Der Gegenangriff erwischte Karl-Heinz Rummenigge in der Nacht. Vermutlich schlummerte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern in Portland, als Borussia Dortmund zum verbalen Konter ausholte.
Über die vereinseigene Homepage meldete sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zu Wort.
„Borussia Dortmund registriert mit einer gewissen Verärgerung, dass sich Karl-Heinz Rummenigge über die Medien zurzeit im Drei-Tage-Rhythmus zu internen BVB-Angelegenheiten äußert“, ließ Watzke ausrichten.
Nur wenig später legte Dortmunds Manager Michael Zorc bei SPORT1 nach: „Das hat eine völlig neue Qualität. Es wäre schön, wenn er (Rummingge, Anm. d. Red.) einfach mal den Mund halten würde.“
Patsch. Das saß.
Gerangel um Reus
Der Streit zwischen den deutschen Fußball-Schwergewichten erhitzt die Gemüter. Mal wieder. Diesmal geht es um Borussen-Star Marco Reus und um dessen Zukunft.
Dass der 25-Jährige im kommenden Sommer eine Ausstiegsklausel nutzen kann, war allgemein bekannt.
Doch Rummenigge weiß anscheinend mehr – und plauderte seine Informationen in der Öffentlichkeit fröhlich aus.
„Es ist bekannt, dass der Spieler bei Borussia Dortmund ist und eine Ausstiegsklausel hat, die, so Gerüchte, bei 25 Millionen Euro liegen soll“, sagte der 58-Jährige bei der „Sport Bild“.
Watzke kontert Rummenigge
Eine Aussage, die der BVB mit wenig Wohlwollen aufnahm.
„Wir sind sicher, dass für jeden Fußballinteressierten offensichtlich ist, welche Absicht hinter solchen Äußerungen steckt“, konterte Watzke in seinem offiziellen Statement.
Womöglich stecken sogar mehrere Absichten hinter Rummenigges Äußerungen.
Zum einen hat er für Unruhe beim ärgsten Erzrivalen gesorgt.
Reus als Schnäppchen nach München?
Zum anderen hat er unterschwellig das Bayern-Interesse am Nationalspieler bekräftigt.
25 Millionen Euro für einen Spieler wie Reus sind auf dem überhitzten Transfermarkt mittlerweile ein Schnäppchen. Aber auch die zuvor kolportierte Summe von 35 Millionen könnten die Bayern problemlos zahlen.
Fakt ist: Der Doublegewinner hat in Person von Rummenigge einmal mehr die Muskeln spielen lassen.
Es ist also möglich, dass Reus ab 2015 mit seinen ehemaligen Dortmunder Teamkollegen Mario Götze und Robert Lewandowski für die Bayern spielt.
„Exzellenter Fußballer“
Für Philipp Lahm wäre ein Transfer logisch. „Der FC Bayern hat sich immer um die besten deutschen Spieler gekümmert und sich in den Verein geholt“, sagte der FCB-Kapitän vor dem Abflug in Richtung Portland SPORT1.
An der US-Westküste trifft sein Team auf die MLS Allstars (3.50 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US, Wiederholung ab 22.15 Uhr im TV auf SPORT1). Bei der nächsten Sommertour ins Ausland könnte Reus, den Lahm als „exzellenten Fußballer“ bezeichnet, mit im Flieger sitzen.
Der neue Zoff zwischen München und Dortmund ist das nächste Kapitel einer schier endlos scheinenden Fehde.
Denn dicke Luft herrscht zwischen den Bundesliga-Giganten schon seit Monaten.
Angespanntes Verhältnis der Verantwortlichen
Ein kurzer Rückblick: Nach der Winterpause stellte FCB-Sportvorstand Matthias Sammer die Trainingsmethoden der unterlegenen Konkurrenz infrage.
Dortmunds Trainer Jürgen Klopp konterte: „Ich an Matthias Sammers Stelle würde jeden Morgen, bevor ich das Bayern-Trainingsgelände betrete, Gott danken, dass irgendjemand auf die Idee gekommen ist, mich dazuzunehmen.“
Den nächsten Giftpfeil schoss Bayern-Präsident Karl Hopfner ab. Es ging um ein altes Darlehen der Münchner an den BVB und unterschiedliche Aussagen zum Zinssatz. Hopfner sagte, Watzke mit Baron von Münchhausen zu vergleichen wäre „noch geschmeichelt“.
Die Dortmunder schäumten. Das eigentlich traditionelle Essen der Vereins-Verantwortlichen vor dem Rückrundenspiel in München fiel kurzerhand aus.
Prestigeduell im Supercup
Sogar das Festbankett vor dem DFB-Pokalfinale stand auf der Kippe. Am Ende saßen der Sauerländer Watzke und der Westfale Rummenigge in Berlin doch gemeinsam zusammen.
Das Ende der Eiszeit schien in Sicht. Doch nun verhärten sich die Fronten wieder.
Am kommenden Mittwoch sehen sich die Streithähne wieder. Dann geht es in Dortmund um den ersten Titel der Saison. Der Borussen wollen gegen die FC Bayern erneut den Supercup gewinnen.
Reus, der im Vorjahr doppelt traf, fehlt aufgrund seiner langen Verletzungspause noch.
Und doch steht der 25-Jährige irgendwie im Mittelpunkt.