Johannes Golla sieht die Fülle an großen Turnieren im Handball kritisch. „Die Gefahr ist da, dass man das alles nicht mehr sortiert bekommt, weil es von einem Großevent ins andere geht. Ein Turnier jagt das nächste. Das schmälert die Wertigkeit“, sagte der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft vor dem EM-Start im Interview mit der FAZ.
„Ein olympisches Halbfinale zu gewinnen, das bleibt im Kopf. Die Begeisterung bei der Heim-EM in Düsseldorf, Berlin und Köln vor zwei Jahren auch. Aber sonst?“
Terminstress gefährdet Qualität und Gesundheit
Es gehe mit der Vielzahl an Höhepunkten um „Aufmerksamkeit“. Aber er erkenne „die Tendenz, dass viele Spieler früh verletzt sind“, führte Golla aus.
„Die Qualität des Handballs leidet. Die Finals von EM, WM sind dann nur noch ein Gewürge: Wer kann länger laufen? Die Torhüter werden immer besser, weil die Spieler keine Konzentration mehr haben im Abschluss. Und dann kommen Verletzungen nach den Turnieren, wenn es direkt in den Ligen weitergeht.“
Profis pochen auf mehr Professionalität und bessere Reisebedingungen
Im Handball gibt es jedes Jahr im Januar eine EM oder WM, dazu kommen alle vier Jahre im Sommer die Olympischen Spiele. Auch in den Klubs ist die Belastung enorm.
„Ich spiele gerne, ich spiele gerne viel – aber dann muss das Drumherum im Verein noch professioneller werden“, betonte der 28-Jährige: „Wir können nicht zwei Spiele in der Woche mit Reisetagen von 20 Stunden mit zwei Zwischenlandungen machen.“
Golla warnt die EHF: Ohne Unterstützung sind alle Topstars in Gefahr
Angesichts der Vielzahl an Begegnungen müsse die Infrastruktur besser „stimmen“. Dafür brauche es „gute Reisepläne, Charterflüge, bessere Hotels. Da muss die EHF die Vereine finanziell unterstützen. Früher oder später erwischt es sonst alle Topspieler“, warnte Golla.
Am Donnerstagabend (ab 20:30 Uhr im SPORT1-LIVETICKER) steigt der Kreisläufer mit dem deutschen Team gegen Österreich ins EM-Turnier ein.