Die wohl größte Überraschung der abgelaufenen Bundesliga-Saison ist neben dem Abstieg der beiden Traditionsvereine Werder Bremen und Schalke 04 der Klassenerhalt von Arminia Bielefeld.
Dank eines 2:0-Sieges bim VfB Stuttgart blieben die Ostwestfalen über dem Strich und dürfen sich auch in der kommenden Spielzeit Bundesligist nennen. (Tabelle der Bundesliga)
Samir Arabi, Geschäftsführer Sport bei der Arminia, erklärt im CHECK24 Doppelpass das Wunder von Bielefeld – und warum ihn die Metapher vom Schlauchboot zwischen 17 Luxusdampfern bis zum Schluss nicht mehr losließ.
„Das kam spontan“, erinnert sich Arabi an seine Aussage vor der Saison. „Ich hätte auf der Pressekonferenz nicht damit gerechnet, dass uns das die ganze Saison begleitet.“
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Arabi: „Ortega spielt eine überragende Saison“
Was er damit bezweckte? „Ich wollte nur zeigen, wie groß der finanzielle Unterschied in der Liga ist. Es hatte nichts damit zu tun, dass wir unserer Mannschaft nichts zutrauen. Wir wollten es uns nicht vorwerfen lassen, zu schwächeln, wenn einer der Großen nicht da ist. Wir haben daran geglaubt und wollten uns nichts vorwerfen lassen müssen. Der Vergleich diente genau dafür und wir saßen letztlich auch alle im selben Boot und haben es verdient geschafft.“
Ein dickes Lob hat der Bielefeld-Boss sowohl für Spieler als auch Trainer parat. “Die Mannschaft hat eine super Saison gespielt und das Team darum hat Außergewöhnliches geleistet. Stefan Ortega (Torhüter, d.R.) spielte eine überragende Saison, es war aber nicht nur er. Wir waren defensiv sehr gut.
Arabi weiter: „Der Klub hat eine sehr gute Entwicklung genommen und das ist keine One-Man-Show. Da haben viele Leute etwas dazu beigetragen.“
Auf den Hinweis, die Arminia habe in ihrem Schlauchboot einen starken Außenbordmotor gehabt, stimmt Arabi lachend zu. „Im Laufe der Saison haben wir den ein oder anderen Transfer – beispielsweise das Leihgeschäft mit Ritsu Doan – da haben wir das Schlauchboot schon bundesligatauglich gemacht.“
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Frank Kramer, der im Laufe der Rückrunde Uwe Neuhaus auf der Bank abgelöst hatte, sei ein “Arbeitstier, der ein sehr enges Verhältnis mit den Spielern hat. Er zeigt aber auch Grenzen auf. Er hat es schnell hinbekommen, die Intensität in unserem Spiel zu steigern.“
Reif: „War okay, den Trainer zu wechseln“
Dabei war der Trainerwechsel durchaus umstritten, wie Trainerlegende Peter Neururer bemerkte. „Zu dem Zeitpunkt Neuhaus zu beurlauben, das war eine sehr gefährliche Kiste. Es gab gar keine Veranlassung, außer dass vielleicht interne Probleme aufgetreten.“
Genau davon spricht auch Arabi : „Es war eine Überzeugung. Es gibt interne Situationen, die zum Glück nicht immer an die Öffentlichkeit kommen, weswegen wir handeln wollten. Wir wollen noch mehr als Ausbildungsverein gelten, bei denen Spieler den nächsten Schritt gehen können. Wir hatten dann schon früher die Meinung, dass wir einen Impuls setzen müssen, um die Liga zu halten.“
Stefan Effenberg stimmt dem zu: „Neuhaus hatte einen hohen Anteil daran, dass Bielefeld die Klasse gehalten hat. Kramer konnte dann den neuen Impuls setzen, er hat eine Handbremse gelöst. Sie haben richtig guten Fußball gespielt. Sie haben alles richtig gemacht, da sie die Klasse gehalten haben. “
Auch für SPORT1-Experte Marcel Reif hat die Arminia letztlich alles richtig gemacht. „Bielefeld will ein Ausbildungsverein sein. Wenn ein Trainer das so sieht und der andere so, dann ist das okay den Trainer zu wechseln. Es ist geräuschlos und ohne schmutzige Wäsche zu waschen, über die Bühne gegangen. Daran sehe ich nichts schlimmes.“
Ein ganz besonderes Kompliment hat Reif für die Arminia parat: „Für mich sind sie der Deutsche Meister der unteren Tabellenhälfte.“