Eigentlich hätte es für Max Eberl ein Moment des großen Triumphs werden sollen: Als er sich im Bauch des Berliner Olympiastadions der Presse stellte, ging es aber recht schnell nicht mehr um den Double-Sieg, sondern um die berufliche Zukunft des Sportvorstands des FC Bayern.
Grund waren die Aussagen von Uli Hoeneß, der im Spiegel Zweifel an Eberls Arbeit angemeldet und die Chancen auf dessen Verbleib in München auf „60 zu 40“ beziffert hatte.
FC Bayern: Ausgerechnet zum Pokalfinale geht es um Hoeneß und Eberl
Spötter könnten behaupten, Eberl befinde sich in einer komfortablen Situation, schließlich stand es um dessen Jobsicherheit auch schon mal schlechter. Besonders schmerzhaft ist aber die Tatsache, dass die wenig schmeichelhaften Sätze des Klub-Patrons ausgerechnet am Tag des Pokal-Endspiels aufpoppten.
„Da hat der Uli dem Max keinen Gefallen getan. Ich denke zum Teil auch, dass Max das nicht verdient hat“, stellte SPORT1-Experte Stefan Effenberg im Doppelpass fest.
Die Forderungen an Eberl sind klar
In der Tat: Der Sportvorstand der Bayern wirkte ernsthaft angefasst und irritiert von Hoeneß‘ Auftritt. Die Leichtigkeit, die Eberl noch am Freitag bei einem anderen Medientermin versprüht hatte, war wie weggeblasen – trotz des Pokalsiegs.
Dabei dürfte sich der 52-Jährige eigentlich dessen bewusst sein, wie vereinsintern die Vorwürfe gegen ihn lauten: zu wenig Absprache, eine zu weiche Linie gegen Spielerberater und mangelnde Sparsamkeit. Im Aufsichtsrat betrachtet man zudem die Sommertransferphase 2025 rückblickend als „teilweise chaotisch“ (SPORT1 berichtete).
An dieser Sachlage hat sich nichts geändert, und die weiteren Aufgaben sind ebenfalls klar: Eberl muss den Kader weiter konsequent umgestalten. Er soll die Trennung von Alexander Nübel, Joao Palhinha, Sacha Boey und anderen Profis so managen, dass der FC Bayern wieder finanziellen Spielraum erlangt – das wurde dem Sportvorstand bereits deutlich gemacht.
Hoeneß gibt den nächsten Warnschuss auf Eberl ab
Neu ist derweil, dass Hoeneß so weit geht, in der Öffentlichkeit Eberls Chancen auf einen Anschlussvertrag zu beziffern. Der Ehrenpräsident hätte – wie so oft – schlicht auf die nächste Aufsichtsratssitzung verweisen und ansonsten schweigen können.
Das tat er diesmal nur teilweise und entschied sich stattdessen für einen zweiten Warnschuss in Richtung Sportvorstand. Die erste Attacke stammt aus dem vergangenen Herbst, als Hoeneß Eberl im SPORT1 Doppelpass bescheinigte, „ziemlich empfindlich“ zu sein.
Auch Hoeneß steht in der Kritik
Pikanterweise steigt hinter den Kulissen derweil auch auf den Klub-Patron der Druck. SPORT1-Infos zufolge musste sich auch Hoeneß selbst bereits das eine oder andere kritische Wort in der Causa gefallen lassen.
Schließlich war er es, der Eberl fast im Alleingang zum Sportvorstand gemacht hatte. Nach der Berufung von Oliver Kahn zum CEO ist es die zweite personelle Fehlentscheidung, die Hoeneß zu verantworten hat – so sehen es einige hinter den Kulissen.
„Ich weiß, was im Verein gedacht wird. Ich möchte nicht etwas sagen, was ich dann nachher nicht halten kann“, erklärte der 74-Jährige kurz vor dem Pokalfinale bei Sky, als er auf Eberls Zukunft angesprochen wurde.
Die Botschaft ist klar: Selbst wenn der mächtige Patron an seinem Sportvorstand festhalten wollte, könnte er das allein nicht durchsetzen. Hoeneß ist im Aufsichtsrat nicht allmächtig – auch wenn das von außen oft so wirkt. Für Eberl ist das eine weitere schlechte Nachricht.