Es waren teilweise atemberaubende Szenen, die Tiago Poller im U17-Halbfinale zwischen der TSG Hoffenheim und dem VfL Wolfsburg geboten hat.

Der zentrale Mittelfeldspieler war von seinen Gegenspielern kaum zu stoppen, Ballbehandlung, Tempo und Passspiel stachen heraus.

Nicht umsonst steuerte der 16-Jährige in Hin- und Rückspiel zwei Assists bei. Dass die Kraichgauer am Ende knapp das Finale verpassten, lag nicht an Poller.

Poller ist ein Spielertyp á la Kanté oder Verratti

Die starke Performance soll der Startschuss für den nächsten Karriereschritt sein. Der Adoptivsohn des Fotografen Ralf Poller und dessen Gattin Antje hat in jungen Jahren bereits ein sehr reifes Auftreten, ist klar im Kopf.

Der elffache deutsche U16-Nationalspieler, den Trainer Michael Prus zum Kapitän ernannte, ist als Spielertyp vergleichbar mit Marco Verratti und N‘Golo Kanté. Eine Art Mentalitätsmonster, das aber auch mit technischen Elementen glänzt und den Spielaufbau vorantreibt.

Poller hat als junger Spieler weiterhin Hausaufgaben auf dem Zettel stehen, die er zu erledigen hat. Im Abschluss mangelt es noch an Zielstrebigkeit, er sollte vor dem gegnerischen Gehäuse egoistischer werden.

Auch am Thema Körperlichkeit gilt es für den 1,69 Meter großen Mittelfeldmann zu arbeiten, robuster zu werden. Manager Alexander Rosen und Mäzen Dietmar Hopp jedenfalls schauen seit den starken Auftritten im Halbfinale bei Poller genauer hin.

Hoffenheim und DFB müssen sich um Poller bemühen

Es wäre aus TSG-Sicht fahrlässig, dieses große Talent an interessierte spanische Vereine wie den FC Villarreal zu verlieren. Poller bringt das Rüstzeug mit, Profi zu werden. Er kann – sollte er weiterhin bodenständig und verletzungsfrei bleiben – ganz oben landen.

Ein solch begabter Spieler benötigt bei seiner Förderung allerdings eine klare Perspektive. Obwohl er noch ein Jahr U17 spielen könnte, wäre der Sprung in die U19 folgerichtig. Aber nicht nur Hoffenheim steht hier unter einem gewissen Druck.

Auch der DFB ist gefordert. Der kolumbianische Verband klopft nach SPORT1-Informationen lautstark bei Poller an, will sich das Ja-Wort des Juwels sichern. Verliert der deutsche Fußballverband sein nächstes großes Talent?

Lazar Samardzic (Serbien), Josip Stanisic (Kroatien) haben sich bereits gegen eine Zukunft in der deutschen Nationalmannschaft entschieden, bei Paul Wanner intensiviert Österreich seine Bemühungen.

Poller könnte auch für Kolumbien auflaufen

Trotz erster Einsätze im U-Bereich ist auch bei Poller nicht ausgeschlossen, dass er sich gegen den DFB und für eine Zukunft im kolumbianischen Nationaltrikot entscheidet.

Das Thema Wertschätzung ist ein wichtiges für diesen natürlichen Leader, der vorangehen und in den kommenden Jahren ganz oben zeigen will, welch großes Potenzial in ihm steckt.