Minjae Kim ist im vergangenen Sommer mit dem Anspruch zum FC Bayern gewechselt, dem Rekordmeister als Stammspieler in der Verteidigung zu weiteren Titeln zu verhelfen. Nun gab er Einblicke in seine Gefühlswelt, nachdem er genau diese Rolle als gesetzter Spieler kürzlich abtreten musste.

„Bisher habe ich viele Spiele gespielt, aber weil es hier bei Bayern so viele gute Spieler gibt, kann es eben auch passieren, dass ich mal nicht spiele“, äußerte sich Kim nach dem 8:1-Sieg der Bayern gegen Mainz pragmatisch gegenüber t-online und dem koreanischen Portal Footballist.

Vom Abwehrstar in Neapel zum Ersatzspieler bei den Bayern

Eine Situation, die im letzten Jahr beim SSC Neapel nur schwer vorstellbar gewesen wäre. Vor seinem Wechsel in die Bundesliga mischte der Südkoreaner die Serie A auf. In Italien war Kim, der bei den Bayern den Spitznamen „Monster“ trägt, der beste Abwehrspieler der Liga.

Auch früher in seiner Karriere war er bei Klubs wie Fenerbahçe Istanbul und Beijing Guoan kaum aus der ersten Elf wegzudenken.

Beim deutschen Rekordmeister verfolgte der 27-Jährige die letzten Spiele überwiegend von der Bank aus, darunter auch das Champions-League-Rückspiel gegen Lazio und das Ligaspiel gegen Mainz. Das Schicksal, nur noch als Einwechselspieler zu fungieren, teilt er aktuell mit seinem Verteidiger-Kollegen Dayot Upamecano. Bei Thomas Tuchel sind inzwischen Eric Dier und Matthijs de Ligt als Stammduo gesetzt.

De Ligt und Dier: Das neue Traum-Duo

„Sie gewinnen Spiele, funktionieren gut miteinander und auch mit den Außenverteidigern und Sechsern. Die Kommunikation zwischen den beiden ist sehr gut“, sagte Tuchel auf der Abschlusspressekonferenz vor der Reise nach Darmstadt.

Der Cheftrainer gab sich aber auch empathisch angesichts der Situation seines ehemals gesetzten Verteidigers: „Für Minjae ist es extrem hart gerade, weil er es eigentlich auch verdient hat zu spielen und herausragend gut ist. So ist es aber manchmal.“

n

HERE SHOULD BE OZ VIDEO – EMBED IT AGAIN WITH VIDEO ID: 2864d2da-1e62-43b1-9803-df2aaca41858
nCAPTION: Müller und de Ligt: Plötzlich Bayerns Unterschiedsspieler?
nDESCRIPTION: Im Champions-League-Achtelfinale besorgen der Verteidiger und der Stürmer gemeinsam einen Treffer für den FC Bayern. Ausdruck einer starken Phase der beiden nach holprigem Saisonverlauf.

n

Kim selbst stellte klar, dass sich die aktuelle Situation nicht an seinem Selbstvertrauen nage: „Nur weil ich nicht spiele, bedeutet das nicht, dass ich komplett aus der Bahn geworfen werde. Ich habe immer Vertrauen in meine Fähigkeiten, wenn ich auf den Platz gehe.“

„Habe gedacht, dass ich nicht gut genug war“

Dass dies nicht immer so war, wird im Rahmen des Interviews allerdings durch eine andere erstaunliche Aussage klar.

„Früher habe ich oft immer auf dem Platz gestanden, obwohl ich gedacht habe, dass ich nicht gut genug war“, verriet der Verteidiger und ergänzte: „Jetzt denke ich, dass ich, ob ich gut spiele oder nicht, je nach Leistung der Mannschaft und meiner Mannschaftskollegen schon aussortiert werden könnte.“

Trotz der für ihn ungewohnten aktuellen Situation versucht der ruhige Abwehrspieler, positiv zu bleiben. „Ich habe das noch nie erlebt, aber ich denke, dass ich etwas daraus lernen kann“, gibt sich Kim kämpferisch. „Ich bin nicht besonders unzufrieden und trainiere wie immer hart weiter.“

Kim sucht Spielpraxis woanders

Die Chancen, dass sich Kim in den kommenden Wochen wieder als Stammspieler etablieren kann, stehen trotz harter Arbeit nicht allzu gut. „Es gibt derzeit wenig Grund, zu wechseln“, stellte Tuchel klar.

Sollte Kim beim Spiel gegen Darmstadt wie erwartet erneut nur wenige Einsatzminuten sammeln, könnte er diese zeitnah zumindest im Nationalmannschaftstrikot aufstocken.

In der anstehenden Länderspielpause steht er, wie schon zu Beginn des Jahres im Rahmen des Asien Cups, wieder für die südkoreanische Nationalelf auf dem Platz. Dort gilt er in der Abwehr als gesetzt.