In der 12. Spielminute grätschte Nico Schlotterbeck Jamal Musiala den Ball ab, sprang auf, ballte die Faust und schrie seine Gefühlswallung in Richtung Haupttribüne. Doch der emotionalste Moment an diesem Tag war für den BVB-Kapitän (Can gesperrt, Brandt verletzt) schon vorher.
„Ich war extrem nervös vor dem Spiel. Ich habe den BVB mit 24 angeführt, das ist nicht selbstverständlich“, erklärte der Innenverteidiger nach dem 1:1 im Signal Iduna Park stolz: „Ich bin jetzt in meinem dritten Jahr hier, das ist unglaublich. Hätte mir das jemand vor zwei Jahren gesagt, als ich hierhergekommen bin, hätte ich gefragt, ob sie verrückt sind.“
BVB-Kapitän Schlotterbeck ist konstant wie nie
Schlotterbeck überzeugte gegen die Bayern in beeindruckender Manier (SPORT1-Note: 1,5). Hinten ließ er kaum etwas anbrennen. Nur Jamal Musiala musste er einmal an sich vorbeiziehen lassen, störte dann aber noch so entscheidend, dass der Münchner den Ball nur noch auf Müller ablegen konnte und nicht selbst abschloss.
Der 24-Jährige spielt seit Wochen auf einem stabil hohen Niveau. Genau diese Konstanz wurden ihm zuvor immer wieder abgesprochen. Doch extreme Ausreißer nach unten, wie Schlotterbeck sie in der Vergangenheit immer hatte, gibt es aktuell kaum mehr. Auch deshalb sieht Bundestrainer Julian Nagelsmann in ihm eines der zukünftigen Gesichter der DFB-Elf.
„Schlotti spielt die letzten Wochen schon sehr sehr gut und hat heute wie ein Käpt´n gespielt. […] Er kennt seine Qualitäten, ich kenne seine Qualitäten. Ich bin sehr glücklich, dass der Trend auch bei ihm jetzt richtig stabil wird und es nach oben geht“, lobte Sahin auf der Pressekonferenz nach dem Spiel auf SPORT1-Nachfrage.
Als der BVB-Coach über die Entwicklung seines Verteidigers sprach, grinste er über beiden Ohren und meinte weiter: „Ich bin sehr sehr zufrieden mit Schlotti und es ist schön, diesen Prozess mitzugehen.“
Schlotterbeck glänzt auch offensiv
Defensiv makellos, offensiv immer wieder mit starken Aktionen: Schlotterbeck überzeugt in etwas neuer Rolle. Denn sowohl gegen die Bayern als auch in Zagreb bereitete er mit Steilpässen, mit denen er die Ketten überspielte, Treffer vor.
Auffällig ist zudem, dass Schlotterbeck unter Trainer Nuri Sahin sehr intensiv am Spielaufbau beteiligt ist und enorm viele Bälle vertikal in die Spitze spielt.
Nico Schlotterbeck führte den BVB in Vertretung des gesperrten Emre Can den BVB als Kapitän aufs Feld.
Zudem wagt er sich, wenn er genügend Raum hat, immer wieder nach vorne. Gegen Bayern ließ er beispielsweise Müller mit einer Körpertäuschung aussteigen und trieb den Ball bis in die Gefahrenzone, wo er Sabitzer bediente. Neuer spritzte im allerletzten Moment dazwischen.
Schlotterbeck beweist Leader-Qualitäten
Trotz anfänglicher Nervosität, die er vor Anpfiff verspürte, schien ihm die Rolle mit der Binde am Arm zu gefallen. Denn auch emotional riss er die Mannschaft immer wieder mit.
„Er wächst auch in seiner neuen Rolle als Führungsspieler“, so Sahin. Sport-Geschäftsführer Lars Ricken erklärte: „Das sind ja auch die Spieler, die wir im Zuge unserer Weiterentwicklung im Sommer im Kader gemacht haben. Dass solche Spieler wie er, wie Greg [Kobel; Anm. d. Red], wie Brandt, Sabitzer auch mehr Raum für Verantwortung bekommen.“
Auch abseits des Platzes tritt Schlotterbeck wie ein Anführer auf. Obwohl er überhaupt kein Fan davon ist und es normalerweise immer scheut, stellte er sich in den letzten Wochen auffällig oft den Fragen der Medien und beantwortete diese geduldig.
Noch ist er in der Rangfolge nur Kapitän Nummer drei. Doch seine Entwicklung ist beste Werbung dafür, der BVB-Kapitän der Zukunft zu werden.