Fünf Jahrzehnte nach einem der größten Momente des DDR-Sports haben sich die noch lebenden Helden von einst wieder getroffen.
Der 3:1‑Finalerfolg gegen Polen bei Olympia in Montréal am 31. Juli 1976 markierte den größten Erfolg in der Geschichte des DDR‑Fußballs – ein Moment, der bis heute nachwirkt. Am vergangenen Wochenende kamen acht der damaligen Goldhelden zusammen, um an dieses Kapitel Sportgeschichte zu erinnern.
DDR-Legenden: „Haben fast keine Zeit mehr“
Initiator des Wiedersehens war Gerd Kische, einst pfeilschneller Verteidiger, später Klubpräsident bei Hansa Rostock. Gemeinsam mit dem Drittligisten organisierte er das Treffen im Ostseestadion. „Wir haben festgestellt, dass es Zeit wurde, weil wir fast keine Zeit mehr haben“, sagte Kische mit Blick auf das halbe Jahrhundert, das seit Montréal vergangen ist.
Auf dem Programm standen eine Talkrunde, ein gemeinsamer Stadionbesuch sowie viele Gespräche über alte Zeiten getragen von spürbarer Emotion. „Manche habe ich 50 Jahre nicht gesehen. Es ist wirklich so schön, dass es dieses Treffen gab“, ergänzte der frühere Dynamo‑Dresden‑Stürmer Gert Heidler.
Der Olympiasieg 1976 gilt – mehr noch als der legendäre 1:0-Sieg über die BRD bei der WM 1974 zwei Jahre zuvor – als Zenit des DDR‑Fußballs. Die von der 2007 verstorbenen Trainerlegende Georg Buschner geführte Mannschaft setzte sich in einem stark besetzten Turnier gegen Teams wie Brasilien, Spanien, Frankreich und im Halbfinale gegen die UdSSR durch. Im Finale wartete Titelverteidiger Polen, zwei Jahre zuvor WM‑Dritter.
Vor mehr als 71.000 Zuschauern im Olympiastadion von Montreal stellte die DDR früh die Weichen: Hartmut Schade traf in der 7. Minute, Martin Hoffmann legte kurz darauf nach. Zwar kam Polen durch Grzegorz Lato zum Anschluss, doch ein später Sololauf von Reinhard Häfner besiegelte den 3:1‑Sieg.
„Das 3:1 war eine Erlösung“
„Es war ein Sieg für die Ewigkeit. Das kann und wird uns niemand nehmen“, sagte Schade rückblickend. Hoffmann erinnerte sich an die Schlussszene: „Das 3:1 war eine Erlösung und die Entscheidung.“
„Ich war erst mal glücklich, das Spiel zu gewinnen. Die Wertigkeit ist uns allen erst später bewusst geworden“, sagte Hoffmann, der zwei Jahre zuvor mit dem 1. FC Magdeburg den Europapokal der Pokalsieger holte.
Fußball hatte im DDR‑Sportsystem nicht immer denselben Stellenwert wie andere olympische Disziplinen. Umso größer war die symbolische Kraft des Goldgewinns – sportlich wie politisch. Historiker und Zeitzeugen sprechen bis heute von einem der größten Momente des DDR‑Fußballs auf der Weltbühne.
Beim Treffen fehlten einige Olympiasieger aus gesundheitlichen Gründen; andere sind inzwischen verstorben, darunter Bernd Bransch, Hans‑Jürgen „Dixie“ Dörner oder Reinhard Häfner. Legenden bleiben sie für immer.