Die Saison für Borussia Dortmund ist beinahe gelaufen: Aus in der Champions League, Aus im Pokal – dazu ein zweiter Tabellenplatz in der Bundesliga mit viel Abstand nach oben und unten, sodass aber die Qualifikation für die Königsklasse in der kommenden Spielzeit nahezu gesichert ist.
Das weitaus interessantere Feld: Der BVB bastelt mit dem neuen Sportdirektor Ole Book schon am Kader für die neue Saison. Die Verlängerung von Nico Schlotterbeck hat dabei oberste Priorität. Aber wie fällt eigentlich die Bilanz der Transferaktivitäten in der laufenden Saison aus? SPORT1 gibt einen Überblick über alle Abgänge beim BVB – und wie sich die Akteure entwickelt haben.
Jamie Gittens
„Von dem Moment an, als ich mein Debüt gab, habt ihr mir nichts als Liebe entgegengebracht. Ihr habt mir klargemacht, was diesen Verein so besonders macht. Das werde ich immer in mir tragen.“ Mit diesen emotionalen Worten verabschiedete sich Jamie Gittens im vergangenen Sommer.
Das englische Offensivtalent schloss sich nach fünf Jahren beim BVB für 56 Millionen Euro Ablöse dem FC Chelsea an. Für ihn schloss sich damit ein Kreis: Gittens war bereits in der Jugendakademie für die Blues aufgelaufen.
Im Profi-Bereich läuft es für den Rechtsfuß derweil äußerst durchwachsen. In Dortmund noch lange gefeiert, durfte Gittens bisher nur in 16 Spielen in der Premier League ran. Dazu kommt er auf sieben Einsätze in der Champions League und vier weitere in nationalen Pokalwettbewerben. Die überschaubare Ausbeute: ein Tor und fünf Vorlagen.
Seit Anfang Februar fällt Gittens zu allem Überfluss auch noch mit einer schwerwiegenden Oberschenkelverletzung aus, ein Riss in der Muskulatur setzt den 21-Jährigen noch einige Zeit außer Gefecht. Deshalb fehlte Gittens auch der englischen U21-Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation. Und er wird noch seine Zeit brauchen, um sich bei den Blues festzuspielen. Sein Vertrag auf der Insel läuft noch bis 2032.
Sébastien Haller
Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Sébastien Haller. Der Ivorer hatte die Borussen im vergangenen August ablösefrei gen Eredivisie verlassen und stürmt nun für den FC Utrecht.
Während der großgewachsene Stürmer auch aufgrund seiner überstandenen Krebserkrankung im Ruhrpott noch massiven Fanzuspruch erhalten hatte, verläuft die Rückkehr zu seinem Ex-Klub, bei dem ihm vor seinem Wechsel zu Eintracht Frankfurt 2017 einst der Durchbruch gelungen war, bislang noch nicht wie erhofft.
Haller kommt in 16 Partien in der Liga und sieben Auftritten in der Europa League auf einen mageren Treffer und drei Assists. Derzeit fällt auch er wie Gittens mit einer Muskelverletzung aus.
Pascal Groß
Der deutsche Nationalspieler wanderte im vergangenen Winter auf eigenen Wunsch wieder auf die Insel ab. Nach anderthalb Jahren im BVB-Trikot bestätigte Ex-Sportdirektor Sebastian Kehl in einer Vereinsmitteilung: „Er ist nun mit dem Wunsch einer Veränderung an uns herangetreten, durch die er sich mehr Spielzeit als bisher in dieser Saison erhofft.“
So kehrte Groß zu seinem früheren Klub Brighton & Hove Albion in die Premier League zurück. Bei den Seagulls ist der 34-Jährige unter dem deutschen Trainer Fabian Hürzeler eine feste Größe, absolvierte seit der Winterpause nahezu alle Spiele über die vollen 90 Minuten – und dirigiert das Mittelfeld des Tabellen-Zehnten.
Groß schaffte es sogar in den März-Kader von Bundestrainer Julian Nagelsmann und darf sich im zentralen Mittelfeld an der Seite von Leon Goretzka, Aleksandar Pavlovic, Angelo Stiller und dem derzeit verletzten Felix Nmecha gar berechtigte Hoffnungen auf eine Nominierung für die WM in den USA, Mexiko und Kanada machen.
Giovanni Reyna
Er ist der einzige ligainterne Abgang, den Borussia Dortmund im vergangenen Sommer zu verzeichnen hatte: Giovanni Reyna. Die bekannte Berater-Agentur Roof, die auch Kai Havertz und Marc-André ter Stegen vertritt, half dem aufstrebenden US-Amerikaner zu einem neuen Schritt in der Bundesliga – für rund vier Millionen Euro schloss sich Reyna Borussia Mönchengladbach an.
Analog zur sportlichen Situation der Fohlen verläuft aber auch die Saison für Reyna persönlich: Nicht einmal 500 Einsatzminuten sammelte er bisher wettbewerbsübergreifend, lediglich ein Assist steht auf dem Scoresheet.
Doch obwohl Trainer Eugen Polanski kaum auf den Youngster setzt, darf sich Reyna weiterhin berechtigte Hoffnungen auf seine Heim-WM machen. Beim Länderspiel gegen Belgien (2:5) zuletzt wurde er von Nationalcoach Mauricio Pochettino immerhin eingewechselt.
Youssoufa Moukoko
Die Geschichte des Youssoufa Moukoko ist wohl die bitterste aller BVB-Abgänge: Einst noch in den U-Mannschaften sämtliche Gegner kurz und klein geschossen, bei den Profis aber nie den endgültigen Durchbruch geschafft – und selbst jetzt in Dänemark historisch schwach.
Der jüngste Torschütze der Bundesliga-Geschichte kommt beim FC Kopenhagen zwar immerhin auf elf Treffer in 35 Partien (über die Hälfte im Pokal) – die Teamsituation ist allerdings äußerst dramatisch.
Erstmals in der Klubgeschichte musste der Rekordmeister in die Abstiegsrunde, ist dort gar mit zwei Pleiten aus zwei Spielen gestartet. Trotz eines Sechs-Punkte-Polsters auf die direkten Abstiegsplätze geht daher nun schon vor dem dritten Spieltag am Sonntagabend der bange Blick nach unten, das Horrorszenario eines erstmaligen Abstiegs in die Zweitklassigkeit scheint nicht gänzlich ausgeschlossen.
Dabei war man in der Champions League nur einen Punkt an den Playoffs vorbeigeschrammt. International hui, national pfui – daran ändert auch Moukoko nichts. Mit Vorschusslorbeeren aus Dortmund gekommen, muss er jetzt an der Seite seines Teamkollegen aus BVB-Zeiten, Thomas Delaney, dringend den Turnaround schaffen.
Aarón Anselmino
Besonders ins Mark getroffen hat die BVB-Fans die Transferposse um Leihspieler Aarón Anselmino. In Dortmunder Kreisen beliebt und mit guten Leistungen auf dem aufstrebenden Ast, beorderte der FC Chelsea seinen Verteidiger im Winter kurzerhand zurück an die Stamford Bridge – nur, um ihn kurz darauf weiter an Racing Straßburg in die Ligue 1 zu verleihen.
Seitdem ist der Argentinier jedoch vom Pech verfolgt: Nur zwei Einsatzminuten stehen beim Linksfuß zu Buche, ein Pferdekuss und eine Oberschenkelverletzung setzten ihn lange außer Gefecht. Im Sommer endet die Leihe und er soll endgültig zu den Blues zurückkehren.
Marcel Lotka
Der Deutsch-Pole Marcel Lotka schloss sich vor der Saison ablösefrei dem Zweitligisten Fortuna Düsseldorf an. Im März durfte der Ex-Borusse seine ersten Einsätze feiern, blieb in einer Partie gar ohne Gegentor.
Hinter Kapitän Florian Kastenmeier ist er dennoch die klare Nummer zwei im Fortuna-Tor.
Leihen
Derzeit hat Borussia Dortmund drei Spieler innerhalb Deutschlands verliehen: Während sich Mittelfeldspieler Kjell Wätjen beim VfL Bochum unter Coach Uwe Rösler regelmäßig auf Zweitliga-Niveau beweisen darf, sammelt der Deutsch-Kosovare Diant Ramaj beim 1. FC Heidenheim Erstliga-Erfahrung. Auch er wird den Abstieg des Schlusslichts aber wohl nicht verhindern können.
Rechtsaußen Cole Campbell tut sich derweil beim Champions-League-Aspiranten aus Sinsheim schwer, hatte zu Beginn des Jahres mit Sprunggelenksproblemen zu kämpfen und muss sich vorwiegend in der Dritten Liga beweisen.