Als sein persönlicher Bann nach 24 erfolglosen Spielen oder 1105 erfolglosen Minuten gebrochen war, kannte Timo Werner nur noch eine Richtung: Ab in die Arme von Zeugwart Michael Meusch.
Wenige Augenblicke zuvor hatte der Stürmer des VfB Stuttgart mit einem Abstauber die Weichen in Richtung erster Saisonsieg gestellt – zugleich war es Werners erstes Tor seit dem 28. November 2014 (4:1 in Freiburg).
„Erleichterung riesengroß“
Kaum verwunderlich, dass der 19-Jährige nach dem 3:1 (2:1) im Kellerduell bei Hannover 96 hinterher jubelte: „Die Erleichterung nach diesem Sieg ist riesengroß. Wir waren über weite Teile des Spiels die bessere Mannschaft und haben letztlich verdient gewonnen.“
Der Befreiungsschlag nach fünf vergeblichen Anläufen auf den ersten Saisondreier war nicht zuletzt Werners großer Verdient. (SERVICE: Die Statistiken des Spiels)
Gisdol wird auf die Tribüne geschickt. Borussia Mönchengladbach liefert im Spiel eins nach Favres Rücktritt eine Tor-Gala ab. SPORT1 zeigt die Bilder des 6. Spieltags.
Mit 9,3 Kilometern und 32 Sprints erreichte der Youngster statistische Bestwerte – und war angesichts seines Treffers zum 2:1 (18.) und eines zusätzlichen Assists zum zwischenzeitlichen Ausgleich durch Christian Gentner (16.) auch hocheffizient.
Zorniger kann aufatmen
Während die Schwaben sich insgesamt (19:8 Torschüsse) glücklich schätzen konnten, endlich mal einen „dreckigen“ Sieg eingefahren zu haben, durfte sich Werner als heimlicher Matchwinner fühlen – ungeachtet der miesen Quote gewonnener Zweikämpfe von gerade mal 13 Prozent. (SERVICE: Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)
Schon zuletzt beim 0:1 gegen den FC Schalke 04, als das Team von Trainer Alexander Zorniger ganze 26-mal unbelohnt auf das gegnerische Tor zielte, hatte Werner aufsteigende Form bewiesen.
„Er hat die richtige Reaktion gezeigt“, sagte der VfB-Coach dazu, nachdem Werner im Spiel bei Hertha BSC noch nicht einmal im Kader gestanden hatte. “Er hat wie ein 19-Jähriger gespielt und nicht wie ein 24-Jähriger, der alle Last der Fußballwelt auf seinen Schultern trägt“, ergänzte Zorniger. (DATENCENTER: Tabelle)
Gespräch mit Psychologe Laux
Vielleicht ist tatsächlich ein Kopfproblem, das Werner sich bisweilen selbst im Weg stehen lässt. Auch gegen Königsblau fehlte dem U21-Nationalspieler die Abgezocktheit, als er allein vor Keeper Ralf Fährmann noch einmal querlegte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Spielplan)
Robert Lewandowski schießt Bayern mit einem Doppelpack zur Meisterschaft. Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang geht leer aus. SPORT1 zeigt die besten Torschützen.
„Die Situation des VfB hat mich belastet“, so Werner, „ich habe viel mit unserem Psychologen Philipp Laux gesprochen und gelernt, die Dinge eher positiv als negativ zu sehen.“
Gegen Hannover hat das schon einmal geholfen, die Bremse zu lösen - wenn es auch im nächsten Krisengipfel gegen Borussia Mönchengladbach gelingt, kann sich Zeugwart Meusch schon mal warm anziehen.