Von Jonas Nohe

München/Dortmund – Marco Reus war mittendrin an jenem 13. Juli 2014 – und doch nicht dabei.

Die frischgebackenen Weltmeister reckten den Pokal in den Abendhimmel von Rio de Janeiro. Mittendrin das Trikot mit der Nummer 21 und Reus‘ Namen auf dem Rücken. Derjenige aber, der es tragen sollte, lag knapp 10.000 Kilometer entfernt zuhause in seinem Bett.

„Ehrlich gesagt: Ich hatte den Fernseher zu diesem Zeitpunkt schon aus, bin schlafen gegangen“, schilderte der 25-Jährige später im Interview mit dem „kicker“.

Er konnte es schlicht nicht mit ansehen, wie andere seinen großen Traum lebten. Daran hat sich auch eineinhalb Monate später nichts geändert.

Fünf Weltmeister um sich

Ganz Deutschland feiert die „Liga der Weltmeister“, seit der Verpflichtung von Matthias Ginter hat Reus bei Borussia Dortmund tagtäglich gleich fünf Weltmeister um sich herum ().

Er selbst wirkt trotz eines überraschenden Blitz-Comebacks aber, als würde der verlorene Sommer weiter an ihm nagen.

Doch während sein Körper im Eiltempo zurück auf den Platz strebt, hat er das WM-Aus mental offenbar noch nicht hundertprozentig verarbeitet.

„Für mich ist ein Traum zerplatzt. Wenn man dann noch sieht, wie die WM endet, tut das doppelt weh, dass ich nicht dabei sein konnte“, schilderte er: „Die Tage danach waren extrem hart.“

Götze litt mit ihm

Sein guter Kumpel Götze konnte das Stimmungstief nachvollziehen: „Das ist einfach blöd, sich dann als Außenstehender das Ganze anzusehen.“

Während Götze mit dem Siegtor im Finale seinen bisher größten persönlichen Triumph feierte, schaltete Reus zu Hause frustriert den Fernseher aus. Zwei Gefühlswelten, wie sie weiter kaum auseinander liegen könnten.

„Deshalb habe ich in dem Moment an ihn gedacht und ich wusste, dass das eine kleine Geste für ihn ist“, erklärte Götze hinterher, warum er bei den Feierlichkeiten im Maracana den ganzen Abend lang das Trikot seines ehemaligen Vereinskameraden mit sich trug.

Inzwischen trägt Reus sein Dress wieder selbst. Er ist wieder mittendrin – aber noch lange nicht der Alte.