Er gilt als der der Mister Nachwuchsarbeit schlechthin beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) – und legt nun den Finger in die Wunde nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus der U21 bei der EM in Georgien.
„Alle U21-Spieler sind noch in der Entwicklung. Trotzdem muss man sich die Frage stellen, ob eine Mannschaft auf dem Platz war, die zueinandergestanden hat“, sagte der Routinier, der von 2000 bis 2016 in verschiedenen Funktionen für den DFB tätig war und mit der „Goldenen Generation“ der U21 um die späteren Weltmeister Manuel Neuer, Mats Hummels, Mesut Özil und Sami Khedira 2009 den Titel gewann, dem Sportbuzzer.
„In der Schlussphase gegen England (0:2, Anm. d. Red.), die ich gesehen habe, war mir das von der Art und Weise zu wenig. Die Mannschaft ist dafür verantwortlich, den Kopf hinzuhalten und füreinander einzustehen. Ich habe auch keinen Häuptling gesehen, der die anderen mitzieht und mitreißt“, fügte Hrubesch an.
Die U21 habe sich bei der EM „viele Chancen rausgespielt und daraus zu wenig gemacht. Klar ist, dass wir immer wieder hinterfragen müssen: Was hat sich bewährt? Sind wir auf dem richtigen Weg? – das gilt für den DFB, die Landesverbände und die Vereine.“
U21-Aus: Das meint Hrubesch nun
Der ehemalige Profi des Hamburger SV mahnt dennoch, optimistisch zu bleiben: „Ich mache mir überhaupt keine Sorgen. Es gibt immer Jahrgänge, in denen alles von alleine läuft, und in anderen nicht.“
Mehr Spielpraxis geben: „England macht es vor“
Mit Blick auf die nun bald reformierten Wettbewerbe im U17- und U19-Bereich meinte Hrubesch: „Wir müssen in Kauf nehmen, dass ein Umbruch nicht in 14 Tagen oder drei Wochen funktioniert. Entscheidend ist es, den Jungen mehr Spielpraxis zu geben. Das macht etwa England vor.“
Je früher man die Spieler in den Seniorenbereich bringe, „desto schneller gewöhnen sie sich daran. Diesen Prozess müssen wir anschieben.“
Hrubesch möchte dennoch „nicht alles schwarzmalen
Der 72-Jährige erklärte auch angesichts der Heim-WM der A-Nationalmannschaft 2024: „Wir sind als Gastgeber qualifiziert. Und wenn Deutschland eine EM austrägt, wird die Nationalmannschaft eine entscheidende Rolle spielen. Da bin ich mir sicher.“
In dem noch verbleibenden Jahr müsse sich die Mannschaft von Bundestrainer Hansi Flick einspielen: „Das traue ich ihr zu. Ich möchte nicht alles schwarzmalen, nur weil dieser Sommer enttäuschend verlief.“