Von Reinhard Franke
München – Markus Gisdol hat in den letzten 16 Monaten fast alles richtig gemacht.
Als der 44-Jährige am 2. April 2013 Trainer bei 1899 Hoffenheim wurde, lag der Klub am Boden.
Doch Gisdol schaffte es mit einer riskanten und risikoreichen Systemumstellung, dem Vertrauen in den Nachwuchs und der Rückkehr zur einstigen Vereinsphilosophie das schier Unmögliche in letzter Sekunde – den Klassenerhalt.
Im letzten Jahr gab es dann eine Saison, die Fans und Verantwortliche getrost als sorgenfrei abheften konnten.
Am Ende stand unterm Strich Platz neun. Das Abstiegsgespenst machte also einen großen Bogen um den Kraichgau. In der neuen Spielzeit soll es für die Gisdol-Elf nun weiter aufwärts gehen.
Die Vorbereitung verlief nach Plan. Fast, wenn man den ewigen Nörglern Gehör schenkt.
Nach sieben Zu-Null-Siegen gab sich Hoffenheim ausgerechnet bei der Generalprobe für die neue Saison erstmals eine Blöße.
Gegen den FC Genua, Tabellen-14. in der vergangenen Saison in Italien, kam 1899 nur zu einem mageren 1:1.
In der ersten Runde des DFB-Pokals muss der Verein am kommenden Sonntag beim Hamburger Landesligisten USC Paloma antreten.
Am ersten Bundesliga-Spieltag empfangen die Hoffenheimer am 23. August den FC Augsburg.
SPORT1 stellt die neue Mannschaft von 1899 Hoffenheim vor.
Nach 70 Gegentoren in der vergangenen Saison wurde vor allem die Defensive verstärkt. Mit Oliver Baumann vom SC Freiburg wurde ein neuer, erfahrener Torwart verpflichtet. Gerade diese Position war seit dem Theater um Tim Wiese oft ein Unsicherheitsfaktor.
Für die Abwehr kamen zudem neu hinzu: Ermin Bicakcic von Eintracht Braunschweig und Jin-Su Kim von Albirex Niigata.
Mit Mittelfeldspieler Pirmin Schwegler von Eintracht Frankfurt und Stürmer Adam Szalai von Schalke 04 wurden darüber hinaus zwei Spieler verpflichtet, die Hoffenheim flexibler machen sollen.
Vor allem Szalai ist heiß auf die neue Aufgabe. Der 26-Jährige sagte zuletzt, dass er vier anderen Bundesligisten abgesagt habe, weil ihn der offensive Hoffenheimer Stil gereizt habe. (SHOP: Jetzt Bundesliga-Fanartikel kaufen)
Nicht mehr dabei ist Leistungsträger Fabian Johnson, der zu Borussia Mönchengladbach wechselte.
Insgesamt haben 15 Spieler den Verein verlassen, darunter aber auch Altlasten wie Edson Braafheid (zu Lazio Rom) und Andreas Ludwig (war an 1860 München ausgeliehen, jetzt VfR Aalen).
Markus Gisdol hat den Verein wieder in die Spur gebracht.
Mit seiner akribischen Arbeit und seinem Faible für junge Spieler ist es ihm gelungen, dass die Fans von ihrer Mannschaft immer wieder öfter Offensiv-Fußball sehen.
Manchmal erinnerten sich die Anhänger in der letzten Saison sogar an das Hoffenheim von 2008 zurück, als die Mannschaft gerade in die Bundesliga aufgestiegen war und die Liga rockte.
Die risikofreudige, torhungrige Spielweise mit hoher Laufintensität definiert sich spektakulär mit höchstem Unterhaltungswert. 72 geschossene Tore in der letzten Saison waren ein Wahnsinnswert – nur Bayern und Dortmund waren besser.
Gisdol scheint ein Glücksfall für den Verein zu sein. Auch von Klub-Mäzen Dietmar Hopp gab es in der Vergangenheit daher immer wieder Lob für die Arbeit des Cheftrainers.
Zusammen mit den anderen Verantwortlichen machte er zuletzt sehr gute Arbeit.
Keine Frage, der Star im Team ist Roberto Firmino. Dass der 22-Jährige im Kraichgau bis 2017 verlängerte, war für viele Experten und Fans eine faustdicke Überraschung.
Firmino hatte gute Angebote von internationalen Top-Klubs, entschied sich aber für Hoffenheim, ohne dass der Brasilianer groß pokerte. Mit ihm will der Verein weitere Schritte nach vorne machen.
Im Bundesliga-Dorf hat man zur Realität und Bodenständigkeit zurück gefunden. Keine überzogenen Zielsetzungen werden anvisiert, den Gedanken aus der Rangnick-Ära „nur noch von Spiel zu Spiel zu denken“ wurde wieder verinnerlicht.
Hoffenheim wird auch in der neuen Saison nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Personell wurde die Mannschaft in der Breite verstärkt.
Zudem konnte mit Firmino ein ganz wichtiger Spieler gehalten werden. Dank seiner individuellen Klasse sollte es weiter vorwärts gehen.
Zudem wird auch Stürmer Kevin Volland gewiss einen weiteren Sprung nach vorne machen.
Wenn die Neuzugänge sich schnell integrieren lassen, dann darf sogar von Europa geträumt werden.