Von Jonas Nohe

Er ist der Erfahrene in einer Gruppe Youngster.

Nicht wegen seines Alters, schließlich ist Julian Brandt selbst gerade erst 18 Jahre alt geworden und damit der jüngste Spieler in der deutschen U 19.

Wohl aber aus sportlicher Sicht: Zwei Tore in zwölf Bundesligaspielen, dazu zwei Einsätze in der Champions League hat er seit seinem Wechsel vom VfL Wolfsburg zu Bayer Leverkusen im Januar 2014 bereits vorzuweisen (

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Der Mittelfeldspieler ist der einzige deutsche U-19-Nationalspieler bei der EM in Ungarn, der schon Einsätze in der europäischen Königsklasse vorzuweisen hat.

Für die DFB-Junioren war er eine wichtige Stütze auf dem Weg zum Finaleinzug (BERICHT: Finale! Deutsche U 19 siegt mühelos).

In drei der vier Endrundenpartien stand Brandt für das Team von Bundestrainer Marcus Sorg von Beginn an auf dem Platz. Das erste Spiel gegen Bulgarien verpasste er nur, weil er mit Leverkusen noch im Trainingslager weilte.

Im SPORT1-Interview spricht er vor dem Endspiel (ab 18.45 Uhr im LIVE-TICKER) über seine rasante Entwicklung. Er verrät, warum Deutschland den Titel holt und wieso auch in Zukunft mit den aktuellen U-19-Spielern zu rechnen ist.

SPORT1: Herr Brandt, Sie haben in diesem Jahr Ihr Bundesliga-Debüt, Ihr erstes Champions-League-Spiel und jetzt den Einzug ins U-19-EM-Finale gefeiert. Wo würden Sie das Endspiel in dieser für Sie persönlich sehr ereignisreichen Saison einordnen?

Julian Brandt: Das letzte halbe Jahr war auf jeden Fall von vielen Höhepunkten geprägt. Es waren viele schöne Momente dabei. Das EM-Finale gehört aber schon zu den schöneren.

SPORT1: Andere Spieler wie Schalkes Max Meyer oder Stuttgarts Timo Werner durften nicht zur EM reisen, weil sie keine Freigabe erhielten. Ist diese Entscheidung der Vereine für Sie nachvollziehbar?

Brandt: Ja, man muss die Entscheidung respektieren. Letztendlich fällt der Verein diese Entscheidung. Es gab auch mit Leverkusen viele Gespräche darüber.

SPORT1: Wie dankbar sind Sie Ihrem Verein Bayer Leverkusen, dass Sie an der EM teilnehmen dürfen?

Brandt: Levin (Öztunali, Anm. d. Red.) und ich waren sehr glücklich darüber, dass alles so gut geklappt hat. Ich denke, dass zwischen DFB und Bayer ein guter Kompromiss für beide Seiten geschaffen worden ist. Das kommt uns entgegen. Wir genießen es sehr, hier zu sein und jetzt auch das Finale spielen zu dürfen.

 

SPORT1: Portugal hat sich im zweiten Halbfinale gegen Serbien erst im Elfmeterschießen durchgesetzt. Wo sehen Sie die Stärken der Portugiesen?

Brandt: Portugal ist eine offensivstarke Mannschaft. Die haben super Spieler vorne, sehr schnell und mit sehr viel Qualität. Aber auch nach hinten ist es eine geschlossene Mannschaft. Meiner Meinung nach sind sie zu Recht im Finale.

SPORT1: Und warum wird Deutschland am Ende trotzdem Europameister?

Brandt: Weil wir einfach dran sind. Wir haben uns das über die Zeit hinweg verdient, haben super Spiele abgeliefert und uns auch hier bei der EM reingebissen. Wir wollen uns das jetzt nicht mehr nehmen lassen.

SPORT1: Die U 19 gilt auch immer wieder als Sprungbrett für die A-Nationalmannschaft. Sehen wir Sie in naher Zukunft dann auch im Team von Joachim Löw?

Brandt: Das wird sich mit der Zeit herausstellen. Ich habe durch den Finaleinzug hier nicht die Erwartungshaltung, ab der nächsten Saison bei Joachim Löw in der Mannschaft zu sein. Zuerst kommt jetzt mal dieses Ziel beim DFB, dann kommen die Ziele mit Leverkusen. Alles was später kommt, wird sich irgendwann zeigen.

SPORT1: Sie kennen Ihre Mitspieler am besten. Wen muss man aus Ihrer Sicht für das A-Nationalteam noch auf dem Zettel haben?

Brandt: Wir haben eine Mannschaft mit vielen super Spielern. Da Einzelne herauszupicken ist schwer, weil man dann am Ende trotzdem auf zehn bis 15 Spieler kommt. Man denkt sich vielleicht, dass jede Mannschaft doch nur ein, zwei Spieler haben muss, die richtige Granaten sind. Aber das ist das Phänomen an unserer Mannschaft, dass wir eben nicht nur ein, zwei besondere Spieler haben. Jeder hat seine eigenen Qualitäten, die er ins Spiel bringt und zusammen ergibt das dann eine Mannschaft, die funktioniert.