Was sich im Frauenfußball ändern müsste
Was sich im Frauenfußball ändern müsste
Annika Becker arbeitet als Journalistin im Fußball. Im Podcast „Flutlicht an! Im Gespräch mit der Wortpiratin“ mit Mara Pfeiffer bespricht sie wie stark die Bundesliga derzeit ist, was für ein deutsches CL-Halbfinale spricht und in welchen nationalen Verbänden es wenige Monate vor der WM 2023 besonders rumpelt.
Im Elternhaus von Annika Becker laufen in ihrer Kindheit und Jugend neben den Ligen der Männer ganz selbstverständlich die Turniere der Frauen.
Wenn die Journalistin heute auf ihre jeweilige Fußballsozialisation zurückschaut, sieht sie dennoch Unterschiede, was auch damit zu tun hat, dass sie den Sport nicht nur schauen wollte, sondern selbst mitmischen.
„Ich wollte immer Fußball spielen und es gab aber dieses Typische, dass viele Mädchen sich davon abgegrenzt haben – und ich das Gefühl hatte, die grenzen sich auch von mir ab“, erklärt sie.
- „Flutlicht an! Im Gespräch mit der Wortpiratin“, der Podcast auf SPORT1, in dem Journalistin und Autorin Mara Pfeiffer Menschen in den Mittelpunkt stellt, die im schnelllebigen und lauten Fußballgeschäft oft zu wenig im Rampenlicht stehen.
Im Rückblick lässt sich diese Erfahrung abgleichen mit der von anderen Mädchen. Aber in der damaligen Zeit machen all diese Kinder als die Eine unter Jungs auch die Erfahrung, nicht so in vorgegebene Gruppen zu passen, wie es gesellschaftlich erwartet wird.
Annika Becker wollte einfach Fußball spielen
Ob Fußball ihr bleiben würde, war für Becker dennoch nie ernsthafte eine Frage. Früh wird die Essenerin zum Fan der Männer von Schalke 04. Die Liebe zur SGS Essen entsteht später, die Hinwendung zum Fußball der Frauen ist eine bewusste.
Sich dem Sport auch in der Arbeit als Journalistin zu widmen, ist dann ebenfalls ein Schritt, denn Becker sehr entschieden geht.
Wie viele Kolleg*innen, macht Becker rasch die Erfahrung, dass es eigentlich nicht möglich ist, sich dem Fußball der Frauen ausschließlich unter sportlichen Gesichtspunkten zu widmen. Zu bedeutsam sind dafür die Themen abseits des Spielfeldes, ob es um Equal Pay, strukturelle Bedingungen oder Vorkommnisse mit Grenzüberschreitungen geht.
Die Taktik des Spiels ist aber eine große Leidenschaft der Journalistin, und es ist Becker ein Anliegen, den Sport neben den anderen wichtigen Beobachtungen nicht zu vernachlässigen, sondern Spiele zu analysieren, Gegnerinnen einzuschätzen.
Wobei das je nach Wettbewerb, in dem Teams aufeinandertreffen, eine logistische Herausforderung sein kann: Nach wie vor liegen für Frauen weniger zuverlässig Daten vor, Spiele sehen zu können, ist teils kompliziert.
Das gilt übrigens auch für Journalist*innen aus dem Ausland, die sich vor Begegnungen in der Champions League über die deutschen Teams Bayern und Wolfsburg informieren wollen. „Unsere Liga ist international sehr unsichtbar“, sagt Becker. Vereine, die weniger regelmäßig im internationalen Wettbewerb sind, könnten die Gegnerin so auch mal überraschen.
Kampf für den Frauenfußball
Nicht gelungen ist das zuletzt den Eintracht-Frauen, deren Reise in Europa schnell beendet war. Angesprochen auf die Fusion des ehemaligen 1. FFC Frankfurt mit der Eintracht spricht Becker von Ambivalenzen: „Was ich kritisch sehe oder wo ich denke, dass man viel verlieren kann, ist der kulturelle Aspekt von Fußball.“
Im benannten Beispiel gelingt es aus ihrer Sicht bislang gut, auch die Geschichte zu bewahren, dennoch blieben auch Fragezeichen.
Ebenso gilt das für Projekte mit Investor*innen, ein Thema, das im Fußball der Männer vielfach sehr kritisch begleitet wird, aber: „Ich habe das Gefühl, dass man bei den Frauen dann oft beide Augen zudrückt, weil man das vielleicht als eine Art Charity-Projekt begreift.“
Frei dem Motto: „Ah, es macht jemand etwas für den Fußball der Frauen, dann muss es gut sein.“
Was die Journalistin sich stattdessen wünscht, sind echte strukturelle Veränderungen, die es den Spielerinnen ermöglichen, sich auf den Fußball zu konzentrieren.
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Denn das ist aus ihrer Sicht derzeit nach wie vor nicht gegeben: „Du hast auf der einen Seite den Sport und musst aber im Grunde die ganze Zeit deine eigene Anwältin, Politikerin und Lobbyarbeiterin sein.“