Und plötzlich liefen sie, als hätte es das 2:4 gegen die Glasgow Rangers nicht gegeben. Schossen Tore, fielen sich in die Arme. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Aber vor allem: sie liefen – zumindest war das der Eindruck an diesem milden Sonntagabend, an dem Borussia Dortmund seinen Namensvetter Gladbach mit 6:0 zu überrollen wusste. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Jener Eindruck, der sich in dieser Saison nicht immer aufgedrängt hatte, mochte auch genau an diesen sechs Toren liegen. Erfolg in gewissen Augenblicken kann schon mal über gravierende Schwächen hinwegtäuschen. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Borussia Dortmund hat immer wieder mit stark schwankenden Leistungen zu kämpfen. Vor dem Spiel gegen die Glasgow Rangers in der Europa League zeigt sich Reus ratlos.

Borussia Dortmund hat immer wieder mit stark schwankenden Leistungen zu kämpfen. Vor dem Spiel gegen die Glasgow Rangers in der Europa League zeigt sich Reus ratlos.

BVB zeigt Defensivschwächen

Dass der BVB durchaus Schwächen aufweist, hatte sich drei Tage zuvor gegen Glasgow gezeigt. Oder gegen Leverkusen anderthalb Wochen davor. Oder damals in Lissabon, als die Champions League vergeigt wurde. Oder zweimal gegen Ajax, als der Wettbewerb noch nicht vergeigt war, aber sich zu vergeigen drohte.

An dieser Stelle könnten noch weitere Oder folgen, allein es würde die Sache auch nicht klarer machen als ohnehin schon: Die Schwarz-Gelben kämpfen mit Defensivschwächen, die nicht nur die Abwehr betreffen – mit einer Gegentorflut, die ihresgleichen sucht. Doch woran kann das liegen?

„Es fehlt an Konstanz. Die Mannschaft kann mit einer enormen Wucht über einen Gegner hinwegfegen wie gegen Gladbach. Aber dann gibt es auch wieder blamable Auftritte“, erklärte Ex-BVB-Keeper Stefan Klos im SPORT1-Interview.

Beim BVB wisse man nie, „was man kriegt. Man kann sich nur wundern.“ Klar sei nur: „Die Dortmunder kriegen einfach zu viele Gegentore. Wenn man sich anschaut, wie der BVB verteidigt, dann wird einem schnell bewusst, dass mehrere Spieler da nicht mitmachen.“

BVB zu schlecht für Roses Tempo?

Und genau an diesem Punkt kommt wieder das Laufen ins Spiel. Oder vielmehr das Sprinten, also das intensive Laufen, das Laufen am Anschlag. Da ist der BVB nämlich weniger gut – zu schlecht jedenfalls, um das von Rose geforderte Tempo zu gehen.

Nach 23 Spieltagen erreicht das Team von Trainer Marco Rose laut deltatre eine durchschnittliche Zahl von 726 intensiven Läufen pro Partie. Das bedeutet: Tabellenmittelfeld, nur Platz acht in der Bundesliga.

Marco Rose gibt auf der Pressekonferenz vor dem Rückspiel gegen die Glasgow Rangers in der UEFA Europa League ein Update zu Erling Haaland.

Marco Rose gibt auf der Pressekonferenz vor dem Rückspiel gegen die Glasgow Rangers in der UEFA Europa League ein Update zu Erling Haaland.

Ebenso verhält es sich bei den Sprints: 237-mal richtig anziehen pro Spiel befördert die Schwarz-Gelben auf Rang sieben, immer noch Tabellenmittelfeld. Zum Vergleich: Der FC Bayern grüßt in dieser Statistik von der Spitze, zieht durchschnittlich die meisten Sprints der Liga an.

BVB mit schlechten Werten

Die Frage, die sich aufdrängt: Wie soll so der Hochgeschwindigkeits-Fußball möglich sein, von dem Rose so sehnsüchtig träumt?

Die Antwort: gar nicht. Das belegen auch die Werte der Abwehr- und Mittelfeldspieler in dieser Saison. So ist Jude Bellingham mit 32,9 Kilometern pro Stunde noch der schnellste Mittelfeld-Akteur der Borussia – ein Wert, der nicht sonderlich beeindruckt.

Julian Brandt (32,4), Mahmoud Dahoud (32,1), Marco Reus (32,0) und Thorgan Hazard (31,8) weisen alle weniger auf, ganz zu schweigen von Axel Witsel (29,8).

Auch in der Abwehr um Dan-Axel Zagadou (31,6) oder Mats Hummels wird es eng (30,9).

Immerhin kommen Emre Can (33,8), Marin Pongracic (33,1) und Manuel Akanji auf mehr (34,4). Letzterer ist nach Erling Haaland (35,9) und Donyell Malen (34,7) der Schnellste im Kader.

Überraschend langsam: Raphael Guerreiro mit nur 31,0 Kilometern pro Stunde und nur 21 Sprints pro Spiel. Die Sport Bild meint gar, der BVB liege bei der durchschnittlichen Höchstgeschwindigkeit der Spieler im Liga-Vergleich auf dem letzten Platz.

Es ist nun an Rose, diese Werte zu überdenken – und sein System womöglich anzupassen. Damit das 6:0 gegen die Fohlen nicht nur ein positiver Ausrutscher bleibt.

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