Die Offensive des VfB Stuttgart ist prunkvoll besetzt. Deniz Undav, Ermedin Demirovic, Chris Führich und Co. liefern zuverlässig ab. Zusammen mit Bayer Leverkusen stellen die Schwaben die drittbeste Offensive der Liga (66 Treffer). Dass es für Neuzugänge schwierig ist, sich einen Platz in der Angriffsreihe zu ergattern, liegt also auf der Hand.

Bestes Beispiel dafür ist Jeremy Arevalo, der im Winter von Racing Santander aus der 2. spanischen Liga ins Schwabenländle wechselte. Der 21 Jahre alte Nationalspieler Ecuadors kam für die stolze Ablösesumme von 7,5 Millionen, braucht beim VfB aber noch etwas Anlaufzeit. Bei sieben Spielen für das Team von Trainer Sebastian Hoeneß stehen lediglich Kurzeinsätze zu Buche. Frühestens wurde der Youngster in der 79. Minute eingewechselt.

Jeremy Arevalo sorgt in der 3. Liga für Furore.
Jeremy Arevalo sorgt in der 3. Liga für Furore. Jeremy Arevalo sorgt in der 3. Liga für Furore.

Also soll Arevalo bei Stuttgarts Zweitvertretung Spielpraxis sammeln – und tobt sich in der 3. Liga richtig aus. In fünf Spielen erzielte der hochveranlagte Offensivmann fünf Treffer und steuerte einen Assist bei. Ein besonderes Empfehlungsschreiben gab der Youngster am vergangenen Spieltag gegen Rot-Weiss-Essen ab: Mit drei Treffern hatte Arevalo einen Bärenanteil am 6:1-Kantersieg über den Aufstiegsaspiranten (aktuell Rang drei).

VfB-Stuttgart-Boss Wohlgemut weicht aus

Ein unfairer Eingriff in das enge Aufstiegsrennen in Liga 3, in das Mittelfeldklub Stuttgart zumindest indirekt noch eingreifen könnte?

Nicht, wenn es nach VfB-Boss Fabian Wohlgemut geht, der ausweichend auf die Fairnessfrage reagierte. „Er ist ein Zukunftsprojekt und wird die Qualität in unserem Kader nachhaltig sichern. Kompensatorisch hat er auch Einsätze in der U21, in einer Mannschaft, die unter anderem genau hierzu einen sehr wesentlichen Zweck besitzt: nämlich um Spielpraxis für Profis zu ermöglichen, die nicht ausreichend Spielzeit in der ersten Mannschaft erhalten“, wird der Sportvorstand von der Bild zitiert.

Klar ist, dass bis auf die beiden Zweitvertretungen (anderes Team: TSG Hoffenheim II) in der 3. Liga kein Verein über die finanziellen Möglichkeiten verfügt, auf Spieler dieses Formats zurückzugreifen. Pech haben dann die Mannschaften, die zu ungünstigen Zeitpunkten auf die Reserveteams treffen, gerade dann, wenn hochveranlagte Spieler der Profiteams Spielpraxis sammeln sollen – wie RWE, mitten im Aufstiegsrennen.

Hoeneß erklärt Drittliga-Einsätze

VfB-Chefcoach Sebastian Hoeneß freut sich derweil über die starken Auftritte seines Schützlings in der zweiten Mannschaft: „Die Entwicklung in der zweiten Mannschaft ist erfreulich und hilft“. Dabei machte der Übungsleiter auf der Pressekonferenz aber auch klar, dass „unsere Offensivspieler treffen und unsere Einwechselspieler auch“. Das mache die Sache für Arevalo nicht leichter. Das klingt nach weiteren Drittliga-Einsätzen.

Am kommenden Samstag (14 Uhr im SPORT1-Liveticker) könnte Hansa Rostock das gleiche Schicksal erleiden wie das Team von der Hafenstraße. Die Kogge, die rechnerisch noch eine kleine Chance auf den Relegationsplatz hat, dürfte sich jedenfalls genau angeschaut haben, wie Arevalo die Essener Hintermannschaft auseinandergenommen hat.

Ob der Offensivmann wieder starten wird, ist derweil aber noch ungewiss. „Er hat einen Schlag abbekommen. Deswegen müssen wir abwarten, wie die Konstellation für ihn am Wochenende aussieht“, erklärte Hoeneß. Schließlich soll wohl auch für die kommende WM kein Risiko eingegangen werden.

Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann wird den Offensivakteur wahrscheinlich spätestens ab WM-Beginn auf dem Schirm haben. Schließlich trifft die Nationalelf im dritten Gruppenspiel auf Ecuador.