Die Premiere der VAR-Revolution in der Bundesliga ließ am Samstag noch auf sich warten – am Sonntag war es dann so weit: Schiedsrichter Robin Braun erklärte im Spiel zwischen Leverkusen und Hoffenheim einen VAR-Check mit einer Lautsprecherdurchsage den Zuschauern.
Referee Florian Exner machte zuvor keinen Hehl aus seiner Erleichterung, dass er bei seinem Spiel am Samstag zwischen dem FC Bayern und Holstein Kiel nicht für diese Premiere hatte sorgen müssen.
„Es ist nett, dass ihr direkt mit einer Fehlentscheidung gerechnet habt“, sagte Exner schmunzelnd im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1. „Ich bin ehrlicherweise ganz froh, dass es nicht dazu gekommen ist. Es hat sich gestern nicht ergeben.“
Worum geht es genaus? Die DFL hat in ausgewählten Stadien der Bundesliga und zweiten Liga einen Testlauf gestartet, bei dem Schiedsrichter den Zuschauern die Entscheidungen des VAR über die Stadionlautsprecher erklären sollen. Die Partie FC Bayern gegen Holstein Kiel (4:3) war Teil dieses Testlaufs, doch ein VAR-Eingriff, der auch hätte kommuniziert werden sollen, blieb aus.
VAR-Revolution? Bobic scherzt
Fredi Bobic scherzte über die ausgebliebene Premiere. „Hast du was gemerkt? Schiedsrichter haben keinen Fehler gemacht, weil sie was sagen müssen“, sagte Bobic mit einem Augenzwinkern. „Das war natürlich scherzhaft gemeint.“
Generell sieht Exner die Neuerung mit gemischten Gefühlen. „Es ist ein Misch-Ding. Man ist schon ein bisschen kritisch. Es ist etwas Neues, da ist es normal, dass man ein bisschen kritisch ist“, erklärte der 34-Jährige, der seit der vergangenen Saison in der Bundesliga im Einsatz ist.
„Es kostet ein bisschen Konzentration, auch in der Vorbereitung“, ergänzte Exner. „Ich muss rausgehen zum Monitor und habe einen Fehler gemacht, muss mir die Szenen noch mal angucken mit einem Puls von 160. Danach dann auch noch diese Durchsage fehlerfrei zu machen, ist ein zusätzlicher Aspekt.“
Exner: „Für Zuschauer eine hilfreiche Sache“
Zugleich unterstrich der Referee auch den positiven Grundgedanken dahinter: „Aber wir wollen ja alle Transparenz und ich glaube auch, dass das für die Zuschauer eine hilfreiche Sache für die Zukunft ist.“
Um mehr Transparenz zu schaffen, werden künftig Schiedsrichter-Durchsagen nach VAR-Eingriffen in ausgewählten Stadien erklingen. SPORT1 erklärt, wie und wann die Durchsagen zu hören sein werden.
Im Rahmen des aktuellen Testlaufs werden Entscheidungen allerdings nicht detaillierter begründet, führte Exner weiter aus. „Es wird gesagt, es gibt einen Strafstoß aufgrund eines Foulspiels. Aber es kommt jetzt keine Erklärung, Spieler tritt ihn auf den Fuß.“
Wehlmann: „Ähnlich wie ein Robocop“
Kiels Geschäftsführer Sport Carsten Wehlmann brach im Doppelpass eine Lanze für die Unparteiischen. „Letztendlich weiß ich, wie schwer das für ein Schiedsrichter ist. Wir waren selbst mal im Keller und haben das miterleben dürfen, wie schwer das ist, das zu checken. Und auf dem Platz auch, wenn man sieht, wie viele Knöpfe sie mittlerweile mit sich herumtragen, das ist ähnlich wie ein Robocop“, sagte der 52-Jährige.
Trotz allem wünsche man sich, dass klare Entscheidungen getroffen werden, fügte Wehlmann hinzu: „Ich bin ein Freund des VAR. Es sollten richtige Entscheidungen entstehen. Dass immer mal Fehler passieren, weil Menschen da dransitzen, ist auch klar.“