Als Fußballer, Trainer und Sportdirektor hat Rudi Völler unbestrittene Verdienste um den deutschen Fußball erworben.
Nicht umsonst wurde der 62-Jährige unlängst zum Nationalmannschaftsdirektor des Deutschen Fußball-Bundes berufen. Dank seiner Expertise soll die Nationalmannschaft bei der EM 2024 im eigenen Land ein Erfolgs-Revival feiern – so jedenfalls der Plan.
Abseits des Fußball-Terrains ist Völler aber nun mit bemerkenswerten Aussagen über gesellschaftsrelevante Fragen aufs Glatteis geraten – etwa beim Thema Gendern.
„Ich komme aus der Brüder-Grimm-Stadt“, holte Völler im Interview mit der Frankfurter Rundschau weit aus. „Es ist ja bekannt, dass Wilhelm und Jacob Grimm nicht nur Märchen gesammelt und erzählt, sondern die deutsche Sprache mitgestaltet haben und sogar noch geschliffen. Deshalb kann ich als Hanauer mit voller Überzeugung sagen, dass ich an der alten Schreibweise festhalten werde“.
Klimakleber? „Macht das bitte nicht im Süden von Europa“
Andere Meinungen dazu akzeptiere er zwar, „aber ich mache nicht jeden Trend mit, das sollte man auch mir zugestehen.“
Auch zum Thema Klimaschutz äußert sich der Weltmeister von 1990 – und er hat sogar einen Ratschlag an die Klimakleber.
„Die Leute, die das bei uns in Deutschland tun, erleben schon noch eine bemerkenswerte Nachsicht vonseiten vieler Betroffener, die deswegen stundenlang im Stau stehen“, sagt Völler. „Ich bin ja gefühlt halber Römer und rate den Aktivisten: Macht das bitte nicht im Süden von Europa. Da ist das Verständnis der Polizei und Bevölkerung nicht ganz so groß wie bei uns.“
Völler, der mit einer Römerin verheiratet ist und selbst auch in der italienischen Hauptstadt spielte, sprach auch über einige Schimpftiraden, die seine Laufbahn durchzogen. So hatte er einst seinen jetzigen DFB-Vorgänger Oliver Bierhoff als „Maltafüßler“ attackiert.
Völler: „Da wird man schon mal durchbeleidigt“
„Da kommt meine römische Streitkultur so ein bisschen durch“, erklärte der frühere Stürmer. „Wenn in Italien im Fernsehen gestritten wird, nicht nur im Fußball, dann geht es hoch her. Da wird man schon mal durchbeleidigt. Im Vergleich dazu war die Nummer mit Waldemar Hartmann und mir vor 20 Jahren Kindergeburtstag.“
Angesprochen auf die aktuelle Lage bei der Nationalmannschaft, nimmt Völler auf dem Weg zur Heim-EM 2024 auch die Vereine in die Pflicht.
„Es gibt immer wieder Themen, bei denen DFB und Klubs nicht in einem Boot sitzen oder zumindest nicht in eine Richtung rudern“, sagte der Nationalmannschaftsdirektor des Deutschen Fußball-Bundes im Interview mit der Frankfurter Rundschau.
So werde es „bei Abstellungen oder Einsatzzeiten immer mal Reibereien geben“, sagte Völler. Er sei diesbezüglich nicht konfliktscheu: „Es ist mein Anspruch, dass die Vereine mitspielen (…). Es wissen alle, dass sie nicht nur nehmen können, sondern auch was geben müssen.“
Er kündigte an: „Ohne dass ich dazu jetzt ins Detail gehe: Das wird man schon noch merken in den nächsten Monaten.“
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Mit Sport-Informations-Dienst