Im Zuge der Debatte um ein mögliches Comeback von Manuel Neuer in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hat Ex-Profi Sami Khedira zu einer Brandrede ausgeholt.
Für den Weltmeister von 2014 kommt oftmals zu kurz, dass Neuer von sich aus nach der Europameisterschaft zurückgetreten war. Dass der Torhüter ein angespanntes Verhältnis zu Bundestrainer Julian Nagelsmann haben soll, will Khedira nicht glauben – zumal Neuer am Samstag selbst Medienberichte in diese Richtung dementierte.
„Wenn es ein Verhältnis zwischen beiden gegeben haben soll, das nicht so gut ist, dann war es auch während der Europameisterschaft so. Da hat es aber funktioniert. Manu wurde vor paar Wochen oder Monaten gefragt, ob die Tür zu sei. Und er hat ‚Ja‘ gesagt. Das ist ein klares Statement“, sagte Khedira in seiner Rolle als TV-Experte vor dem Viertelfinal-Rückspiel des FC Bayern gegen Real Madrid (4:3) bei DAZN.
Baumann? „Wir killen ihn“
Ob Neuer jetzt ein gutes oder schlechtes Verhältnis zu Nagelsmann habe, würde nichts damit zu tun haben, ob Neuer zur WM mitfahren sollte oder nicht, sagte Khedira. „Julian weiß, dass Manu der beste deutsche Torwart ist“, sagte der ehemalige Real-Star – und wurde dann so richtig deutlich: „Die Diskussion, die wir haben: Wir schaden einem Spieler, der in zwei Monaten die Nummer eins sein soll – und das ist Oli Baumann. Das ist nicht korrekt und gut.“
Einen Oliver Baumann „killen wir gerade. Wir killen ihn in den Medien“, schimpfte Khedira: „Das hilft weder Julian noch Deutschland noch ihm selbst. Manu hat gesagt, die Tür ist zu.“
Ballack heizt Neuer-Debatte an
Sein Experten-Kollege Michael Ballack heizte die Debatte um Neuer hingegen an. Für den ehemaligen DFB-Kapitän ist vor allem die angeblich mangelhafte Kommunikation zwischen Neuer und Nagelsmann ein Dorn im Auge.
„Es gibt ein riesiges Kommunikationsproblem zwischen den beiden. Es wäre ein Einfaches, das zwischen den beiden auszuräumen. Weil es diese Problematik gibt, ist niemand da, der so ein bisschen vermittelt“, sagte er bei DAZN.
Auf die Frage, wer zwischen den beiden Akteuren vermitteln könnte, sagte Ballack: „Rudi Völler kann vermitteln, es können viele beim DFB vermitteln. Es kann auch der FC Bayern vermitteln. Der Bundestrainer hat die Kommunikations-Führung in so einem Fall. Er ist der Entscheidungsträger.“
Ballack weiter: „Manuel ist in den letzten Wochen zurückhaltend. Ich deute das als passiven Optimismus. ‚Wenn ihr mich dabeihaben wollt und mich höflich bittet, dann komme ich auch.‘ Er wäre der Letzte, der Nein sagen würde. Aber weil das in den letzten Wochen und Monaten nicht passiert ist, zieht er sich Stück für Stück zurück und das verwässert dieses Thema. Dann verlieren wir einen Top-Spieler, den wir hätten dabeihaben können.“
Neuer selbst hatte der Debatte in den vergangenen Wochen den Wind aus den Segeln genommen. Gänzlich begraben wird das Thema wohl erst am 12. Mai sein, wenn Nagelsmann seinen WM-Kader verkünden wird.