Von Reinhard Franke
München – Der FC Augsburg verblüffte in der vergangenen Saison Experten und Fans gleichermaßen. Das Team von Trainer Markus Weinzierl schrieb im dritten Jahr Bundesliga ein kleines Fußball-Märchen.
Augsburgs beendete die Saison als Achtplatzierter (52 Punkte), schrammte nur knapp an der Europa-League-Qualifikation vorbei. Diese Leistung verleitet Weinzierl nun aber nicht zu irrwitzigen Erwartungen.
„Wir müssen wichtige Spieler wie Andre Hahn oder Kevin Vogt ersetzen, der Teamgeist muss neu geformt werden. Unser Ziel bleibt der Klassenerhalt“, sagt der Erfolgscoach.
Weinzierl hält also den Ball flach, wohlwissend, dass man in der neuen Saison von den Gegnern mehr als ernst genommen wird.
Während man in der Saison 2011/2012 als Aufsteiger am Ende auf Platz 14 landete und ein Jahr später mit Platz 15 erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt schaffte, gab es zuletzt den großen Schritt nach vorne.
Keine Frage, beim FCA standen in den vergangenen Jahren konsequente Fehlerkorrektur, harte Arbeit und vernünftige Einstellung im Vordergrund.
Geht die Erfolgsstory der Schwaben aber weiter? SPORT1 schaut genau hin.
Neben Hahn (zu Borussia Mönchengladbach) und Vogt (zum 1. FC Köln) haben mit Dong-Won Ji (Borussia Dortmund) und Arkadiusz Milik (Ajax Amsterdam) zwei weitere wichtige Spieler den Verein verlassen. Alle hätte der FCA gerne behalten.
Nun hat auch Matthias Ostrzolek den Verein verlassen. Der Wechsel des Abwehrspielers zum Hamburger SV ist seit Dienstag fix.
Die Augsburger sind aber auch auf dem Transfermarkt recht aktiv gewesen: Tim Matavz (vom PSV Eindhoven), Caiuby (FC Ingolstadt), Nikola Djurdjic (Spvgg Greuther Fürth) Shawn Parker (FSV Mainz) für das Angriffsspiel sowie der Ex-Nürnberger Markus Feulner als Taktgeber für das Mittelfeld bilden interessante neue Optionen.
Auch einen Nachfolger für Ostrzolek haben die Schwaben bereits gefunden. Abdul Rahman Baba wechselt aus Fürth zum FC Augsburg. Der 20-Jährige besitzt ein großes Potenzial und hat auch 20 Bundesliga-Spiele absolviert.
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Markus Weinzierl geht in sein drittes Jahr als FCA-Coach. Es gab nicht wenige, die zu Beginn seiner Amtszeit gesagt haben, dass der heute 39-Jährige nicht lange bleiben werde.
Doch Weinzierl hat alle Kritiker Lügen gestraft, verlängerte im Dezember 2013 sogar seinen Vertrag vorzeitig bis 2017. „Wir setzen damit ein klares Zeichen, dass wir unsere tolle Entwicklung gemeinsam fortführen werden“, sagte damals FCA-Präsident Walther Seinsch.
FCA und Weinzierl – das passt. Mit seiner ruhigen Art und seriösen Arbeit passt er perfekt zum Klub. Der gebürtige Straubinger haut keine Parolen raus, sondern überzeugt mit klarem Fußballsachverstand. Mit FCA-Sportdirektor Stefan Reuter bildet Weinzierl zudem ein perfektes Gespann.
Einen richtigen Star im Team gibt es nicht. Der Star ist die Mannschaft. Beste Beispiele, wie sich Spieler mit dem Erfolg unter Weinzierl weiterentwickelt haben, sind Mittelfeldspieler Daniel Baier und Offensivmann Halil Altintop.
Baier wurde zum Leader auf dem Platz. Er lässt aber nicht den großen Star raushängen, sondern ist ein wichtiges Mosaiksteinchen im hungrigen Kollektiv. Und damit auch ein Teil des Erfolgs.
Gleiches gilt für Angreifer Altintop. Der Türke hat gleich im ersten Jahr nach seiner Rückkehr in die Bundesliga in 34 Spielen 10 Tore erzielt.
Das Ziel lautet erneut Klassenerhalt. Allerdings gibt es aktuell einige Sorgen.
Jan Moravek (Kreuzbandriss), Raul Bobadilla (Muskelfaserriss) und Jan-Ingwer Callsen-Bracker (Rippenprellung) verletzten sich im letzten Test gegen Crystal Palace (0:0). Deshalb könnten die Augsburger Startprobleme bekommen.
Der FC Augsburg hat auch in der neuen Saison nichts mit dem Abstieg zu tun. Ob es allerdings wieder im Hurra-Stil in Richtung Europapokal-Plätze geht, bleibt abzuwarten.
Die Gegner nehmen den FCA jetzt ganz anders wahr und der Druck auf die Mannschaft dürfte bei Rückschlägen größer werden. Am Ende sollte es ein Platz im Mittelfeld werden.