Das Motto für diesen Lehrgang lautete „Einspielen“. Bundestrainer Julian Nagelsmann kündigte am Sonntagnachmittag auf der Pressekonferenz dennoch Rotationen und einige Wechsel an – auch im Sinne der Belastungssteuerung.
Doch bei einer Personalie geht es um mehr als nur frische Beine: Nathaniel Brown ist weit mehr als eine Alternative. Der 22-Jährige ist die vielleicht vielversprechendste Antwort auf ein strukturelles Problem: die Außenverteidigerposition.
Nathaniel Brown vor DFB-Startelfdebüt
Gegen Ghana (ab 20.45 Uhr im SPORT1-Liveticker) feiert der Profi von Eintracht Frankfurt in seinem dritten Einsatz für die DFB-Elf sein Startelfdebüt.
Nagelsmann hatte bereits vorab angekündigt, dass Brown allerdings „kein Kandidat für 90 Minuten“ sei. Der Grund: Brown war vor genau einer Woche angeschlagen angereist. Aber der Bundestrainer betonte auch: „Wir wollen ihm die Chance von Beginn an geben.“
Da Brown die Abschlusseinheit am Sonntagnachmittag gut überstanden hat, gab es grünes Licht für die Startelf. Schon das Training am Samstag hatte er beschwerdefrei absolviert.
Brown überzeugt mit Flexibilität
Der gebürtige Amberger reifte in der Jugend des 1. FC Nürnberg zum Profi und bringt ein Profil mit, das im modernen Fußball besonders gefragt ist: Vielseitigkeit.
Ob auf der linken oder rechten Außenverteidigerposition, defensiv oder offensiver interpretiert, sogar im Zentrum – Brown hat all das bereits gespielt. Im Verein agiert er meist als linker Außenverteidiger, nimmt aber auch häufig die offensivere Rolle auf dem Flügel ein.
Seine Spielweise bei der SGE erinnert dabei an die von Joshua Kimmich in der DFB-Elf: Immer wieder rückt Brown ins Zentrum ein, übernimmt Aufgaben auf der Sechserposition, überzeugt durch Passsicherheit und Spielintelligenz. Gerade im letzten Drittel bringt er kreative Lösungen ein.
Kommt Brown für Raum?
Auch wenn Kimmich mit den Bayern vor entscheidenden und intensiven Wochen steht, verzichtet Nagelsmann nicht auf seinen Kapitän von Beginn an.
Daher rückt der eine (Fast-)Nürnberger Brown für einen anderen gebürtigen Nürnberger David Raum, der sich in den letzten Wochen und Monaten zum absoluten Leistungsträger entwickelt hat, in die Startelf.
„David ist extrem viel marschiert und wird auch die nächsten Wochen bei RB viel marschieren dürfen und müssen. Er wird aber auch morgen Spielzeit kriegen, weil Nene (Brown, Anm. d. Red.) eigentlich nicht 90 Minuten spielen sollte“, erklärte Nagelsmann am Sonntag – klingt nach einer Auswechslung Browns nach rund einer Stunde.
Die Lösung für eine Problemposition?
Die Außenverteidigerpositionen gelten seit Jahren als Schwachstelle im deutschen Team. Der Mangel an Weltklasse-Spielern zwang sogar einen zentralen Mittelfeldspieler wie Kimmich dazu, dauerhaft auf die rechte Seite auszuweichen.
Während im Zentrum ein Überangebot herrscht, fehlt es außen an Tiefe und Konstanz. Genau hier könnte Brown ansetzen.
Mit seiner Dynamik, Spielruhe und taktischen Flexibilität bringt er das mit, was lange vermisst wurde – und er könnte damit perspektivisch eine der traditionell größten Baustellen im DFB-Kader dauerhaft schließen.
„Ich halte sehr große Stücke auf ihn“
Nagelsmann macht aus seiner Wertschätzung keinen Hehl: „Ich halte sehr große Stücke auf ihn, seine Entwicklung ist noch nicht zu Ende. Vielleicht kommt seine Zeit jetzt schon, aber sie wird auf jeden Fall kommen, da bin ich mir sicher“, schwärmte der 38-Jährige auf der Nominierung-PK.
Und weiter: „Er bringt super viel mit, hat eine tolle Dynamik, ist sehr kreativ mit einer guten Ruhe am Ball. In Frankfurt ist er sehr konstant in seinen Leistungen. Er hat gute Konkurrenten bei uns mit David Raum und Maximilian Mittelstädt, aber ich traue ihm auch zu, dass er spielt.“
Der letzte Verbliebene
Auch im Kontext seines Vereinsumfelds sticht Brown heraus.
Während Mitspieler wie Nnamdi Collins, Robin Koch oder Jonathan Burkardt zuletzt durch Formschwankungen oder Verletzungen ausgebremst wurden und aus dem DFB-Kader flogen, bleibt Brown konstant – und im Fokus des Bundestrainers. Er ist damit der letzte Verbliebende aus dem Frankfurter Kreis.
Gerade mit Blick auf die WM könnte Browns Vielseitigkeit zum entscheidenden Faktor werden. Er ist kein Lückenfüller, sondern ein strategisches Puzzlestück.
Und vielleicht ist er mehr als das: Der Spieler, der eine jahrelange Problemzone endgültig aus dem deutschen Spiel verschwinden lässt.