Leon Goretzka war nach Abpfiff sichtlich erleichtert, von Harry Kane gab es ein Sonderlob und eine herzliche Umarmung. Auch Konrad Laimer klatschte nochmal mit ihm ab, dann ging es zu den mitgereisten Bayern-Fans.

Anschließend bekam Goretzka den Ball gereicht, mit dem er beim 5:0-Sieg gegen St. Pauli das zwischenzeitliche 2:0 für den FC Bayern erzielt hatte (53.), gleichbedeutend mit dem 102. Saisontor der Münchner und einem neuen Bundesliga-Rekord.

Leon Goretzka feiert den Sieg mit den Fans
Leon Goretzka feiert den Sieg mit den FansLeon Goretzka feiert den Sieg mit den Fans© IMAGO/Jan Huebner

Goretzka wird den FC Bayern verlassen

Goretzka strahlte übers ganze Gesicht, küsste jenen Ball und reckte ihn in die Höhe. Fast schon kitschig, dass ausgerechnet Goretzka dieses Tor erzielen sollte – schließlich wird er den FC Bayern im Sommer nach acht Jahren verlassen.

„Der Ball wurde mir auf dem Feld in die Hand gedrückt. Ich hatte das gar nicht auf dem Schirm und musste mir erklären lassen, was das für ein Rekord ist. Es ist eine schöne Sache und sie spiegelt wider, was wir für eine außergewöhnliche Saison spielen“, erzählte der gebürtige Bochumer in der Mixed Zone.

In der Kabine habe er dann eine Rede halten müssen. „Die habe ich kurz gehalten und mich bei Harry (Kane, Anm. d. Red.) bedankt, der das zusammen mit Michael (Olise, Anm. d. Red.) und Lucho (Luis Díaz) in erster Linie möglich gemacht hat“, fuhr Goretzka fort.

Besagtes Trio hat in der laufenden Bundesliga-Saison bereits 58 Tore erzielt, Kane ragt dabei mit 31 Treffern heraus. Das Rekordtor sollte allerdings Goretzka erzielen. „Mir bedeutet es (der Treffer, Anm. d. Red.) nicht viel. Ich habe mich mal mit dem schnellsten Eigentor in der Bundesliga in die Geschichtsbücher eingetragen. Von daher ist es eine ganz gute Korrektur, dort mit einem anderen Rekord zu erscheinen“, war Goretzka doch etwas erleichtert.

Eberl: „Schön, dass er ihn gebrochen hat“

Bei den anwesenden Reportern war Goretzka im Nachgang der gefragteste Mann. Selbst Sportvorstand Max Eberl hatte zunächst noch nicht die Gelegenheit gehabt, mit ihm zu sprechen. „Er wird von einem zum anderen gereicht, weil er den Rekord gebrochen hat. Aber es ist schön, dass er ihn gebrochen hat. Und das ist genau die Geschichte, die wir haben als Gruppe, zusammenzustehen“, sagte Eberl.

Im Sommer widmet sich Goretzka dann einem neuen Verein und einer neuen Herausforderung, sein Vertrag beim deutschen Rekordmeister wird nicht verlängert. In München ist man froh, dass man zumindest bis Saisonende auf Goretzka zählen kann. „Er hat sich im Winter entschieden zu bleiben – sehr richtig und sehr glücklich für uns – jetzt hat er den Torrekord gebrochen, Jamal (Musiala, Anm. d. Red.) hat ihn eingestellt. Dementsprechend ist es wunderschön für ihn und wir wollen weiter machen“, gab sich Eberl zufrieden.

Auch Goretzka selbst richtete den Blick nach vorne und machte deutlich, dass sein Fokus voll und ganz auf dem restlichen Saisonverlauf mit den Bayern liegt. Schaulaufen? Fehlanzeige! Schließlich scheint sogar das Triple möglich, zumindest die Meisterschaft ist den Münchnern nur noch rechnerisch zu nehmen.

Goretzka meldet Startelfambitionen an

Für das wegweisende Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Real Madrid (Mittwoch, 21 Uhr im LIVETICKER) meldete Goretzka im Sky-Interview Startelfambitionen an: „Klar. Ich habe immer den Anspruch von Anfang zu spielen.“

Den Vorzug wird neben Joshua Kimmich auf der Doppelsechs aber wohl Aleksandar Pavlovic bekommen, der gegen St. Pauli geschont wurde. „Man muss auch ehrlich sein. Ich glaube, der Pavlo hat sich heute ein bisschen ausgeruht, der wird unter der Woche wieder frisch sein“, erklärte der Nationalspieler.

Wie so oft, stellt sich Goretzka in den Dienst der Mannschaft. „Trotzdem glaube ich fest daran – so wie jeder in unserer Mannschaft – dass ich meinen Teil erledigen muss. Das kann auch mal eine halbe Stunde am Ende sein, oder womöglich eine Verlängerung. Wir werden alle an dem Tag bereit sein“, blickte der 31-Jährige voraus.

Es zeichnet ihn aus, dass er auch nach schwierigen Kapiteln in München immer noch alles für den Verein gibt. „Ich nehme ihn sehr positiv und aufgeräumt wahr. (…) Er ist mit seinem Mindset ein Vorbild für viele Spieler und Personen da draußen, dass es sich immer lohnt, für seine Chance zu kämpfen. Das lebt er vor und deswegen freue ich mich für ihn“, adelte Kimmich seinen Teamkollegen.

Kompany: „Typisch Leon“

Auch Trainer Vincent Kompany brachte seine Freude zum Ausdruck: „Ich habe es der Mannschaft gesagt, wenn ein Spieler an seine Momente glaubt, dann ist es Leon.“ Und dass ausgerechnet er den Rekord brechen sollte, sei „typisch Leon – weil er immer an seine Momente glaubt“.

„Die letzten zwei Jahre hätten ihn mitnehmen können, aber er hat nicht aufgegeben“, meinte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Besonders unter Ex-Trainer Thomas Tuchel hatte es Goretzka nicht immer einfach. Und auch unter Kompany spielte Goretzka meist eine untergeordnete Rolle, komplett außen vor war er jedoch nie.

„Er hat an sich geglaubt, danach haben auch andere an ihn geglaubt, weil er mit Leistung überzeugt hat. Mich hat es auch besonders gefreut, dass Leon heute dieses Rekordtor für den FC Bayern geschossen hat“, meinte Matthäus. Am meisten dürfte sich jedoch Goretzka selbst gefreut haben.

Manuel Neuer brachte es im ZDF auf den Punkt: „Ich werde ihn vermissen, wenn ich weitermache.“