Trotz seines Siegtreffers beim 2:1 gegen Ghana bekam Deniz Undav nach dem Spiel von Julian Nagelsmann Kritik zu hören. Der 29-Jährige wird aller Voraussicht nach nur in einer Joker-Rolle bleiben, so wie es der Bundestrainer in einem Rollengespräch festgelegt hat.
Ex-Nationalspieler Max Kruse kann mit einer solchen Vorgehensweise herzlich wenig anfangen. „Zu sagen, ich hatte mit dem ein Rollengespräch und das steht schon alles für die WM fest […]. Da sagst du dem Spieler: Du kannst spielen, wie du willst, und kannst dich anstrengen, wie du willst. Und am Ende sitzt du sowieso maximal auf der Bank“, übte der frühere Angreifer in seinem Podcast Flatterball deutliche Kritik.
Kruse bemängelte in diesem Zusammenhang, dass Nagelsmann keine klare Linie an den Tag lege und sich nun in eine falsche Richtung bewege. „Dieses Leistungsprinzip, von dem Julian Nagelsmann vor sechs Monaten geredet hat, ist absolut gecrasht. Und das hat in der deutschen Nationalmannschaft nichts zu suchen.“
Der Blick auf die Zahlen gibt Kruse recht. Während Nick Woltemade im Kalenderjahr 2026 noch kein Premier-League-Tor erzielt hat und sich Kai Havertz nach seiner langen Verletzungspause erst noch heranarbeiten muss, gehört Undav aktuell zu den treffsichersten Stürmern in Europa. In 38 Pflichtspielen in der laufenden Saison kommt der Stuttgarter auf 23 Tore und 13 Assists. Alleine in den letzten sechs Bundesligaspielen glückten ihm sieben Tore und zwei Assists.
Harnik mit Lob und Kritik am Bundestrainer
Kruses Podcast-Partner Martin Harnik nahm den Bundestrainer hingegen in Schutz und hielt dessen Vorgehen zumindest im Allgemeinen für richtig. „Bei der EM hatte Julian Nagelsmann auch diese Rollenverteilung, die ich sehr gut und wichtig finde, dass jeder seinen Platz kennt“, führte der 38-Jährige aus.
Auch Harnik ist jedoch der Ansicht, dass diese Rollen nicht festgefahren sein sollten. „Natürlich kann sich die Rolle durch gute oder schlechte Leistungen verändern. Aber dass man zumindest erst mal weiß, woran man ist und was man zu tun hat“, erläuterte er.
Harnik hätte sich jedoch gewünscht, dass Undav nicht voreilig in eine „Schublade“ gesteckt worden wäre. „Bei Undav sehe ich es aufgrund der Leistungen von ihm und der Nicht-Leistungen seiner Konkurrenten für zu frühzeitig an“, machte er deutlich.
Harnik stört Nagelsmann-Kommentar: „Was ist das für eine Argumentation?“
Insbesondere störte sich der frühere Werder– und HSV-Stürmer an der Art und Weise, wie Nagelsmann den Siegtreffer von Undav kommentierte. „Ich glaube, wenn er schon vorher 70 Minuten in den Knochen hat, wird der lange Schritt schwer“, hatte Nagelsmann nach dem Spiel in der ARD angemerkt.
„Im Grunde genommen wird dieses Tor von Undav schlecht gesprochen, um seine (Nagelsmanns) Entscheidungen selbst wieder zu rechtfertigen, dass er das Tor nicht gemacht hätte, wenn er von Anfang auf dem Platz gestanden hätte“, bemängelte Harnik.
„Da trifft er auf Unverständnis in der Öffentlichkeit und auch bei mir. Weil ich sage: Was ist das für eine Argumentation?“, wunderte er sich.
Harnik zufolge ist Nagelsmann zu sehr bemüht, seinen eigenen Entscheidungen Folge zu leisten. „Er sucht die Nadel im Heuhaufen, er sucht nach Gründen, um seine Entscheidung, die er unnötigerweise frühzeitig getroffen hat, zu untermauern. Und das ist für mich ein fataler Führungsfehler“, echauffierte er sich.
Neben Harnik und Undav hatten jüngst schon Lothar Matthäus, Dietmar Hamann und Stefan Effenberg Kritik an Nagelsmann geäußert, der nun aufpassen muss, dass die Undav-Debatte nicht zum noch größeren Stör-Thema wird.