Von Denis de Haas
München – Joachim Löw hat noch lange nicht genug. Der Bundestrainer giert nach einem weiteren Titel und will seinen Vertrag beim DFB deshalb auch erfüllen.
Zehn Tage nach dem WM-Triumph im Finale gegen Argentinien gab Löw einen Treueschwur ab (BERICHT: Löw hat Historisches vor). Er will das DFB-Team auch bei der EM 2016 noch trainieren. Er habe „keine Sekunde“ an einen Rücktritt gedacht, verkündete der 54-Jährige am Mittwoch.
Somit bleibt dem DFB die Suche nach einem Nachfolger für Löw erspart.
Löw wird den Großteil der WM-Helden bald wieder um sich scharen. Am 3. September steigt die WM-Revanche gegen Argentinien, vier Tage später beginnt für den Weltmeister die EM-Qualifikation mit dem Heimspiel gegen Schottland.
Vor diesen Länderspielen muss Löw einen Nachfolger für den zurückgetretenen Kapitän Philipp Lahm finden und weitere Baustellen schließen.
SPORT1 erklärt, welche Aufgaben der Bundestrainer und der DFB in den kommenden Wochen lösen müssen.
? Wer wird Co-Trainer?
Geht es um die Nachfolge für Hans-Dieter Flick, fallen meistens zwei Namen: Marcus Sorg und Frank Wormuth. Beide arbeiten beim DFB, kennen also die Strukturen im Verband. Eine Entscheidung dürfte im nächsten Monat fallen.
Sorg weilt aktuell in Ungarn, wo er mit der U 19 den Europameister-Titel holen will. Spätestens am 31. Juli kehrt der frühere Coach des SC Freiburg zurück. Dann könnte es ganz schnell gehen.
Der zweite Kandidat gehört ebenfalls der Freiburg-Connection an. Frank Wormuth, früher Sportclub-Spieler und heute Trainerausbilder beim DFB, hält sich noch bedeckt.
„Mit mir hat darüber noch keiner gesprochen, und ich habe mir deshalb auch noch keine Gedanken darüber gemacht“, sagte der 53-Jährige.
Die „Stuttgarter Zeitung“ brachte den Namen Thomas Schneider ins Spiel. Der Coach wurde im März beim VfB entlassen, wäre also verfügbar. Doch der 41-Jährige dürfte nur Außenseiterchancen haben.
Womöglich plant der DFB auch die große Lösung. Dann könnte Löw Thomas Tuchel zur Seite gestellt werden. Der frühere Mainzer hätte die Möglichkeit, sich beim DFB zu akklimatisieren und nach der EM den Chefposten einzunehmen.
Fraglich ist aber, ob ein eigenwilliger Typ wie Tuchel für zwei Jahre ins zweite Glied rücken würde.
? Wer bekommt die Kapitänsbinde?
Wer führt das DFB-Team beim Test in Düsseldorf aufs Feld und tauscht mit Argentiniens Kapitän Lionel Messi die Wimpel?
Vier Namen werden offen gehandelt. Manuel Neuer, Mats Hummels, Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira könnten allesamt Lahm beerben.
Für den Abwehrspieler von Borussia Dortmund gab jüngst Wolfgang Niersbach ein Plädoyer ab. „Mats Hummels ist ein so intelligenter und klasse Junge, der ein überzeugendes Auftreten hat – nicht nur als Innenverteidiger, den kannst du überall hinschicken“, sagte der DFB-Präsident bei „Sport Bild Plus“.
Allerdings dürfte Schweinsteiger die besten Chancen haben. Beim DFB gilt die Anzahl der Länderspiele als wichtiges Kriterium für die Vergabe von Posten. Hier führt der Bayern-Spieler mit 108 Partien vor Neuer (52), Khedira (51) und Hummels (36).
? Wer verteidigt demnächst auf rechts?
Bei der Kapitänsfrage hat Löw eine große Auswahl. Das gilt für die Rechtsverteidiger-Position keineswegs. Jerome Boateng unterstrich bei der WM seinen hohen Wert als Innenverteidiger, dürfte demnach ausscheiden.
Benedikt Höwedes überzeugte im Weltmeisterteam als Linksverteidiger. Der Schalker könnte im Notfall auf der anderen Seite spielen. Auch Kevin Großkreutz und Shkodran Mustafi haben diese Position bereits im DFB-Team bekleidet, doch in ihren Vereinen sind sie für andere Aufgaben vorgesehen und müssten sich immer umstellen.
Löws Problem: Bei den Bundesligateams ist der Rechtsverteidiger-Posten zumeist mit ausländischen Spielern besetzt. Der Neu-Wolfsburger Sebastian Jung, Freiburgs Oliver Sorg oder Gladbachs Julian Korb gehören zu den wenigen deutschen Stammkräften.
Womöglich gelingt einem aus diesem Trio demnächst eine Leistungsexplosion: Dann dürfte dieser sich gute Chancen auf einen Platz in Löws Kader ausrechnen.
? Wie löst Löw das Sturmproblem?
Den klassischen Mittelstürmer braucht Löw weiterhin als taktische Option. Mit Miroslav Klose nahm er nur einen Angreifer mit nach Brasilien. Der Spitzenreiter der ewigen WM-Torjägerliste wird aber wohl kaum noch ein weiteres Turnier spielen. 2016 wäre Klose schon 38 Jahre alt.
Also muss sich Löw nach Alternativen umsehen: Mario Gomez hat seit nunmehr elf Monaten kein Länderspiel bestritten. Bleibt der 29-Jährige beim AC Florenz verletzungsfrei, dürfte er wieder ein Thema für die Nationalmannschaft sein. Aber auch nur dann.
Ansonsten herrscht auf dieser Position Notstand: Hamburgs Pierre-Michel Lasogga dürfte die erste Alternative für diese Planstelle sein. Der 23-Jährige stand beim Test gegen Chile schon im Kader, gegen Argentinien könnte Löw ihm zum ersten Einsatz verhelfen.