Von Felix Meininghaus
Dortmund – Wer Pep Guardiola nach der 0:2-Niederlage im Supercup bei Borussia Dortmund zugehört hatte, dem konnte Angst und Bange um den FC Bayern werden.
Zu groß sei der Wettbewerbsnachteil mit all den Akteuren, die nach der Weltmeisterschaft große Teile der Vorbereitung verpasst hatten, betonte der Trainer.
Die Rivalen lauerten auf den Ausrutscher des Doublesiegers zum Ligastart. Als möglicher Nutznießer wurde Borussia Dortmund ausgemacht.
Nach dem ersten Spieltag der neuen Saison stellt sich die Situation jedoch gänzlich anders dar: Während die Bayern ihr Auftaktspiel gegen den VfL Wolfsburg gewannen, kamen die Dortmunder beim 0:2 im heimischen Stadion gegen Bayer Leverkusen gehörig unter die Räder.
Die Borussia läuft somit gleich wieder hinterher.
Es war nicht nur das Resultat, das allen Verantwortlichen die Sorgenfalten auf die Stirn trieb, sondern auch die Art und Weise, wie dieses Ergebnis zustande kam.
Denn der BVB offenbarte viele Schwächen.
SPORT1 analysiert die drei wichtigsten Baustellen beim Vizemeister:
Fünf Weltmeister wurden vor Spielbeginn mit einem Blumenstrauß geehrt. Von ihnen standen nur Neuzugang Matthias Ginter und Erik Durm in der Startelf. Torhüter Roman Weidenfeller und Kevin Großkreutz saßen zu Beginn auf der Bank, Großkreutz wurde in der Schlussphase immerhin eingewechselt. Mats Hummels war nicht einmal im Kader.
Alle Weltmeister sind nach der kraftraubenden WM und dem anschließenden Urlaub noch nicht wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte.
Trainer Jürgen Klopp betonte vor dem Spiel, er könne den Ausfall von Hummels locker verschmerzen, „weil wir auf seiner Position derzeit überhaupt keine Probleme haben“. Eine Fehleinschätzung.
Die physische Präsenz des Manndeckers, vor allem jedoch seine Qualitäten in der Spieleröffnung fehlten den Dortmundern an allen Ecken und Enden.
Ginter und Durm wirkten zudem komplett überfordert und leisteten sich diverse Stockfehler. Vor dem 0:1 wurde Ginter getunnelt.
Bellarabis Blitztor bei SPORT1.fm:
Vor dem 0:2 ließ sich Durm von Karim Bellarabi wie ein Schüler abkochen. (
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Im Vergleich: Während Dortmunds Nationalspieler noch großen Nachholbedarf haben, sind die Bayern wesentlich weiter. Die beiden Torschützen Arjen Robben und Thomas Müller sprühten schon wieder voller Tatendrang.
Marco Reus hat sich nach seiner Verletzung zwar wieder früh zurückgemeldet, agiert jedoch weit unter Form. Gegen Leverkusen war er 75 Minuten auf dem Rasen, Akzente setzte er keine.
Zwischendurch nahm sich Klopp den Hochbegabten zur Brust und forderte ihn unmissverständlich auf, endlich Fußball zu spielen.
Doch der Offensivspieler braucht offenbar noch Zeit, um in die Verfassung zu kommen, die ihn in der letzten Saison zum überragenden Spieler der Rückrunde machte.
Aber vielleicht haben ja auch die verbalen Störfeuer aus München, bei denen es unter anderem um die Ausstiegsklausel in Reus‘ Vertrag ging, Spuren hinterlassen.
Klopp betonte zu Reus: „Er wird noch eine ganze Weile in Dortmund spielen. Da habe ich ein ganz gutes Gefühl.“ Hoffentlich auch wieder besser als gegen Leverkusen.
Lothar Matthäus brachte es als Experte bei „Sky“ auf den Punkt: Ciro Immobile sei im Spiel von Borussia Dortmund ein Fremdkörper, sagte der Rekord-Nationalspieler. So ist es.
Der für 19,5 Millionen Euro verpflichtete Italiener rackerte zwar fleißig, doch das Spiel lief am Stürmer komplett vorbei.
Immobile ist eher ein Strafraumstürmer, lebt von der Vorarbeit seiner Mitspieler. SHOP: Jetzt Fanartikel von Borussia Dortmund kaufen
Der Offensivverbund mit Immobile, Aubameyang, Reus und Mkhitaryan bietet eigentlich üppige Möglichkeiten, doch ein flüssiges Kombinationsspiel fand gegen Leverkusen nicht statt.
Klopp hat das gesehen, lässt sich davon aber zumindest nach außen nicht aus der Ruhe bringen. Nach dem Spiel sagte er: „Wir sind da ziemlich entspannt, das war heute nicht unser größtes Problem.“