Uli Hoeneß war sichtlich zufrieden, als er am Sonntag den Innenhof des Münchner Rathauses betrat. Der Patron des FC Bayern schmunzelte vor sich hin und wollte eigentlich am versammelten Pressepulk vorbeigehen, ehe er dann doch stehenblieb. Kein Wunder, schließlich hatte er etwas zu verkünden – nämlich seine Bewertung der Saison: „Besser geht’s nicht!“

Den Hinweis auf den bekannten Film mit Jack Nicholson verwendet Hoeneß gerne und häufig – auch wenn er sich vor vielen Jahren verhaspelte und davon sprach, die Hauptrolle in diesem Streifen spiele „Jack Daniel’s“.

Das Objekt der Begierde und Bayern-Trainer Vincent Kompany
Das Objekt der Begierde und Bayern-Trainer Vincent KompanyDas Objekt der Begierde und Bayern-Trainer Vincent Kompany© IMAGO/Matthias Koch

Dass der 74-Jährige aber so von der aktuellen Mannschaft und ihrem Erfolg schwärmte, zeigt, dass der Ehrenpräsident bereit ist, den heutigen Kader in eine Reihe mit anderen großen Bayern-Teams zu stellen. Das Problem: Ein Titel sollte dann doch noch her, sonst könnte es bald heißen: Es könnte durchaus besser sein.

Frankfurt als Pokal-Warnung für die Bayern

Eine Mahnung vor dem Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart stammt aus dem Jahr 2018. Ja, für viele Fans ist das Endspiel gegen Eintracht Frankfurt noch immer ein regelrechtes Schreckgespenst. Damals waren die Umstände ähnlich, denn die Bayern pflügten dominant Richtung Meisterschaft, scheiterten in der Champions League erst im Halbfinale und hatten mit der SGE einen Gegner von Stuttgarter Güteklasse vor der Brust.

Der Ausgang ist bekannt: Die Münchner verloren und Joshua Kimmich sprach damals von einer „brutal enttäuschenden Saison“. Ein Urteil, das deutlich macht, wie hoch die Latte an der Säbener Straße eben Jahr für Jahr liegt – trotz der Euphorie von Hoeneß.

„Natürlich wollen wir die Saison mit dem Double in Berlin krönen. Wir waren dort lang nicht mehr und deswegen ist das ein ganz, ganz großes Ziel“, sagte Christoph Freund jüngst auf Nachfrage von SPORT1. Dass eine Pleite im Olympiastadion den Gesamteindruck schmälern würde, ließ er dabei lediglich durchblicken. Der Druck ist trotzdem enorm, auch wenn bei Kimmich mittlerweile eine Art Lernprozess eingesetzt hat.

„Von außen betrachtet zählen immer nur die Titel. Wenn man selbst drinsteckt, ist es schon so, dass wir konstant auf einem hohen Level Fußball gespielt haben. […] Ich mache den Erfolg einer Saison nicht an einem Spiel fest – das habe ich vor ein paar Jahren so gemacht. Man sieht auch den Weg dorthin“, sagte der 31-Jährige am Freitagabend auf der Pressekonferenz vor dem Pokalfinale zu SPORT1. Er sehe eine Mannschaft, die Spaß und Freude habe – und das sei sehr wertvoll. „Ich bin weit davon entfernt, den Erfolg nur rein an Titeln zu messen“, erklärte er weiter.

Der Vergleich mit der Triple-Saison

Dass sich die Münchner aber dessen bewusst sind, dass in den Geschichtsbüchern des FCB nur Jahre mit Trophäen landen, ist trotzdem zu spüren. „In meiner Motivation spielt das keine Rolle. Nach dem Spiel wird es von allen eine Meinung geben, davon bin ich überzeugt“, sagte Trainer Vincent Kompany.

Gut für die Bayern: Zur Wahrheit gehört, dass sie in dieser Saison über einen längeren Zeitraum besser spielten als noch vor acht Jahren. Damals musste Altmeister Jupp Heynckes den Karren aus dem Dreck ziehen, nachdem Carlo Ancelotti als Trainer der Münchner entlassen worden war.

Selbst in der Triple-Saison 2020 konnte man nicht so durchgehend überzeugen wie jetzt – so hatte es Kimmich bereits vor Wochen festgestellt. Denn damals rissen sich die Stars auch erst nach einem Trainerwechsel zusammen. Der Leidtragende war letztlich Niko Kovac. Jener Mann, der 2018 als Frankfurter Coach dafür gesorgt hatte, dass die Bayern einen Pokal-Schock erlitten und spätestens seitdem wissen: Mit einem Spiel kann viel kippen.