Kein Bekenntnis zum Trainer, der Job des angezählten Trainers Lukas Kwasniok hängt am seidenen Faden. Im spektakulären 100. Rheinderby des 1. FC Köln gegen den Erzrivalen Borussia Mönchengladbach kam Kwasniok mit dem Effzeh nicht über ein 3:3 (2:2) hinaus und wartet seit nunmehr sieben Spielen auf einen Sieg.
Thomas Kessler, Geschäftsführer Sport in Köln, vermied nach Abpfiff auf mehrmalige explizite Nachfrage ein Bekenntnis zum Trainer – sowohl im TV als auch im Gespräch mit den Reportern hinter den Kulissen.
„Wir setzen uns Woche für Woche mit dem Thema auseinander“, so Kessler: „Wir werden uns unsere Gedanken machen. Es ist wichtig rational auf die Dinge zu schauen. (…) Die Situation wird enger für uns. Deswegen werden wir uns Gedanken machen, welche Stellschrauben wir jetzt drehen können.“ Kessler hob hervor, mit dem Punktgewinn nicht zufrieden zu sein: „Die Erwartungen waren klar drei. Und wir werden uns da jetzt Gedanken machen. Ich werde eine Nacht drüber schlafen.“
In den lokalen Kölner Medien werden schon Nachfolge-Varianten diskutiert: Der Express nennt Co-Trainer Rene Wagner und U19-Coach Stefan Ruthenbeck als potenzielle Übergangsnachfolger – und Dino Toppmöller als mögliche Lösung für die kommende Saison. In der Kölnischen Rundschau wird erwähnt, dass der frühere Bochum- und Salzburg-Coach Thomas Letsch am Samstag im Stadion war.
„Kann Kwasniok noch den Turnaround schaffen?“
Lukas Kwasniok mit Plädoyer in eigener Sache
Kwasniok selbst gab sich kämpferisch. „Solange ich diese Power noch hab, muss erstmal einer kommen, der mehr hat“, sagte er bei DAZN. „Ich weiß, dass man dann dazu neigt, Trainer gerne zu tauschen, egal wo auf dieser Welt. Aber ich glaube, dass vor allem die Mannschaften auf Dauer erfolgreich geworden sind, die einen anderen Weg gehen“, meinte der 44-Jährige.
Auch bei der Pressekonferenz hielt Kwasniok ein selbstbewusstes Plädoyer in eigener Sache: „Ich werde um diesen verdammten Job hier kämpfen, mit allem, was ich habe. Weil ich der absoluten Überzeugung bin: Ich bin der richtige Mann am richtigen Ort“, sagte der angezählte Trainer und versicherte, dass er weiter die Rückendeckung der Verantwortlichen spüre.
„Sie wissen um meine Qualität und ich weiß um den tollen Job, den ich habe“, sagte Kwasniok und bestätigte ein anstehendes Gespräch am Sonntag. „Ich kann nur sagen: Musst erstmal einen finden, der mehr Überzeugung in sich trägt. Und das spüre ich bei der Mannschaft, wir sind ein Team, zu 100 Prozent.“
Auch die Signale, dass Kessler auf Distanz zu ihm geht, bürstete Kwasniok ab – in einer Weise, die an Realitätsverlust grenzte: Auf Kesslers Aussagen angesprochen, wollte Kwasniok von mangelnder Rückendeckung nichts wissen.
Er stellte infrage, ob Kessler „etwas anderes in den vergangenen Wochen und Monaten gesagt hat, wenn er darauf angesprochen wurde“. Tatsächlich hatte Kessler Kwasniok in der Vergangenheit sehr wohl explizite Weiterbeschäftigungs-Garantien über den Tag hinaus gegeben – diesmal nicht.
Hamann mit Rückendeckung für Kwasniok
Sky-Experte Dietmar Hamann sprach sich gleichwohl für einen Verbleib Kwasnioks aus. „Ich glaube, es wäre unheimlich hart, jetzt Schluss zu machen. (…) Ich hoffe, dass er in zwei Wochen noch da ist.“ Auch sein Kollege Lothar Matthäus sprach sich für ein Festhalten an Kwasniok aus.
Für den Sonntag wäre um 10.30 Uhr eigentlich ein Training angesetzt worden, das Köln nun allerdings abgesagt hat. Ein Zusammenhang zur Diskussion um Kwasniok besteht angeblich nicht.
Das womöglich entscheidende Argument für Kwasniok: Said El Mala (4.), Ragnar Ache (7.) und Eric Martel (84.) sicherten den aufopferungsvoll kämpfenden Kölnern zumindest noch einen Punkt. Gerade in der Schlussphase wurde es nochmal richtig spektakulär. Nur zwei Minuten nach seinem vielumjubelten Ausgleich sah Martel nach seinem Ausgleichstor wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte (86.). Martel und Kwasniok reagierten erbost und sprachen von einer Fehlentscheidung.
So erklärt Kwasniok seinen Schiedsrichter-Frust
Jens Castrop (1./60.) hatte die Gäste von Trainer Eugen Polanski zweimal in Führung gebracht, zudem traf Philipp Sander (20.). Der Vorsprung der Kölner auf den Relegationsplatz beträgt vorerst zwei Punkte, Gladbach hat weiter drei Punkte mehr auf dem Konto.
—– mit Sport-Informations-Dienst (SID)