Der Abschied von Lionel Messi hatte Klub und Fans des FC Barcelona in eine Art Schockstarre versetzt.
Drei Tage nach offizieller Verkündung des PSG-Deals löst sich die Lethargie nur langsam auf, auch wenn die Zeit drängt.
Denn obwohl Messi nicht mehr auf der Gehaltsliste steht und Barca damit enorme Kosteneinsparungen verschafft, sind die Katalanen noch längst nicht aus dem Schneider. (Real und Barca boykottieren Milliarden-Deal)
Um das Financial Fair Play von La Liga zu erfüllen, sind die Offiziellen um Präsident Joan Laporta noch immer dabei, die Scherben aus jahrelanger Misswirtschaft zusammenzukehren – und müssen derzeit unangenehme Gespräche führen.
Verhandlungen mit Barca-Kapitänen über Gehaltsreduzierung
Weil die Neuzugänge Eric Garcia (Manchester City), Memphis Depay (Lyon), Sergio Aguero (Manchester City) und Monchu (Girona) erst bei weiterem Schuldenabbau vom Ligaverband zugelassen werden, verhandeln Laporta und Co. mit einigen Stars über eine Reduzierung ihrer Gehälter.
Namentlich sind es die vier Kapitäne Gerard Piqué, Sergio Busquets, Jordi Alba und Sergi Roberto, die sich nach Messis Abschied das Amt derzeit teilen.
Doch trotz aller Tristesse – es gibt auch optimistische Töne im Barca-Universum. So blickte Coach Ronald Koeman kürzlich “optimistisch auf die kommende Spielzeit. Wir sind sehr zufrieden mit unserem Team, den Transfers und den jungen Spielern.”
Das erste Training von Lionel Messi bei PSG ist in den Büchern. Der argentinische Superstar hatte bei Fußballtennis und Slalomläufen sichtlich Spaß und genoss das erste Training für seinen neuen Klub.
Inhaltslose Worte inmitten der größten Barca-Krise der letzten beiden Jahrzehnte? Nicht unbedingt. Denn trotz aller Wehmut und der aktuellen Sorgen gibt es einige Mut machende Faktoren.
Barca-Kader noch immer wettbewerbsfähig
Zuallererst: Der FC Barcelona hat nach wie vor einen Kader, nach dem sich der Großteil der Klubs nicht nur in Spanien die Finger lecken würden.
Wer einen Marc-André ter Stegen im Kasten hat, auf die Erfahrung der erwähnten Pique, Busquets, Jordi Alba und Sergi Roberto zählen kann und in der Offensive über Antoine Griezmann, Philippe Coutinho und Ousmane Dembelé verfügt, zählt zumindest zum erweiterten Favoritenkreis um die spanische Meisterschaft.
Gespannt darf man vor allem auf Griezmann sein, der einer der größten Profiteure des Messi-Abgangs sein könnte.
In seiner zweiten Saison bei Barca harmonierte der Franzose zwar etwas besser mit dem Superstar, doch lagen noch immer noch Welten zwischen seiner Atlético-Zeit und den Auftritten im Barca-Trikot.
Die (nicht unberechtigte) Hoffnung der Verantwortlichen ist, dass Griezmann die Messi-Lücke zumindest teilweise ausfüllen kann – jetzt, da er nicht mehr im Schatten des Argentiniers steht.
Springt Depay für Messi in die Bresche?
Während Dembelé noch seine Verletzung auskuriert und Coutinho ein Verkaufskandidat ist, hat Koeman mit Memphis Depay seinen Wunschspieler bekommen. Auch der 27-Jährige, der in der vergangenen Saison 22 Tore für Lyon erzielte, soll – wenn er denn darf – helfen, die Messi-Lücke zu schließen.
Depay ist in ähnlicher Rolle wie Messi unterwegs und dürfte keine großen Anpassungsschwierigkeiten haben. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings auch: Aguero fällt mit einer Wadenverletzung zehn Wochen lang aus.
Aber da wären ja noch die Jungstars, mit denen Barca schon in der Vorsaison punktete und die den zuletzt ramponierten Ruf des Klubs, Talente hervorzubringen, wieder geraderückten.
So zeigte Pedri schon in seiner Premierensaison bei den Katalanen, zu was er fähig ist – und das so eindrucksvoll, dass er prompt zu Messis neuem Lieblingskollegen wurde.
Koeman: Die Vergangenheit abhaken
Pedri, der sowohl bei der EM als auch das Olympiaturnier spielte, wird auch ohne seinen kongenialen Nebenmann eines DER Gesichter der Post-Messi-Zeit werden. Ihm zur Seite wird dann auch Ansu Fati stehen, der nach langwieriger Verletzungspause zumindest schon wieder trainiert.
Lionel Messi wird offiziell bei Paris Saint-Germain vorgestellt. Der Argentinier kann es kaum erwarten, bei seinem neuen Klub loszulegen.
“Wir müssen verstehen, dass es immer ein Ende für einen Spieler gibt”, sagte Koeman am Freitag bei ESPN. “Wir müssen dieses Kapitel schließen und uns auf die neue Saison fokussieren. “Wir haben in dieser Saison junge Spieler im Kader, was auch für die Zukunft wichtig ist, wir arbeiten an der Zukunft dieses Vereins und es ist sehr wichtig, dass wir unseren Fokus darauf legen und nicht darauf, was in den letzten Tagen passierte.”
Und so wird sich die Schockstarre vermutlich bald ganz auflösen, auch wenn beim sehnsüchtigen Blick nach Paris den Barca-Fans vermutlich noch lange das Herz blutet.