Felix Magath soll also Hertha BSC vor dem Abstieg in die 2. Bundesliga retten. Es ist der Trainer-Hammer schlechthin.

Außer seiner Frau und Herthas Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic hätte wohl keiner daran geglaubt, dass der 68-Jährige das Amt bei den Berlinern übernimmt. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

„Damit konnte keiner rechnen“, sagt auch Alexander Baumjohann im Gespräch mit SPORT1. Magath hatte ihn 2010 zu Schalke 04 geholt.

„Es gab positive und negative Momente bei uns. Bis kurz vor seinem Rausschmiss waren wir relativ erfolgreich“, erinnert sich Baumjohann, der unter anderem auch für Borussia Mönchengladbach und den FC Bayern auflief.

Heute lebt der 35-Jährige in Sydney, spielte bis vergangene Saison beim Sydney FC: „Magath wurde mit einer ganz jungen Mannschaft Vizemeister und führte uns bis ins Champions-League-Viertelfinale sowie ins Pokalfinale. Rein sportlich war er in der Vergangenheit erfolgreich.“

Kevin Pannewitz war ähnlich überrascht wie Baumjohann. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

„Als mir ein Kumpel schrieb, dass Magath es wird, musste ich erstmal auf den Twitter-Account von der Hertha gehen. Es kam unerwartet, aber wenn es jemand hinkriegen kann, dann Magath. Er weiß genau, was man im Abstiegskampf braucht“, sagt der 30-Jährige im Gespräch mit SPORT1.

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nCAPTION: Kult-Trainer als Comebacker: Diese Coaches können es nicht lassen
nDESCRIPTION: Manche Trainer können es einfach nicht lassen und kehren immer wieder zurück in die Bundesliga. Auch im hohen Alter und obwohl die Karriere eigentlich schon beendet wurde.

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„Hölle in meinem Kopf!“: Abrechnung mit Magath

Seine Worte überraschen. Schließlich sagte der frühere Profi, der mit Magath beim VfL Wolfsburg zusammengearbeitet hatte, im März des vergangenen Jahres noch im SPORT1-Interview, dass Felix Magath „die Hölle in meinem Kopf“ gewesen sei.

Pannewitz erklärte damals: „Natürlich ist er Meister geworden und ist eine Persönlichkeit im Fußball, aber diese Zeit war eine psychische Belastung für mich. Herr Magath hat nie viel mit mir gesprochen. Ich habe immer Vollgas gegeben, aber die Belastung wurde nicht weniger. Irgendwann konnte mein Körper nicht mehr.“

Inzwischen schlägt er gemäßigtere Töne an. „Ich hege keinen Groll mehr gegen Magath“, betont Pannewitz – und ist sogar überzeugt davon, dass Magath der richtige Trainer für die kriselnde Alte Dame ist.

„Für Magath zählen Leidenschaft und die richtige Einstellung – und das kann er vermitteln. Ich habe schon sehr gelitten unter Magath, aber die ersten Gespräche außerhalb des Platzes waren super. Ich habe einige Interviews gelesen, in denen er darüber spricht, dass er etwas anders ist.“

Er glaubt jedenfalls, dass Magath die Hertha hinbekommt. „Er kann einen Spieler von null auf 100 bringen. Mir tun die Hertha-Profis nur leid, wenn sie das machen müssen, was ich damals machen musste.“

Doch er räumt ein: „Das sind gut bezahlte Spieler, sie kriegen nur gerade nichts gebacken. Da muss man auch mal ein bisschen leiden können.“

Ruf als Feuerwehrmann

Magath habe in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass er sich auf verschiedene Situationen einstellen könne. Damit habe er sich in der Bundesliga auch einen Ruf als Feuerwehrmann erarbeitet.

„Daher sehe ich diese Aufgabe als auf mich zugeschnitten an“, sagte Magath am Montag auf der Pressekonferenz.

Dass dieser schon 68 Jahre alt ist, ist für Pannewitz kein Problem. „Magath bringt jetzt nur noch mehr Lebenserfahrung mit. Das ist ein Mann, der in den vergangenen Jahren auch mal über andere Dinge nachdenken konnte.“ Aber jeder, der den Fußball liebe, komme nie davon los: „Ich freue mich für ihn. Magath ist eine Legende auf Beinen. Es gibt keinen Besseren gerade für die Hertha“.

Gespannt ist er auf die Zusammenarbeit von Magath mit Bobic, doch auch hier erwartet er keine größeren Probleme: „Bobic und Magath sind Profis. Mal schauen, wie Magath das hinbekommt. Ich habe gehört, er ist nicht mehr der harte Hund wie früher. Es ist auf jeden Fall eine Wundertüte.“

Hollerbach begrüßt Entscheidung von Bobic

Auch Bernd Hollerbach, aktuell Trainer beim belgischen Fußballverein VV St. Truiden, begrüßt die Entscheidung von Bobic.

„Ich habe gedacht, dass es ein cleverer Schachzug von Fredi Bobic ist, der ganz genau weiß, was er tut. Du brauchst jetzt einen, der schnell analysiert und die richtigen Schlüsse daraus zieht. Das kann Felix Magath. Er ist extrem erfahren und einer, der immer auf die Details achtet. Darauf kommt es jetzt an in den letzten acht Spielen“, sagt Hollerbach im Gespräch mit SPORT1.

Hollerbach, der beim VfL Wolfsburg und bei Schalke 04 Co-Trainer von Magath war und 2009 mit den Wölfen Deutscher Meister wurde, schwärmt von seinem früheren Chef.

„Magath, war, ist und bleibt ein Top-Trainer, der nichts verlernt hat, da sehe ich kein Problem. Und das Alter ist auch keins. Felix Magath ist ein akribischer Arbeiter und ein extrem kluger Kopf, der auch in den vergangenen Jahren immer ganz nah dran war am Fußball.“

Er liebe das Spiel und wolle immer gewinnen. „Zudem hat er keine Angst davor, auch harte Entscheidungen zu treffen, darum geht es jetzt auch.“ (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Hollerbach muss lachen, als er fortfährt: „Wenn jemand einer Mannschaft Beine machen kann, dann Felix Magath. Das hat er oft genug bewiesen, auch in schwierigen Missionen bei verschiedenen Klubs.“

Einen Tipp hat der 52-Jährige auch parat, allerdings nicht für Magath: „Der Zeugwart bei der Hertha sollte direkt ein paar Trikotsätze mehr rauslegen, es wird jetzt definitiv mehr geschwitzt im Training.“

Double mit Magath

Andreas Ottl hatte Magath als Trainer beim FC Bayern und gewann mit ihm 2005 und 2006 das Double. In der Saison 2011/12 spielte er für die Hertha. Der 36-Jährige zeigt sich im Gespräch mit SPORT1 auch überrascht von der Entscheidung.

„Felix Magath war zuletzt eher in einer Management-Position tätig (als Berater für die Würzburger Kickers sowie den FC Admira Wacker Mödling, Anm. d. Red.) und saß schon länger nicht mehr auf dem Trainerstuhl.“

Magath sei aber „ein absoluter Fachmann“ und habe alles gesehen, „was man im Fußball sehen kann und hat Titel gewonnen“. Und er habe „auch schon gegen den Abstieg gespielt“ und bringe „enorme Erfahrung“ mit.

Dies könne der Hertha jetzt richtig guttun. „Die Mannschaft hat auf jeden Fall Qualität. Da gibt es drei Mannschaften, die schlechter sind als die Hertha. Die Wahl für Magath ist keine Philosophie oder für eine Entwicklung. Er soll einfach die Klasse halten. Die Bosse bei der Hertha haben verstanden, um was es jetzt geht beziehungsweise was die Stunde geschlagen hat.“

Ottl ist weit davon entfernt, dass ihm die Hertha-Profis leidtun, denn Magath werde Reize setzen müssen: „Grundsätzlich muss einem kein Fußballer leidtun, wenn er einige Kilometer mehr laufen muss oder einen Hügel rauf muss. Sich zu quälen, gehört zu diesem Beruf dazu.“

Der neue Hertha-Trainer Felix Magath ist für seine harte Hand und geforderte Disziplin bekannt. Dass er dies so erfunden haben soll, weist Magath von sich.

Der neue Hertha-Trainer Felix Magath ist für seine harte Hand und geforderte Disziplin bekannt. Dass er dies so erfunden haben soll, weist Magath von sich.

Ottl: „Da war er topfit“

Auch Ottl hat keine Bedenken ob des Alters von Magath. „Ich habe Felix Magath vor sechs Monaten getroffen, da war er topfit und hat auf mich einen super Eindruck gemacht, er war frisch und munter“, erinnert sich der frühere Bayern-Profi.

„Da spielt das Alter keine Rolle. Magath muss noch nicht in Ruhestand und kann noch das Feuer entfachen. Ich habe die Fantasie, dass es klappen kann mit ihm und der Hertha.“

Ähnlich sieht es Baumjohann. „Das Alter von Magath spielt keine Rolle. Es gibt genug Trainer, die in diesem Alter noch erfolgreich waren, da denke ich nur an Jupp Heynckes. Die Lage von Hertha ist erschreckend, die Erwartungen waren viel größer, vor allem seit dem Einstieg des Investors. Man hat sich schon in anderen Sphären gesehen“, erklärt er.

Er fährt fort: „Jetzt ist Magath der dritte Trainer in dieser Saison und viel Zeit hat man nicht mehr. Ich glaube, dass Magath kurzfristig das Ruder rumreißen kann. Er hat mich damals zu Schalke geholt. Es ist eine schwierige Situation, aber Magath hat schon bewiesen, dass er Klubs vor dem Abstieg retten kann.“

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