Schweinsteiger und Streich: Kult-Dialog
Schweinsteiger und Streich: Kult-Dialog
Freiburgs Trainer Christian Streich und TV-Experte Bastian Schweinsteiger sprechen vor dem DFB-Pokal-Spiel in München über Taktik. Daraus entsteht ein amüsanter Austausch mit Kultpotenzial.
„Wer bin ich?“, so die Frage von Christian Streich. Die Antwort: ein Kult-Trainer des deutschen Fußballs. Und vor dem sensationellen 2:1 (1:1) seines SC Freiburg im DFB-Pokal-Viertelfinale beim FC Bayern hat der 57-Jährige für einen weiteren kultverdächtigen Moment gesorgt.
Im ARD-Gespräch mit Moderator Alexander Bommes und Experte Bastian Schweinsteiger gab Streich vor dem Anpfiff einen kleinen Einblick in seine Taktik für die Partie in der Allianz Arena. Als dann Schweinsteiger zur Analyse ausholte, wurde es interessant und amüsant.
Der Ex-Bayern-Profi und Weltmeister von 2014 sezierte eine Szene vom 4:2 der Münchner im Bundesliga-Topspiel gegen Borussia Dortmund und gab Streich indirekt Ratschläge für die anstehende Partie.
Auf die Frage von Bommes, der sein Live-Fußball-Comeback feierte, ob Schweinsteiger denn richtig gelegen habe, antwortete Streich dann: „Natürlich hat es der Basti richtig gesagt! Wer bin ich? Er hat ja auf so hohem Niveau gespielt.“
Mit einem Grinsen schob der Sport-Club-Coach dann noch nach: „Aber es ist auch dann gegen Bayern gar nicht so kompliziert, wenn du es im Video anschaust. Es ist eindeutig. Das Problem ist die Umsetzung der Jungs auf dem Platz.“
Freiburger Ärger wegen Bayern-Dusel – Höflers Traumtor
Während des DFB-Pokal-Fights ging es dann weniger locker zu, sondern intensiv – und umstritten.
Das 1:0 für Bayern durch Dayot Upamecano (19. Minute) sorgte wegen nicht geahndeten Aufstützens des Verteidigers für reichlich Aufruhr. Auch Streich war am Spielfeldrand lange nicht zu beruhigen, rief auch Minuten nach der Szene immer wieder: „Unglaublich!“
FC Bayern München – SC Freiburg (1:2): Tore und Highlights | DFB-Pokal
Ein Traumtor von Nicolas Höfler zum Freiburger Ausgleich (27.) sorgte dann zumindest für eine gewisse Entspannung, ehe eine hochspannende zweite Halbzeit folgte – mit dem Last-Minute-Drama um Jamal Musiala und dem Triumph der Breisgauer.
Dialog von Schweinsteiger und Streich im Wortlaut
Das Interview im Wortlaut:
Alexander Bommes: “Sie haben sich hier in München schon oft probiert, haben es noch nie geschafft. Wie wollen Sie es heute anstellen?“
Christian Streich: “Wir haben wirklich alles mögliche schon probiert, haben dann mal zwei Unentschieden in zwei Saisons hintereinander geschafft. Aber jetzt machen wir Viererkette, 4-4-2, versuchen, Kimmich zu zu kriegen mit den zwei Stürmern und dann einfach selber Aktionen zu haben, dass wir nach vorne kommen. Du kannst auch ganz defensiv spielen, aber wie kannst du dich dann befreien, wenn du tiefer stehst. Das ist immer die Problematik. Von daher: eher die Flucht nach vorne.“
Bommes: “Aber wir können Ihre Mannschaft ja schon gewohnt mutig erwarten, oder? Kaninchen vor der Schlange wäre falsch heute Abend.“
Streich: „Ja, Kaninchen vor der Schlange wäre falsch. Aber wenn du zu hoch rausgehst im falschen Moment, dann kommt der tiefe Pass, dann geht‘s Tief-Klatsch-Tief, und dann haben sie 11:0-Sprinter und dann ist es auch nicht gut.“
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Bommes: „Gehst du mit?“
Bastian Schweinsteiger: „Auf jeden Fall gehe ich mit. Und was du gerade gegen Bayern München machen musst, ist: gut verteidigen. Ich habe mal eine Analyse aus dem Dortmund-Spiel mitgebracht. Da kann man mal sehen, was man gegen Bayern nicht machen soll. Hier sieht man: Bayern München möchte sofort Kimmich, aber de Ligt sieht ihn nicht. Tuchel zeigt an: Gib dem Kimmich den Ball. Davies sieht ihn auch nicht. Jetzt dauert‘s ein bisschen, bis Kimmich den Ball bekommt, ganz interessante Szene. Jetzt kriegt Upamecano den Ball, Kimmich wird wieder frei, bekommt den Ball aber nicht in den Lauf gespielt, sondern in den Rücken, muss wieder abbrechen, spielt den Ball nach hinten zu Sommer, Sommer verlagert wieder, Ballpassage, jetzt kommt der Pavard an den Ball und jetzt macht Guerreiro den Schnitt raus. Jetzt sehen wir mal: Coman außen, Sané außen, Goretzka, Müller breit in den Halbräumen hinter den beiden Achtern. Und das ist eben gefährlich. Wenn du die Mitte nicht schließt und Kimmich Zeit hat, dann kommt das Bayern-Spiel in die Gänge und gerade jetzt hat man auch sehen, das was jetzt passiert ist nicht mehr so entscheidend. Davor war der Fehler, dass du eben Kimmich diesen Platz gibst. Du musst gegen Bayern München das Zentrum schließen. Mir ist es als Trainer vom Gegner lieber, die beiden Innenverteidiger haben Zeit. Upamecano, de Ligt, die können ruhig frei sein und mit dem Ball kommen, aber die anderen Spieler dürfen nicht an den Ballbesitz kommen. Und da musst du natürlich Coman, Sané auch mal doppeln, da brauchst du den nächsten Spieler noch dazu. Das hat Dortmund nicht gemacht in der Situation und Bayern München unter Tuchel spielt anders wie unter Nagelsmann. Man sieht nicht so oft Sané, Coman in die Mitte ziehen, sie spielen wie früher Ribéry und Robben und das ist schon ein bisschen anders. Und deswegen: sehr guter Schachzug von Ihnen [zu Streich]. Ich hab‘s auch hier schon aufgeschrieben: Gregoritsch und Höfler …“
Streich: „Höler.“
Schweinsteiger: „Höler, Höfler, Eggestein, Gregoritsch, die vier sind entscheidend. Wenn die das defensiv sehr gut machen, dann hat der SC Freiburg eine gute Chance.“
Bommes: „Da glänzen die Augen des taktischen Experten. Hat er Ihre Spielvorbereitung exakt getroffen?“
Streich: “Ja, es ist … Also … Er hat‘s genau … Natürlich hat es der Basti richtig gesagt! Wer bin ich? Er hat ja auf so hohem Niveau gespielt. Aber es ist auch dann gegen Bayern gar nicht so kompliziert, wenn du es im Video anschaust. Es ist eindeutig. Das Problem ist die Umsetzung der Jungs auf dem Platz. Weil Dortmund war in dieser Szene mutig, würden Sie jetzt vielleicht sagen. Nur das war zu hoch.“
Schweinsteiger: „Du kannst ja mutig sein, aber dann müssen alle Mann mitmachen. Wenn da nur ein, zwei mitmachen, dann bist du tot, dann bist du kaputt.“
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Im späteren Verlauf der TV-Übertragung ließ Schweinsteiger zudem mit seiner Einschätzung zur Entlassung von Julian Nagelsmann beim FC Bayern aufhorchen. Wie er die Lage beim Rekordpokalsieger einschätzte, ist hier nachzulesen.