Der ehemalige Schiedsrichter Urs Meier lässt kein gutes Haar am Videobeweis. „Für mich hat der Videobeweis dem Schiedsrichter seine Kompetenz und seine Souveränität genommen“, stellte der 64-jährige Schweizer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur klar.

Für Meier sorgt der Videobeweis für ein eklatantes Problem: „Wir haben das Gefühl, dass wir mehr Gerechtigkeit haben, doch dies ist eine Schein-Gerechtigkeit.“ Zur aktiven Zeit des langjährigen Referees hatte es vergleichbare Hilfsmittel wie den Videobeweis oder die Torlinien-Technologie noch nicht gegeben. Letzteres hätte er sich aber sehnlichst gewünscht.

„Wir Schiedsrichter und Assistenten konnten nur hoffen, dass wir keine solche Situation mit Ball auf oder hinter der Linie erleben werden, da wir wussten, dass man gewisse Fälle einfach nicht sehen kann“, erklärte der Schweizer, der in der Champions League fünf Halbfinals nacheinander sowie das Finale 2002 leitete.

Ex-Schiedsrichter Meier: „Haben keine Spielleiter mehr“

Seit der Einführung des Videobeweises würden sich nach Ansicht von Meier zu viele Schiedsrichter auf die Fernsehbilder verlassen. „Ein Schiedsrichter pfeift, ein Spielleiter leitet und führt ein Spiel. Wir haben leider zu viele Schiedsrichter und keine Spielleiter mehr“, erläuterte er.

Für Meier steht fest: „Fußball ist eine Sportart, welche von der Dynamik des schnellen Spieles lebt. So sind oft die Pokalspiele der zweiten Runde faszinierende Partien, da bei diesen kein VAR eingesetzt wird, und die Schiedsrichter auf einmal wieder Entscheidungen treffen müssen und siehe da: Sie können es, wenn ihnen der Druck durch den Kölner Keller genommen wird.“

VAR-Chef Jochen Drees sprach sich jüngst für eine Erklärung der Videobeweis-Entscheidungen über die Bildschirme in den Bundesliga-Stadien aus. „Ich bin der Überzeugung, dass eine bildliche Information im Stadion dazu führen würde, dass Fans die Entscheidungen besser nachvollziehen können“, sagte Drees dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vor dem Start in die kommende Bundesliga-Saison: „Aus unserer Sicht wäre es eine deutliche Verbesserung.“