Trainerin Friederike Kromp vom Frauen-Bundesligisten Werder Bremen sieht in der Beförderung Marie-Louise Etas zur ersten Cheftrainerin in der Männer-Bundesliga einen Durchbruch.
„Für mich ist das der Startschuss“, sagte Kromp bei t-online: „Ich habe immer mal wieder mit verschiedenen Vereinsverantwortlichen gesprochen und weiß, dass bei vielen Klubs der Wille da ist, Frauen in diese Position zu setzen. Jetzt ist die richtige Frau am richtigen Ort.“
Die 34 Jahre alte Eta, die am Samstag beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg erstmals Union Berlin hauptverantwortlich betreut, ist zunächst nur als Cheftrainerin bis Saisonende vorgesehen und soll danach die Union-Frauen übernehmen.
„Ich kann mir vorstellen, dass sie bei den Herren weitermacht, wenn sie die Chance dazu bekommt“, sagt Kromp: „Es ist auch richtig, das offenzulassen. Am Ende muss es schließlich um die Qualität gehen.“
Kromp wünscht sich Unterstützung von Kompany und Kroos für Eta
Rund um die Beförderung von Eta hatte es im Internet zahlreiche Hasskommentare gegeben. „Solche Kommentare überraschen mich leider nicht. Es ist unsäglich und peinlich. Ich hoffe, dass es sich wieder legt – und trotzdem muss der Verein mit weiteren Kommentaren rechnen, wenn es die erste Niederlage gibt“, erklärte Kromp.
Sie hoffe, dass Eta dann Rückendeckung bekomme, auch von prominenten männlichen Personen aus dem Fußball: „Dann ist nicht nur Union gefordert, dann sind auch der DFB, die DFL und weitere Protagonisten gefragt. Es hat ein anderes Gewicht, wenn sich Persönlichkeiten wie Vincent Kompany, Toni Kroos oder Robin Gosens äußern.“
Sollte es im Stadion zu möglichen Diskriminierungen kommen, müssten die Schiedsrichter eingreifen. Dafür sollten alle Unparteiischen nochmal für den Dreistufenplan gegen diskriminierende Aktionen sensibilisiert werden.
„Es ist gut, dass sie mit einem Heimspiel starten, aber man muss trotzdem mit Reaktionen rechnen. Vorab kann man nicht alles verhindern. Umso besser wäre es, wenn die Schiedsrichter und die Leute im Stadion vorbereitet werden“, sagte Kromp.
Kromp glaubt an weitere Trainerinnen im Herrenbereich
Die 41-Jährige, die auch als ZDF-Expertin im Einsatz ist, sieht eine weitere Kandidatin für höhere Aufgaben im Männer-Fußball. „Sabrina Wittmann macht es bei Ingolstadt (Anm. d. Red.: Männer-Drittligist) sehr gut, ist dort in der dritten Saison. Das spricht für ihre Arbeit. Ich traue ihr einen Posten in der ersten oder zweiten Liga genauso zu. Bei den nächsten vakanten Trainerpositionen könnte sie auf der Liste stehen“, sagt Kromp.
Sie selbst habe derzeit keine Ambitionen auf einen Umstieg: „Nein, es ist kein konkretes Ziel von mir. Dafür bin ich mit dem, was ich mache, zu glücklich. Ich würde es mir aber zutrauen, die dafür notwendige Lizenz und die Ausbildung dafür habe ich schließlich.“
— mit Sport-Informations-Dienst (SID)