Kurz vor Schluss griff Ivan Barton dann durch.

„Puto“, hatten die mexikanischen Fans wieder einmal gegrölt – und so unterbrach der Schiedsrichter die Skandalpartie gegen die USA.

Als die Teams dann in Las Vegas wieder auf dem Platz standen, die Fans aus Mexiko aber erneut homophobe Gesänge anstimmten, brach Barton das Spiel schließlich ab. Nach acht anstatt der eigentlich angezeigten zwölf Minuten Nachspielzeit.

„Das widerspricht allem, wofür wir auf unserer Seite stehen. Wir haben sehr offen und deutlich gesagt, dass die Stärke unserer Mannschaft in ihrer Vielfalt liegt und die Stärke unserer Nation in ihrer Vielfalt“, sagte US-Torwart Matt Turner, der von den mexikanischen Fans bei Abstößen als „puto“, also „schwul“, verunglimpft wurde,

„Etwas so Spaltendes“, sagte der 28-Jährige nach dem 3:0, habe nicht nur im Fußball „keinen Platz“.

Doch für Mexikos Fußball sind es die „neuen, alten Probleme“, wie El Universal nach dem Nations-League-Halbfinale der CONCACAF schrieb. Denn: Die Fans von El Tri fallen immer wieder mit den geschmacklosen Gesängen auf, zuletzt erst bei der WM in Katar. Die Geldstrafen, die Mexiko über die vergangenen Jahre vom Weltverband FIFA auferlegt wurden, summieren sich mittlerweile auf 650.000 US-Dollar, 2021 gab es gegen Jamaika gar ein Geisterspiel.

Es gibt Forderungen, Mexiko die WM zu entziehen

Die Gesänge hätten „keinen Platz in unserem Wertesystem“, sagte der US-Interimstrainer Brian Joseph Callaghan. Mehrere Fans seien „wegen inakzeptablen Verhaltens aus dem Stadion verwiesen“ worden, wie die CONCACAF mitteilte.

Und so war die bevorstehende Rückkehr von Gregg Berhalter als Trainer der USA schnell in den Hintergrund gerückt. Denn: Mexiko ist im Weltfußball gerade nicht irgendwer, sondern Co-Gastgeber der nächsten WM zusammen mit Kanada und den USA. Doch der Verband kriegt die Probleme trotz einiger Maßnahmen und Kampagnen einfach nicht in den Griff, längst gibt es Stimmen die verlangen, Mexiko die WM zu entziehen.

So weit ist es allerdings noch nicht, dennoch muss sich der mexikanische Verband auf erneute Strafen gefasst machen. Die CONCACAF verurteile „die diskriminierenden Gesänge einiger Fans“ auf das „Schärfste. Diese Vorfälle waren äußerst enttäuschend“, hieß es. Man hole nun „weitere Details und Berichte“ von den Sicherheits- und Spielverantwortlichen ein, danach werde man sich wieder äußern.

Pulisic: „Das Spiel hätte nicht in diesen Wahnsinn ausarten müssen“

Schiedsrichter Barton hatte übrigens auch auf dem Platz jede Menge zu tun. Mehrfach sorgten Rudelbildungen für Unterbrechungen, der Referee zeigte gleich vier Rote Karten – unter anderem für den ehemaligen Bundesliga-Star Weston McKennie.

„Das ist ein großartiges Ergebnis für uns, ein großer Sieg und wir stehen im Finale“ gegen Kanada, sagte Christian Pulisic: „Aber das Spiel hätte nicht in diesen Wahnsinn ausarten müssen.“