPORT1.

Fröhling war es, der den Startschuss für Selkes Karriere gab: Als Juniorentrainer bei 1899 Hoffenheim lotste er den Sohn eines Äthiopiers und einer Deutschen in den Kraichgau.

Vor dem Tor eiskalt

“Gesehen habe ich ihn das erste Mal auf Empfehlung hin bei einem Jugendturnier in der Nähe von Stuttgart. Da ist er mir als großer, schlaksiger Kerl aufgefallen, der sehr temperamentvoll war und damals schon eine enorme Kaltschnäuzigkeit vorm Tor besaß”, erinnert sich der jetzige Hoffenheimer Co-Trainer an die Verpflichtung.

2009 war das. Vier Jahre später kehrte das Talent der TSG den Rücken und ging zu Werder Bremen.

Warten auf den Durchbruch

Für Fröhling ein Wechsel, der vor allem den Umständen geschuldet war: “Davie sah zur damaligen Zeit keine Perspektive in Hoffenheim. Unter Markus Gisdol und Alexander Rosen hat sich in der Zwischenzeit viel verändert. Ich glaube nicht, dass sich Davie heute nochmal für einen Wechsel entscheiden würde.”

Wohl auch, weil Selke bei Werder Bremen noch auf den Durchbruch bei den Profis wartet. Zwar kam er in der vergangenen Saison dreimal in der Bundesliga zum Einsatz. Doch in der Rückrunde hatte Bremens Coach Robin Dutt für ihn keinen Platz im Kader.

Rangelei mit Fritz

Vielleicht liegt es auch daran, dass Selke im Training mit Leitwolf Clemens Fritz aneinandergeraten ist: Nach einem Zweikampf kam es vor versammelter Mannschaft zu einem Gerangel. Fritz’ Hand landete in Selkes Gesicht.

Danach hießen die Gegner für Selke wieder ETSV Weiche oder Goslarer SC statt Bayern oder Schalke.

Temperament als Stärke

Steht dem Stürmer sein Temperament für eine Profikarriere im Weg? Mentor Fröhling glaubt das nicht: “Ganz im Gegenteil ? genau das zeichnet ihn ja aus. In seiner Persönlichkeit hat er in den letzten Jahren eine klasse Entwicklung genommen. Er hat gelernt, sein Temperament und seine Emotionen zu kanalisieren und sich auf dem Spielfeld rein auf das Sportliche zu konzentrieren.”

So wie bei der EM, bei der er sich nun zurück in den Blickpunkt spielt – nicht nur bei Werder. Es soll bereits eine Anfrage eines Bundesligisten vorliegen.

Selke lässt Zukunft offen

In Bremen wirbt Sportdirektor Rouven Schröder unterdessen für eine Verlängerung des 2015 auslaufenden Vertrags.

“Wir wollen den nächsten Schritt mit ihm machen, ihn von unserem Weg überzeugen”, sagt Schröder.

Selke selbst lässt sich nicht in die Karten schauen: “Ich habe in Bremen einen Vertrag bis 2015. So lange werde ich für Werder alles geben. Was danach passiert, kann ich noch nicht sagen.”