Nach gerade einmal 40 Minuten kullerten die ersten großen Tränen. Präsident Rainer Bonhof stockte mehrmals der Atem, rang nach Luft und Worten. Verantwortlich für seinen Gefühlsausbruch ist die angespannte sportliche Situation, die an der Vereinslegende von Borussia Mönchengladbach nicht spurlos vorbeigeht.

Besonders in Erinnerung blieb dem 74-Jährigen das 3:3 beim Erzrivalen aus Köln Mitte März. Der FC erzielte kurz vor Schluss durch Eric Martel noch den Ausgleich (84.). Bonhof erzählte, wie er danach in Richtung der eigenen Fans blickte und sich dachte: „Für die lohnt es sich, nicht abzusteigen“, sagte er mit zittriger Stimme. Die etwas mehr als 1600 anwesenden Mitglieder spendeten ihm Applaus.

Rainer Bonhof vergoss bei der Mitgliederversammlung von Borussia Mönchengladbach bittere Tränen
Rainer Bonhof vergoss bei der Mitgliederversammlung von Borussia Mönchengladbach bittere TränenRainer Bonhof vergoss bei der Mitgliederversammlung von Borussia Mönchengladbach bittere Tränen© IMAGO/fohlenfoto

In seiner Rede sprach Bonhof von einem „Scheißjahr“ für den fünfmaligen deutschen Meister. „Ich hatte gedacht, wir sind stabiler, das ist leider nicht eingetreten. Wir sind alle den Leidensweg mitgegangen“, sagte der Weltmeister von 1974.

Gladbach-Fans bangen um die Zukunft des Klubs

Die Jahreshauptversammlung der Fohlen ist mit großer Spannung erwartet worden. Denn unter dem Gladbacher Anhang brodelt es gewaltig.

Viele befürchten den schrittweisen Abstieg des Vereins und die Zweitklassigkeit. Aktuell stehen die Fohlen auf dem elften Rang, sechs Punkte vor dem Relegationsplatz.

Bonhof führt die Borussia seit 2024 an, Wahlen standen auf der Versammlung nicht an. Auf die Frage, ob er 2027 noch einmal antritt, sagte er: „Es ist so, dass ich bis jetzt im Kopf habe, noch einmal den Finger zu heben. Ich denke aber, dass ich die 250-Jahr-Feier von Borussia Mönchengladbach nicht mehr erleben werde.“

Flugblätter vor Mitgliederversammlung

Bereits im Vorfeld der Mitgliederversammlung verteilten Mitglieder der aktiven Fanszene Flugblätter. Inhalt: die Forderung, dass das Präsidium im Sommer aus eigenen Stücken Platz für Veränderungen macht.

„Borussia Mönchengladbach hat keine Zeit mehr zu verschwenden, auch nicht bis zum Ende der aktuellen Präsidiumslegislatur 2027“, hieß es auf den Flyern: „Im Sommer sollten die Weichen gestellt werden, um unseren Verein an der Spitze für die Zukunft aufzustellen. Wir hoffen sehr, dass das Präsidium, mit seinen verdienten und auf persönlicher Ebene von uns geschätzten Persönlichkeiten, den Weg für eine solche Neu-Aufstellung frei macht.“

Fans sprechen sich für Sportchef Schröder aus

Dem Sportchef Rouven Schröder wurde dagegen klar das Vertrauen ausgesprochen. Am Montagabend bekam er viel Applaus. „Wir brauchen ein richtig gutes Transferfenster. Für mich ist ein Wort wichtig: Mut. Wir brauchen Mut zu Veränderung“, sagte Schröder. Gleichzeitig sei es seine Aufgabe, die Kaderkosten zu senken, ohne an Qualität einzubüßen.

Auch der in der Kritik stehende Trainer Eugen Polanski saß am Montag auf dem Podium im Borussia-Park.

Er gab sich kämpferisch und blickte bereits Richtung der kommenden Saison: „Wir haben eine gute Fußball-Mannschaft, haben gute Charaktere. Aber tatsächlich fehlt mir ein bisschen die Gier auf Erfolg. Wir haben sehr liebe Charaktere, wir brauchen ein paar Arschlöcher in der Mannschaft, um Spiele zu gewinnen. Ich bin voller Tatendrang, gewisse Dinge zu ändern, so wie ich sie haben will.“