Europacup-Teilnehmer Borussia Mönchengladbach hat einen Stolperstart in die neue Bundesliga-Saison hingelegt.
Die Fohlen kamen gegen den VfB Stuttgart trotz über weite Strecken ordentlicher Leistung nicht über ein 1:1 (0:0) hinaus und verpassten damit, vor dem immens wichtigen Rückspiel in der Play-offs zur Europa League am Donnerstag gegen FK Sarajevo (Hinspiel 3:2) noch einmal Selbstvertrauen zu tanken.
Weltmeister Christoph Kramer rettete der Borussia mit seinem späten Treffer (90.) immerhin noch einen Punkt, nachdem der VfB durch Alexandru Maxim (51.) in Führung gegangen war.
Die Stuttgarter verbuchten acht Tage nach dem Pokal-Aus bei Zweitligist Bochum (0:2) das erste kleine Erfolgserlebnis und setzten ihre stolze Serie am Niederrhein fort: Seit 2005 hat der VfB nicht mehr in Gladbach verloren.
„Der Punkt war enorm wichtig, das ist eine enorme Erleichterung“, sagte Gladbachs Trainer Lucien Favre, kritisierte aber auch den Auftritt vor der Pause: „Wir haben nicht gut gespielt, ohne Tempo, ohne Impulse nach vorne, es hat intelligenter Ballbesitz gefehlt. Das war in der zweiten Halbzeit viel besser.“
Kramer erst auf der Bank
Vor 50.203 Zuschauern im Borussia-Park hatte Favre Nationalspieler Kramer wegen Trainingsrückstand zunächst erwartungsgemäß auf der Bank gelassen und erst in der zweiten Halbzeit gebracht.
VfB-Coach Armin Veh, der von 1979 bis 1983 für die Gladbacher gespielt hatte, gab weitgehend seinen Pokal-Verlierern noch eine Chance. Lediglich Maxim rückte für Filip Kostic in die Startelf.
Ibisevic-Treffer aberkannt
Die Borussia trat in der Anfangsphase sehr engagiert auf und versuchte, über die Flügel mit den Neuzugängen Ibrahima Traore und Andre Hahn Druck zu entwickeln.
Traore, der in der Vorsaison noch das Stuttgarter Trikot getragen hatte, war dann auch an der ersten großen Torchance beteiligt. Bei einem blitzartigen Konter legte er auf den einschussbereiten Branimir Hrgota frei, Stuttgarts Daniel Schwaab rettete in höchster Not (20.).
Defensiv und im Aufbau leistete sich Gladbach allerdings wie schon gegen Sarajevo einige Nachlässigkeiten, die der VfB aber nicht ausnutzen konnte. Zu umständlich agierte Stuttgart im Spiel nach vorne, Torjäger Vedad Ibisevic hing zumeist in der Luft.
Den vermeintlicher Führungstreffer durch den Bosnier nach einem Freistoß erkannte Schiedsrichter Christian Dingert zu Recht nicht an (32.).
Hrgotas Patzer rächt sich
Von Gladbachs Regisseur Raffael war bis auf einen Kopfball kurz vor der Pause (44.) wenig zu sehen. Zudem fehlte den Fohlen ohne Nationalspieler Max Kruse (Nieren-OP wegen eines Harnleitersteins) die Durchschlagskraft.
Dennoch hätte die Borussia schnell nach Wiederanpfiff in Führung gehen müssen, doch Hrgota, gegen Sarajevo noch zweifacher Torschütze, verstolperte den Ball vor dem leeren Tor (48.).
Dies rächte sich keine 180 Sekunden später, als Stuttgarts Christian Gentner sehenswert auf Maxim ablegte und der Rumäne eiskalt ins lange Eck verwandelte (51.).
Gladbachs Keeper Yann Sommer, der als Nachfolger des nach Barcelona gewechselten Marc-Andre ter Stegen sein erstes Bundesliga-Spiel bestritt, sah bei Gentners Hereingabe nicht gut aus.
Gladbach dreht auf
Erst danach wachte Gladbach richtig auf und blies zum Angriff. In der 67. Minute traf Hrgota – Dingert entschied korrekterweise auf Abseits. Der kurz zuvor eingewechselte Gladbacher Neuzugang Thorgan Hazard hatte bei einem Pfostentreffer (74.) Pech. Kramer bewahrte die Gastgeber dann doch noch vor einer Auftaktpleite.
Die beste Noten verdiente sich bei der Borussia neben Traore der eingewechselte Kramer, bei Stuttgart überzeugten Maxim und Gentner.