Der FC Bayern München als ewiger Meister der Bundesliga: Viele Fans des deutschen Fußballs sehnen sich seit Jahren nach mehr Spannung im Kampf um den Titel. Ein vermeintlicher Lösungsansatz, der hierbei regelmäßig angebracht wird, ist die Abschaffung der 50+1-Regel. Eine Idee, die in der Vergangenheit regelmäßig für große Fanproteste sorgte und besonders bei traditionellen Fans auf Kritik stößt.

Als erfolgreicher Manager und Investor sieht Marcus Höfl das Ende von 50+1 jedoch als zentrale Maßnahme für mehr sportlichen Wettkampf.

Die Ultras der Bundesliga setzen sich regelmäßig für den Erhalt der 50+1-Regel ein
Die Ultras der Bundesliga setzen sich regelmäßig für den Erhalt der 50+1-Regel einDie Ultras der Bundesliga setzen sich regelmäßig für den Erhalt der 50+1-Regel ein© IMAGO/Ulmer

„50+1 sofort weg! Ich glaube, das hat auch der amerikanische Sport bewiesen“, fordert Höfl, zu dessen Klienten große Konzerne wie die Orlando Magic, die MLS oder Red Bull zählen, im SPORT1-Podcast Deep Dive.

Angst vor Investoren? „Kein Beispiel, das dieses Klischee berechtigt“

Die Angst davor, dass ein Investor kommen könnte und einen Verein ausnutzt, diesen zugrunde richtet und sich bereichert, sei völlig unbegründet, meint Höfl. „Das hat es im gesamten amerikanischen Sport nicht einmal gegeben. Und das gibt es am ehesten überhaupt bei uns, wo die Dinge so halb geklärt werden“, fügt er an und verweist auf das Beispiel 1860 München.

Weiter erklärt er: „Ich sehe einfach in den Ländern, in denen es anders umgesetzt wird, kein Beispiel, das irgendwie zu diesem Klischee berechtigt.“

Sportmanager Marcus Höfl fordert eine Abschaffung der 50+1-Regel
Sportmanager Marcus Höfl fordert eine Abschaffung der 50+1-RegelSportmanager Marcus Höfl fordert eine Abschaffung der 50+1-Regel© IMAGO/Hartenfelser

Während in Deutschland weiterhin eine romantisch verklärte Sichtweise vorherrsche, bei der nur wenige Vereine kein Minus erwirtschaften, sei das System in den USA mit seinen Eigentümern und Investoren „einfach ein besseres, das letztlich alle partizipieren lässt und auch zu mehr Wettbewerb führt“.

Höfl: „Der Fan bekommt nicht, was er verdient“

„Das ist ja mein Hauptpunkt. Das System, das wir jetzt haben, führt ja nicht wirklich zu Wettbewerb, sondern die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer“, kritisierte Höfl.

Dabei blickte er vor allem auf die sportlichen Ergebnisse in den europäischen Top-Ligen. „Letztlich hat man dann in jeder Liga ein bis drei Klubs, die Meister werden können. Bei uns wird halt Bayern Meister und alle elf Jahre vielleicht einmal Leverkusen oder mal Dortmund“, sagte Höfl: „In Frankreich wird es immer Paris, in Spanien wird es immer Barcelona oder Real Madrid und in England hast du dann drei oder vier Klubs, die es werden können.“

Der Grund für diese Entwicklung sei das grundsätzliche System in Europa: „Das Einzige, was noch eine gewisse Spannung hat, ist die Champions League. Aber die nationalen Ligen haben nicht dazu geführt, dass der Fan wirklich das bekommt, was er eigentlich verdient hat. Nämlich eine ausgeglichene, spannende Saison, in der jeder jeden schlagen kann.“

Traditionsfans? „Da sehe ich eine gewisse Doppelmoral“

Neben seiner Kritik an der 50+1-Regel, die eine Stimmmehrheit für Kapitalanleger verhindern soll, erhebt Höfl auch einen Vorwurf an die Adresse der Traditionsfans.

„Für mich ist das Wichtigste, dass wir Wettbewerb haben, dass wir möglichst Chancengleichheit haben und wir auch akzeptieren, dass Fußball professionelle Strukturen braucht“, erklärt Höfl: „Wir befinden uns in Umsatzgrößen, die nicht mehr als eingetragene Vereine geführt werden können. Da sehe ich eine gewisse Doppelmoral. Den Fans geht es mehr um Mitsprache als unbedingt um das Wohl ihres Klubs.“